Gedichte III

Lyrik | Peter Engel: Gedichte III

Moment in Kius, schleiwärts

Zusehn beim Sammeln des Honigs
und wie sich die Schatten verschieben,
ganz langsam wandert die schnelle
Zeit über die Wiese hin,
die Gräser einzeln ausgeleuchtet.

Du machst etwas falsch, prüfst nicht
genau genug die Beschaffenheit
dieser Tage, dieses Moments,
der einzig hier bleiben wird
in dieser fahrigen Zeile.

Schwieriges Jagdglück

Immer häufiger fehlen mir
die Worte, deshalb suche ich sie
mir täglich noch intensiver
zusammen und schreibe sie auf,
damit sie haften bleiben.

Manchmal fällt eines der Wörter
aus dem Gedächtnis heraus,
dann umkreise ich es immer
wieder mit Suchbewegungen,
stelle es schließlich wie ein Wild.

Welch ein Glücksgefühl, wenn ich
das richtige Wort glatt treffe
in einem zielgerichteten Vers,
wenn der Blattschuß mittendrin steckt
in einer glasklaren Strophe.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Kooperationsprojekt translit

Nächster Artikel

Sandgemälde

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Die Folgenlosigkeit der Erkenntnis

Lyrik | Ann Cotten: Nach der Welt Worin liegt der Reiz von Texten, die nicht einfach nur erzählen, sondern vielmehr auflisten? In der Erkenntnis, die sie vermitteln, meint Ann Cotten. Überprüft von CARSTEN SCHWEDES

»…was bleibet aber, stiften die Dichter« (Hölderlin)

Jugendbuch | Stephanie Jaeckel: Hölderlin leuchtet

Hölderlin leuchtet. Und ein ganz besonders Buch schafft es, ihn wirklich zum Leuchten zu bringen. Nicht nur für die, die Germanistik studiert und sich in sein Werk vertieft haben. ANDREA WANNER findet, er leuchtet tatsächlich für alle.

Purpurne Wolken und eine Armee von Raben

Kulturbuch | Heike Gfrereis: Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie

Purpurne Wolken und eine Armee von Raben. Das neue Marbacher Magazin begleitet klug, spannend und aufschlussreich eine Ausstellung über Friedrich Hölderlin, auf den sich wohl fast alle deutschen Dichter irgendwie und irgendwann bezogen haben, vor allem Paul Celan. Von GEORG PATZER

Der Dichter der Shoah

Sachbuch | Lyrik | Bertrand Badiou: Paul Celan

Er gelangte mit seiner Sprache an die Grenze des Sagbaren. Seine ›Todesfuge‹, im Jahr 1947 erstmals veröffentlicht, wurde zu einem der berühmtesten deutschen Gedichte nach 1945 - auch durch die Verszeile »… der Tod ist ein Meister aus Deutschland«. Es wird gelesen, wiedergelesen und Interpretiert als eines der eindrücklichsten Versuche, das Grauen der Shoa mit lyrischen Mitteln zu fassen. Von DIETER KALTWASSER

Axel Görlach: Zwei Gedichte

Lyrik | Axel Görlach: Zwei Gedichte gegen das streunen konfektionierter sinntumore gegen das atemkalksein brauchen wir entzündung versfäden gordisch gewirkt zur brücke ins weltall die stadt geschlagen in sternenfilz noch wäscht uns der fluss die sevofluranprogramme aus dem blut