Glitzer und Jauche

Jugendbuch | Daphne Mahr: Booklove

Hoffen, dass das Böse besiegt wird und bangen, ob sich die Liebenden kriegen: Romantasy liegt im Trend. Das muss nicht jedem gefallen. ANDREA WANNER hat es mit diesem humorvoll-romantischen Schmöker versucht.

BookloveEmma hält nichts von diesem Genre, das Romantik und Fantasy unter einen Hut zu bringen versucht. Als Tochter eines alleinerziehenden Buchhändlers weiß sie aber, dass viele ganz hin und weg davon sind. Ihre beste Freundin Leona beispielsweise kann das Erscheinen des dritten und letzten Bandes der Zwanzig-Minuten-vor-Mitternacht-Trilogie kaum erwarten. Und als die Bestsellerautorin Hannah Ruderer ausgerechnet in der kleinen Buchhandlung von Emmas Vater eine Lesung hält, ist Leona ganz aus dem Häuschen.

Für Emma bedeutet es nur Stress und sie könnte gern auf das Event verzichten. (An dieser Stelle eine kleine Bemerkung: ob und was Emma nun wirklich liest, bleibt leider unbeantwortet. Kinderbücher stehen wohl noch in ihrem Zimmer, aber die jugendliche Emma scheint tatsächlich eher eine Nichtleserin zu sein.)

Doch dann verläuft der Abend ganz anders als geplant. Vinzenz, der Bösewicht aus dem Roman, taucht plötzlich leibhaftig in der Buchhandlung auf. Unglaublich altmodisch gekleidet, mit einer schrecklich geschraubten Sprache, unberechenbar – aber irgendwie auch süß. Weder Emma noch Leona können sich einen Reim auf diese unglaubliche Geschichte machen – und das ist erst der Anfang.

Daphne Mahr spielt in ihrem Erstlingswerk augenzwinkernd mit Klischees, spielt mit den kitschigen Elementen und der schwülstigen Sprache und setzt Humor und Slapstickmomente dagegen. Heraus kommt eine amüsante Mischung, stellenweise echt überraschend, teilweise vorhersehbar. Emma stolpert durch ein Abenteuer, das verrückter nicht sein könnte, und verliert ihr Herz beim langsamen Walzer an eine Romanfigur. Und wer Romantasy eigentlich nicht so mag, findet viele Stellen zum Schmunzeln.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Daphne Mahr: Booklove
Aus Versehen buchverliebt
Berlin: Ueberreuter 2021
352 Seiten, 17,95 Euro
Jugendbuch ab 12 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Auf der Flucht

Nächster Artikel

Der verstummte Dichter

Weitere Artikel der Kategorie »Jugendbuch«

»Es gilt aber zu leben« (Albert Camus)

Jugendbuch | Robert Habeck und Andrea Paluch: Zwei Wege in den Sommer

Die letzten Sommerferien vor dem Abitur. Die gefühlt grenzenlose Freiheit. Max, Ole und Svenja starten in den Sommer – auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Zielen. Von ANDREA WANNER

Patchwork-Familie als Experiment

Jugendbuch | Armin Kaster: Das geheimnisvolle Leben der Kröten

Fee ist stinksauer. Sie, die nichts mehr braucht als einen geordneten Tagesablauf, wird schon wieder von ihrer Mutter überrumpelt. Sie reisen ins Mühlbachtal, wo sie früher mal gewohnt haben, bevor die Eltern sich trennten. Dort will Fees Uropa ihrer Mutter etwas sagen. Bis es soweit ist, vergeht eine Menge Zeit und ändert sich vieles. ANDREA WANNER ist gern mit im Mühlbachtal gewesen.

Genau richtig

Jugendbuch | Nikola Huppertz: Fürs Leben zu lang

Mit ihren 13 Jahren misst Magali stolze 182 Zentimeter – und es werden wohl noch ein paar mehr werden. Der Teenager ist unglücklich und fühlt sich falsch im eigenen, viel zu langen Körper. Vor allem: Wer soll so einen langen Lulatsch küssen? Von ANDREA WANNER

Der lange Weg zu sich selbst

Jugendbuch | Volker Surmann: Leon Hertz und die Sache mit der Traurigkeit

Leon ist der 3. Leon in der Klasse. Der, von dem nie was kommt. Der, der sich immer in sein Schneckenhaus verkriecht und hinter der Turnhalle verschwindet. Zum Heulen, aber das weiß nur seine Therapeutin. 13 ¾ ist ein in jeder Hinsicht doofes Alter, aber da muss man durch. Von ANDREA WANNER

Böses Schweigen

Jugendbuch | Emiel de Wild: Brudergeheimnis »Schweigen ist Gold«, heißt es, aber so einfach ist die Sache nicht. Es kommt darauf an, worüber geschwiegen wird und das kann zuweilen etwas Schreckliches sein. Über Schreckliches zu schweigen bleibt jedoch nicht folgenlos. Emiel de Wild geht in seinem Debütroman ›Brudergeheimnis‹ auf beunruhigende Weise der Frage nach, wie die Folgen bösen Schweigens aussehen können. Von MAGALI HEISSLER