/

Ein Dichterinnen-Leben in Bildern

Comic | Rose Ausländers Leben im Wort

Eine kleine, aber feine Graphic Novel von Oxana Matiychuk aus dem unabhängigen Verlag danube books aus Ulm beschäftigt sich mit dem Leben der Poetin Rose Ausländer. Illustriert von den Künstlern Olena Staranchuk und Oleg Gryshchenko behandelt der Band in rot-grün-grau-schwarzen gedeckten Farben das Leben und Werk der jüdisch-deutschen Dichterin. Von FLORIAN BIRNMEYER

Rose Auslaender Die Überblicksbiographie zeichnet den bewegten Lebensweg der in der Bukowina geborenen Schriftstellerin Ausländer nach. Ich habe von ihr mehrere Gedichtbände gelesen und bin so kein unbeschriebenes Blatt, was Rose Ausländers Biographie und Schaffen angeht.

Mir kam anfangs das Schreiben und ihre Poesie zu kurz, denn lange werden zwar in prägnanter Weise Ausländers Aufwachsen, ihr Exil, ihre Ehen und Scheidungen sowie ihre Rückkehr aus dem Exil in den USA beschrieben, doch die Gedichte selbst bleiben im Hintergrund. Gegen Ende gehen die Schöpfer der Graphic Novel dann aber doch noch auf ihre Gedichtbände und ihr Dichten ein, indem sie sogar einige über einzelne Seiten hinweg zitieren.

Die Graphic Novel wählt anders als viele andere zu Comics verarbeitete Biographien den Weg, einen durchgängigen Erzähl-Kommentar über die Seiten zu verteilen, während die Bilder nur der Illustration dienen. Andere Autorinnen und Autoren haben in Biographien im Graphic-Novel-Format auch die Comic-typischen Sprechblasen verwendet, was die Figuren noch mehr zum Leben erweckt.

Mir hat das Werk trotzdem gefallen. Auch wenn es sehr kurz und schnell gelesen war, habe ich noch Neues über Rose Ausländer gelernt und Altes wiederentdeckt. Für Rose Ausländer-Freundinnen und -Freunde sowie Lyrik-Interessierte kann ich dieses »Leben im Wort« wie der Untertitel lautet, empfehlen. Es eignet sich auch für Jugendliche und den Einsatz im Unterricht, da die Sprache leicht verständlich ist.

| FLORIAN BIRNMEYER

Titelangaben
Oxana Matiychuk (Text) / Olena Staranchuk, Oleg Gryshchenko (Illustrationen): Rose Ausländers Leben im Wort
Ulm: danube books 2021
56 Seiten, 16 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Chaosurlaubstage

Nächster Artikel

Unterwegs und trotzdem lecker

Weitere Artikel der Kategorie »Comic«

Kampf der Superlative

Comic | Jodorowsky/Fructus: Showman Killer Wenn ausgerechnet Incal-Autor Alejandro Jodorowsky, der inzwischen auch »Heilung durch Kunst« betreibt, die Geschichte des mächtigsten Killers des Universums erzählt, will BORIS KUNZ unbedingt dabei sein.

Ein alternatives Deutschland

Comic | Internationaler Comic Salon Erlangen 2014: Auf der Suche nach dem deutschen Genrecomic, Teil 3 Zeichner Felix Mertikat und Autorin Verena Klinke stellten in Erlangen den mittlerweile dritten Band ihrer eigenwilligen, atmosphärischen »Steampunk«-Erzählung ›Steam Noir‹ vor, unter anderem mit einer multimedialen Lesung und einer kleinen Ausstellung in einer Scheune, die zu finden den Autor dieser Zeilen drei Anläufe gekostet hat.

Jungenphantasien in einem erwachsen gewordenen Medium

Comic | Daniel Clowes: Der Todesstrahl Kann es bei all den postmodernen Superheldengeschichten der letzten Zeit (Kick Ass, Superior, den wiederbelebten Watchmen etc.) überhaupt noch möglich sein, einen weiteren originellen Ansatz zu finden, von Superhelden im wirklichen Leben zu erzählen? BORIS KUNZ hat mit Staunen festgestellt, dass es dem vielseitigen Comic-Künstler Daniel Clowes tatsächlich gelungen ist.

Von Wundern im digitalen Zeitalter

Comic | Todd McFarlane / Brian Holguin / Clayton Crain: Savior Schon in seinen Superheldencomics spielt der Texter Todd McFarlane mit religiös-mystischen Motiven, weswegen es auch nicht verwundert, dass er diesem Topos auch in anderen Werken treu bleibt. Zusammen mit dem Comictexter Brian Holguin und dem Zeichner Clayton Crain hat er ergo das Jesus-Motiv für die USA im 21. Jahrhundert neu aufbereitet. PHILIP J. DINGELDEY hat sich ›Savior‹ angesehen.

Seinerzeit in Taiwan

Sean Chuang: Meine 80er. Eine Jugend In Taiwan   Comiczeichner und Werbefilmer Sean Chuang blickt zurück: Der im Zürcher Verlag Chinabooks zweisprachig veröffentlichte Band ›Meine 80er. Eine Jugend In Taiwan‹ möchte anhand biographischer Comic-Episoden einem Lebensgefühl in einer Zeit des Umbruchs nachspüren. Von CHRISTIAN NEUBERT