Übernachtungs-Besuch

Kinderbuch | Jenny Westin Verona: Kalle und Elsa lieben die Nacht

Ich gebe zu, auch heute übernachte ich gern ab und zu woanders: in einem Hotel bei einem Städtetrip, in einer Pension im Urlaub, bei Freunden nach einer Party. Aber um wie viel aufregender war das alles früher, wenn man bei der besten Freundin übernachtete, die Matratzen auf dem Boden lagen, die Süßigkeiten rundum, wenn der Fantasie so gar keine Grenzen gesetzt wurden … erinnert sich BARBARA WEGMANN

Kalle und Elsa»Wollen wir jetzt gleich unsere Schlafanzüge anziehen?«, fragt Kalle Elsa.
»Ja, damit die Übernachtung sofort anfängt«, sagt Elsa.

Alles andere als müde sind die beiden Knirpse, bewaffnet mit Chips wollen sie die ganze Nacht wach bleiben, die Sterne beobachten, den Weltraum erforschen, mit einer Rakete abheben, bis zum Mond. Ob die Nacht für all diese Abenteuer reicht?

Eigentlich könnte es ein ganz normales Bilderbuch sein, aber hier gibt es doch ein paar Dinge, die ins Auge fallen, die das Bilderbuch in ein sehr modernes Buch verwandeln. Es ist ein dunkelhäutiger Junge, der von seiner hellhäutigen Mutter zur Freundin gebracht wird, und es ist jene Freundin, die sich als erstaunlich emanzipiert und – klare Sache – dem Jungen mindestens gleichgestellt zeigt. Wer hier das Sagen hat, das ist von Anbeginn klar.

Elsa möchte die Rakete zum Mond bauen, sie ist die Ingenieurin, hat das technische Wissen, ist natürlich auch der Flugkapitän der Rakete und überhaupt, hat sie das Kommando, und natürlich ist ihr Bett die Einsatzzentrale für das aufregende Unternehmen.

Auch, als Kalle sie warnt, nicht in das schwarze Loch zu gehen, zeigt ihm Elsa, was ein mutiges und taffes Mädchen ist: »Du bestimmst nicht über mich! …Ich bin stark wie eine Supernova«. Und Kalle unterstreicht das natürlich noch: »Ich weiß, dass du die Stärkste im ganzen Universum bist.«

Jenny Westin Verona und ihr Mann Jesús Verona spielen sich die Bälle förmlich zu: der eine für die verbalen großartigen Abenteuer, der andere für die bildliche Umsetzung. Letztere ist gelungen, wird die jungen Leser sicher begeistern und ganz viel Fantasie wachrufen. Die Seiten sind dafür groß genug, die Farben plakativ genug, die Motive zahlreich und abenteuerlich genug. Viele, viele Details gibt es auf jeder Seite zu entdecken, Stoff, aus dem sich die eigentliche Geschichte sicher noch weiterspinnen und ausmalen lässt.

Kalle und Elsa lieben die NachtMit dem Text hatte ich etwas Schwierigkeiten, ich halte ihn für zu sehr gespickt mit Fachbegriffen. Das Buch wird für 3 bis 6 Jahre empfohlen, aber wohl kaum jemand wird sich in dem Alter mit Gravitation, Meteorregen, Supernova oder schwarzem Loch auskennen. Die Sprache ist also nicht sehr kindgerecht, stellenweise auch etwas gestelzt und konstruiert. Das beeinflusst die spannende und dynamische Weltraumfahrt der beiden Freunde nicht im Geringsten. Deren Fantasie wirbelt, fliegt, und breitet sich stürmisch im ganzen Weltall aus. Und endet in einer Milchstraße, auf der Lichter in allen Farben blinken und es sich anfühlt, als säße man in einem Karussell. Aber es gibt da etwas, das schließlich so ganz irdisch wieder zurückruft: »Der Weltraum macht mich hungrig«, schreit Elsa, »wollen wir nicht ein paar Süßigkeiten essen?« – »Ja, und Chips«, antwortet Kalle.

In der Reihe ›Kalle und Elsa‹ – im Titel kommt dann doch althergebracht der Junge stets zuerst – gibt es zwei weitere Geschichten, für all jene, denen die munteren Abenteuer der beiden aufgeweckten Freunde gefallen.

BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Jenny Westin Verona: Kalle und Elsa lieben die Nacht
Illustriert von Jesús Verona
Zürich: Bohem Press 2020
36 Seiten, 16,95 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren
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