Das ewig Faszinierende

Sachbuch | Adrian Rohnfelder/ Dennis Oswald: Himmel und Hölle

Ja, ja, es fasziniert, ohne Frage, Tornados, Gewitter, Dürren, Wüsten, Vulkanausbrüche, diese Urgewalt. Die Kräfte der Natur haben immer schon den Atem verschlagen. Festgehalten in einem derart beeindruckenden Bildband allemal – findet BARBARA WEGMANN

Ein Blitz schlägt auf einem Feld einGanz schön mutig, diese zwei Autoren, der eine studierter Geograf und Meteorologe, der andere hatte einmal einen gut bezahlten Beraterjob, den er eintauschte gegen »Abenteuer, Kamera und Leidenschaft«. Beide haben sie schon internationale Preise für ihre beeindruckenden Bilder von zahlreichen Unternehmungen bekommen, beide lassen keine Gelegenheit aus, auf Reisen zu gehen, beide sind immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Naturereignissen.

»Himmlische Spannung«, »Höllische Unterwelt« und »Irdische Unendlichkeit«, so haben sie ihre drei großen Kapitel in dem durchgängig extrem schön bebilderten Buch überschrieben. »Begeisterung, Ehrfurcht und damit Respekt« vor Natur und ihren Erscheinungsformen wollen sie mit den Fotografien erzeugen; zugegeben, das ist auch schnell geschehen, einerseits. Andererseits kann man den Klimawandel mit all seinen gewaltigen Naturereignissen, den Veränderungen, der zerstörerischen Kraft aktuell auch nicht ausblenden auf den Seiten. Aber nein, der Klimawandel ist kein Thema in diesem Buch, hier gehen die Schönheit, die Kraft, die Urgewalt und die Unbarmherzigkeit von Naturgewalten vor, festgehalten in hoch professionellen Fotos. Und die sind in der Tat geradezu eine Augenweide.

Dass die beiden Fotografen für ihre Motive »brennen«, wird schnell klar. »Egal ob feurige Vulkane, gewaltige Gewitter, eisige oder vor Hitze flimmernde Wüsten: Es sind diese Orte quer über den Erdball verteilt, für die wir leidenschaftlich brennen … Für uns offenbart sich dort … die Kraft der Natur in ihrer ganzen -himmlischen- Pracht.« Ein faszinierendes Erlebnis mit auf diese Reise zu gehen.

Texte gibt es nur wenige in diesem Buch, dennoch, sie sind sehr inhaltsreich, geben viele Infos und Wissenswertes. Viele Blitz- und Tornadobilder beispielsweise entstanden in Amerika: »Ein Blitz kann eine Temperatur von bis zu 30 000 Grad Celsius erreichen. Damit ist er für einen Bruchteil einer Sekunde circa fünfmal so heiß wie die Oberfläche der Sonne.« Weltweit ereignen sich jeden Tag etwa 10 Millionen Blitze. Die meisten Blitze, so sagt die Statistik, entstehen im Kongo. In Deutschland, wir sollten es nicht unerwähnt lassen, seien es jährlich immerhin vier Millionen. Hätten Sie’s gewusst?

Gerade diese Infos sind es, die das Buch über die tatsächlich sehr attraktiven Fotografien hinaus ungemein interessant machen. So auch im Kapitel über Wüsten, eben alles andere als nur Sand. Auch Kies-, Stein-, Salz- oder Eiswüsten gibt es. Der Laie stellt sich die Wüste als abgeschlossenen, lebensarmen, kargen Naturraum vor. Dass dem nicht so ist, zeigt das Beispiel der Sahara. Sandstürme dort transportierten, so schreiben die beiden Profifotografen, regelmäßig wichtige Nährstoffe wie Eisen und Phosphat in die Atmosphäre und seien so Düngelieferanten in weit entfernten Regionen. »Diese lebensfeindliche Wüste sorgt zum Beispiel dafür, dass der Amazonas-Regenwald so üppig wachsen und seiner Rolle als ›Lunge unseres Planeten‹ gerecht werden kann.«

Fantastische Aufnahmen haben ihren Preis: Stundenlange Autofahrten durch unwegsames Gelände, stundenlanges Warten auf das endlich richtige Licht, Hitze ohne Dusche, »auf Nudeln und Kekse reduzierte Verpflegung«, »kräftezehrendes Trecking fern jeder Zivilisation«. Persönliche Worte zum Schluss des Buches, die aber letztlich die Fotografien in noch wertvollerem Licht erscheinen lassen.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Adrian Rohnfelder/ Dennis Oswald: Himmel und Hölle
Die Faszination extremer Naturereignisse
München: Knesebeck Verlag 2023
160 Seiten, 36 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

I’m in the basement, you’re in the sky. I’m in the basement baby, drop on by

Nächster Artikel

Nicht nur ein Zimmer für sich allein

Weitere Artikel der Kategorie »Sachbuch«

Mit den Augen der Meister gesehen

Sachbuch | National History Museum (Hg): Die erstaunliche Welt der Tiere

»Wildlife Photographer of the Year«, diesen weltweiten Foto-Wettbewerb veranstaltet das Naturhistorische Museum in London schon seit über 50 Jahren. 100 Fotografien, die einmal mit dabei waren, stellt dieser Bildband vor. Die Besten der Besten sozusagen. Genuss in Wort und vor allem Bild, wie BARBARA WEGMANN meint.

Sozial, aber nicht demokratisch!

Gesellschaft | Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft – Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne Man sagt, Deutschland sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern glimpflich aus der Finanz- und Wirtschaftskrise herausgekommen. Beim Blick auf populistische Proteste und Bewegungen wie ›Pegida‹ und ›Occupy‹ und der Gründung von Rechtsparteien wie der ›AfD‹ jedoch zeichnet sich ein demokratisch-sozialer Konflikt in der Bundesrepublik ab, der das demokratische System selbst ins Schaukeln bringen und »autoritäre Strömungen, die sich der liberalen Grundlagen unserer Gesellschaft entledigen«, erzeugen könnte. Wie konnte es soweit kommen? Von MONA KAMPE

Grenzerfahrungen

Kulturbuch | Rüdiger Dingemann: Mitten in Deutschland Über vierzig Jahre lang ging ein Riss durch deutsche Lande. Rüdiger Dingemann berichtet von historischen, kulturellen, landschaftlichen Entdeckungen an der ehemaligen Grenze, von einzigartigen Menschen, Schicksalen und Ereignissen ›Mitten in Deutschland‹. Von INGEBORG JAISER

Spurenlesen im Fußabdruck der Stadt

Kulturbuch | Mueller-Haagen / Simonsen / Többen: Die DNA der Stadt »Sie werden alle Städte, die Sie von nun an besuchen, besser verstehen«, heißt es in dem Vorwort der Verleger. Ein Versprechen, das die Architekten Inga Mueller-Haagen, Jörn Simonsen und Lothar Többen einhalten. Sie zeigen Städte, wie sie nur selten zu sehen sind, im Schwarzplan, ihrer ehrlichsten Form. Von STEFFEN FRIESE

Wie die Welt tickt

Sachbuch | Volker Reinhardt: Machiavelli Machiavelli hat einen legendär schlechten Ruf als Propagandist zynischer Machtpolitik – zu Unrecht: Er hatte einfach ihre Mechanismen genau studiert und schonungslos und sarkastisch wie kaum jemand vor und nach ihm beschrieben. Eingebracht hat ihm das vor allem systematisches Missverstehen, üble Polemik und schlimmstenfalls Beifall von der falschen Seite, nämlich unappetitlichen Despoten aller Couleur. Warum man seine Analysen aus der Renaissance-Zeit gerade heute bestens gebrauchen kann, macht eine neue Biographie des Fribourger Historikers Volker Reinhardt klar, Machiavelli oder: Die Kunst der Macht. Von PIEKE BIERMANN