Den Worten verfallen

Lyrik | Peter Engel: Den Worten verfallen

Schon am Morgen der starke Rausch,
wenn die Einfälle kommen
beim Erwachen und mich erste
Worte hin zum Schreibtisch ziehn,
wenn sie mich nötigen,
ihnen genug zu tun auf dem Blatt.

Dort fallen sie über mich her
und zwingen mich, sie in Verse
zu fassen und zu bändigen,
sie fügen sich meiner Sprachkraft
und lassen sich in Zeilen fesseln,
daß sie darin inhaftiert sind.

Und wie gern tue ich ihnen
meine Gewalt an und lebe
unsrer wechselseitigen Verfallenheit,
genieße sie in vollen Zügen
und sammle unsre Genüsse,
halte sie Wort für Wort fest.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Die Lebenden, die Toten und die Seefahrer

Nächster Artikel

Arm und reich

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Zu den Sternen

Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer  Nun starren sie vom Himmel wieder auf das bunte Treiben nieder

Liebende mit Promotion

Textfeld | Martin Jürgens:Liebende mit Promotion DEUTSCHLÄNDERIN UND DEUTSCHLÄNDER 1 Sie lieben beide Aznavour, Den frühen Peter Stein Und heute? Immer noch Die Pina Bausch und „In the Mood for Love“. “Zum Weinen schön.” Er nickt. Soviel Konsens Am ersten Abend schon, Nach einer Flasche Chateauneuf.

Wenn Ottos Mops kotzt

Menschen | 100. Geburtstag von Ernst Jandl

»Man muss nämlich im Auge behalten, dass Jandls Werk sich nicht in Reduktion, Lautgedicht, Typogramm erschöpft, sondern dass ebenso das Ausschreiten des Sprachinnenraums, der semantischen Färbungen und Mischungen, der Bedeutungsmodalität eine Rolle spielt«, hatte Helmut Heißenbüttel 1984 in seiner Laudatio zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Ernst Jandl erklärt. Ein Porträt von PETER MOHR

Drei Gedichte

Textfeld | Wolfgang Denkel: Drei Gedichte

Schwerkraft

Leuchtgrüne Libelle, nadel-
dünn. Dein schimmernder
Flügel grüßt von so weit
her. Einst wollte auch ich
ihn mir wachsen lassen.