Viele Vielleichts

Jugendbuch | Tamara Bach: Honig mit Salz

Gibt es etwas Öderes, als 13 zu sein und mit den Eltern in Urlaub zu fahren? Da hilft auch Griechenland nicht viel, zumal wenn die Ferienwohnung ein ganzes Stück vom Meer entfernt ist. Ari träumt sich durch griechische Sommertage. Von ANDREA WANNER

Eine Leiter, die in den Himmel führt.Eigentlich ist die Dreizehnjährige bereit sich zu arrangieren, das Beste aus diesen Tagen zu machen. Aber die Eltern machen es ihr nicht leicht. Statt in Ferienlaune zu kommen, stellt sich schnell heraus, dass die Mutter doch arbeiten muss und so verzieht sie sich an ihren Laptop. Es kriselt, die Stimmung wird schlechter. Die Glückskatze ist in den Augen ihrer Mutter nur ein verlaustes Tier, bei dem man sich alles Mögliche an Krankheiten holen kann und der Vater verschwindet irgendwann ganz mit dem Auto, um auf eigene Faust die Insel zu erkunden.

Zum Glück gibt es Handys und Elif, Aris beste Freundin. So lässt sich die Entfernung nach daheim spielend überwinden. Elif erfährt alles, was Ari beschäftigt – bis Elif plötzlich nicht mehr antwortet und auch Aris Nachrichten nicht mehr liest oder hört. Was ist bloß los?

Ari wird zur Meerjungfrau, die für immer im Wasser bleibt, sie wird zu Ariadne (so lautet ihr richtiger Name) flirtet mit Pegasos und bekommt ihren ersten Kuss, kauft sich Lipgloss mit Melonengeschmack und findet sich manchmal hübsch, wenn sie in den Spiegel schaut.

Sie findet ihre Eltern peinlich, den Streit schrecklich, lässt sich auf keine Seite ziehen. Sie versteckt die Zigaretten der heimlich rauchenden Erziehungsberechtigten und sucht nach Nischen, Orten, Freiräumen, um dem Stress zu entkommen.

Tamara Bach erzählt in kurzen Sätzen und Satzfragmenten, schnörkellos aber treffend. Tatsächlich gelingt es ihr, das Gefühl einzufangen, sich nach dem Unabhängigsein zu sehnen, endlich auf eigenen Beinen zu stehen, eigene Entscheidungen zu treffen und eigene Wege zu gehen. Auch wenn man mit dreizehn davon noch ein gutes Stück entfernt ist. Es ist eine Zeit in der Schwebe, ebenso federleicht wie zentnerschwer, eine, in der alles offen ist, alle Möglichkeiten noch vor einer liegen. Das spürt man auch an und in der Sprache.

Die Leichtigkeit von Sommertagen liegt voller Versprechen und auf Ari warten noch viele Sommer.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Tamara Bach: Honig mit Salz
Hamburg: Carlsen 2023
158 Seiten, 14 Euro
Jugendbuch ab 12 Jahren

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Ferne

Nächster Artikel

Das Leben der anderen

Weitere Artikel der Kategorie »Jugendbuch«

Überraschung

Jugendbuch | Gudrun Skretting: Mein Vater, das Kondom und andere nicht ganz dichte Sachen Lustiger Aufklärungsroman für junge Teenager? Nicht schon wieder. Aus Norwegen? In dem Fall kann man ausnahmsweise einen Blick riskieren. Ein Debütroman? Her damit. »Gute Entscheidung!«, kann man nicht anders sagen. Von MAGALI HEISSLER

»Sei kein Arschloch!«

Jugendbuch | Maja Ilisch: Unten

Nevo lebt in einem Haus, das sie noch nie verlassen hat. Besonders lustig geht es in diesem dort nicht zu: Für alles gibt es Regeln. Und wer sich nicht daran hält, bekommt Probleme. Aber dann geschieht etwas, das Nevo zum Handeln zwingt. Von ANDREA WANNER

Dechiffrieren

Jugendbuch | Meg Rosoff: Was ich weiß von dir Wenn wir mit anderen Menschen zusammen sind, verständigen wir uns nicht nur mit Worten. Kommunikation besteht aus viel mehr. Aus Gesten, Mienenspiel, Körperhaltung. Einfluss nimmt das jeweilige Geschlecht, Alter, die Lebenserfahrung. Die Kommunikation ist ein Code, ihn vollständig zu entschlüsseln heißt, einen Menschen durch und durch kennenzulernen. Meg Rosoff setzt ihre junge Heldin dem Abenteuer des Dechiffrierens aus. Mit allen Folgen. Von MAGALI HEISSLER

»Müssen« müssen

Kinderbuch | Henning Löhlein, Charlotte Habersack: Wenn ich aber nicht muss! Wer kennt diese Situation nicht: man steht fix und fertig angezogen da, hat alles zusammen, Schlüssel, Geldbeutel, Hut und Schirm, kann endlich, endlich aufbrechen und dann … verschwindet man sicherheitshalber noch einmal im Stillen Örtchen. Was bei Erwachsenen längst zum ‚sicherheitshalber’ geworden ist, ist für Kinder, besonders für recht kleine, eine ganz schreckliche Geduldsprobe. Ausgedacht, einzig und allein, um die Kleinen zu ärgern, daran gibt es keinen Zweifel. Henning Löhlein und Charlotte Habersack präsentieren mit Wenn ich aber nicht muss! genau so eine Geschichte, mit Verve und Witz und

Spannung!

Jugendbuch | Iris Stobbelaar: Die Verwunschenen Angesichts all dessen, was heutzutage aufgefahren wird, um eine Geschichte zu erzählen, an Farben, Rasanz und Ton, vergisst man leicht, dass das am besten vor schlichtem Hintergrund wirkt. Iris Stobbelaar hat ihren ersten Fantasy-Roman auf Schlichtheit und Geradlinigkeit aufgebaut und so geradezu lässig Spannung pur entfesselt. Von MAGALI HEIẞLER