Hauptsache gemeinsam

Kinderbuch | Michael Engler: Polaah und das Rhabarber-Komp(l)ott

Auch heute noch, längst erwachsen, passiert es mir, dass ich etwas in den Auslagen der Einkaufsmärkte finde, was ich noch nie gegessen habe und dessen Namen ich nicht kenne. Ich habe mir vorgenommen, immer zu fragen und das Unbekannte dann mutig auszuprobieren. Das kann, wie das Bilderbuch ja auch zeigt, eine Menge Spaß machen, weiß BARBARA WEGMANN.

Das Buchcover zeigt mehrere gezeichnete Tiere, unter anderem eine Eule, einen Polarfuchs, einen Schneehasen und einen Pinguin, die um einen dampfenden Kessel stehen.Michael Engler, jener Niedersachse, der sich diese wunderschöne Geschichte ausgedacht hat, hatte offenbar schon immer Flausen im Kopf. Bei all der sich ausbreitenden Langeweile in seiner Geburtsregion, so schreibt er auf seiner Homepage, gäbe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder schubst man nachts Kühe auf den Weiden um oder man denkt sich Geschichten aus. Da ich noch nie von umgeschubsten niedersächsischen Kühen gehört habe, wird er sich früh für die andere Möglichkeit entschieden haben. Und das ist gut so: Viele schöne Geschichten sind entstanden, viele kleine Fans schart der frühere Artdirector einer Werbeagentur um sich, viel Fantasie versprühen seine dialogreichen und lebendigen Erzählungen.

Hauptdarsteller in diesem Buch, einem von mehreren Bänden aus der Polaah-Reihe, sind Mampf, ein »viel fressendes Vielfraß«, Gru-Gru, »die vermutlich einzige tauchende Schneeeule«, Polaah, »der beste Polarfuchs, den man sich wünschen kann«, Ping, der Pinguin, der »am falschen Ende der Welt« lebt und Hops, der »flinke Polarhase«.

Es ist Sommer, die Natur bietet schon eine ganze Menge, der Himmel ist blau, die fünf Freunde toben durch Wald und Flur und sammeln allerlei. Und da passiert es: »Rhabarber-Komplott«, das sei das beste Essen auf der Welt, wirft Mampf in die fröhliche Debatte. Keiner weiß, was das sein soll. »Das Beste«, sagt Mampf, ein klein wenig hochnäsig und besser wissend, »wenn man etwas von Essen versteht, natürlich.« Prompt kommt die Frage aus der Freundesrunde nach den Zutaten für ein solches »Komplott«. »Für die Zubereitung braucht man sehr viel und dies und das und auch noch nahezu alles.«

Ohne zu wissen, was denn Rhabarber eigentlich ist, wie er aussieht und wie, man das Komplott zubereitet, fangen alle ganz geschäftig mit der Zubereitung an: Der Ofen wird angemacht und sie verabreden, jeder solle in eine andere Himmelsrichtung gehen, um Rhabarber zu suchen. Einig sind sie sich, dass sie auf jeden Fall gemeinsam kochen und essen wollen. Die Vorfreude ist riesig.

Natürlich wird es eine ganze Weile dauern, bis die fünf Freunde etwas finden werden, das ja vielleicht nicht nur so aussieht wie Rhabarber. Bis dahin, Seite für Seite, schließt man die fünf Freunde ins Herz, ihre Tapsigkeit, ihre bezaubernde Art, etwas zu suchen, was man nicht kennt, ihren nicht nachlassenden Eifer in dieser Suche, immer das gemeinsame Ziel vor Augen. Zusammenhalt ist wichtig, wie auch Freundschaft, dann klappts bestimmt irgendwann mit dem Rhabarber.

Für die Illustratorin Joëlle Tourlonias ist es nicht die erste Zusammenarbeit mit Michael Engler. Aber eine lange, lange Liste weiterer Bücher sprechen für ihr Können, ihre Fantasie, ihr Talent und ihren großen Erfolg. Ihre Figuren strahlen Lebhaftigkeit und Lebendigkeit aus. Da ist zwar kein großartiger Gesichtsausdruck, sie haben auch keine sehr unterschiedliche Fellfarbe, aber irgendwie sagt jede Bewegung der Fünf viel und genug aus, Körperhaltungen, Blicke und Augen, Kopfdrehungen erzählen die illustrierte Geschichte. Und: die fünf halten zusammen.

Als sie sich wieder treffen, haben sie Kräuter und Moos, Fische und Algen, Gras und Würmer und eine Maus gefunden. Ob da Rhabarber für das »Komplott« dabei ist? »Es ist schwer, etwas zu finden, das niemand kennt.« Hops ist etwas verzweifelt, aber aufgeben kommt für Polaah nicht infrage. Außerdem ist es doch auch völlig egal, was man da isst und kocht. »Ist es nicht viel wichtiger, dass wir alle viel Spaß hatten und zusammen gesucht und gegessen haben? Gibt es etwas Schöneres auf der Welt?«

Und wer jetzt gerne das mit dem Rhabarber einmal ausprobieren möchte, für den gibt es auf der letzten Seite des Buches ein Rezept für Rhabarber Kompott, nicht Komplott, nein, Kompott … lecker. Und nicht vergessen: Rhabarber ist mega gesund!

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Michael Engler: Polaah und das Rhabarber-Komp(l)ott
Mit Illustrationen von Joëlle Tourlonias
Leinen: 360 Grad Verlag 2022
32 Seiten, 15 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren
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