Jede Menge Mütter

Kinderbuch | Frauke Angel: Das Mädchen mit den vier Namen

Die meisten Kinder haben eine Mutter, manche haben zwei. Aber Luna Debora Gretel Victoria hat tatsächlich vier Mütter – und von jeder einen anderen Namen. Eine schöne Geschichte – findet ANDREA WANNER

Ein Mädchen steht auf einer Wiese. Am Horizont fährt ein Eiswagen.Erzählt wird sie von Ida, die das neue Nachbarsmädchen natürlich schon bemerkt hat, aber keine Lust hat, mit ihr zu reden. Das liegt auch an der großen Sommerhitze, gegen die nur Eis hilft. Und beim Anstehen am Eiswagen mit ihrem Bruder Knut taucht auch die Neue, kauft nach langem Überlegen Schokoeis und spricht das Geschwisterpaar an.

Nachdem sie erfahren hat, wie die beiden heißen – Ida und Knut – verrät sie auch ihre vier Namen. Die Geschwister staunen. Und wundern sich noch mehr, als Vicky, wie sie der Einfachheit halber genannt wird, von ihren vier Müttern erzählt. Eine abenteuerliche Geschichte mit einem Happy End.

Da gibt es die Bauchmutter, die das Kind auf die Welt gebracht hat und es in eine Babyklapp gelegt hat. Dort gefunden hat es die Findemutter, die sich um Vicky kümmerte, bis das eine Pflegemutter tat, die der Kleinen jeden Abend Märchen vorlas.

Und jetzt ist sie endlich angekommen: bei ihrer Herzensmutter, die das Mädchen nie wieder hergeben wird. Jede der Mütter hat einen Namen für das Kind, zu jedem Namen gehört eine Geschichte, die Luna Debora Gretel Victoria selbstbewusst und glücklich erzählt.

So kann das Schicksal eines Kindes ohne leibliche Eltern aussehen: eine Aneinanderreihung von Glücksfällen, von Menschen, Müttern, die das Beste für es wollen. In der Einleitung heißt es: »Es gibt Geschichten, die wie Märchen klingen und doch keine sind. Diese Geschichte ist eine von ihnen. Denn das Mädchen mit den vier Namen gibt es wirklich.« Ob es tatsächlich die vier Namen sind, die Frauke Angel ihr gibt, wissen wir natürlich nicht, aber eine schöne Vorstellung ist es allemal. Mehrdad Zaeri hat sich dazu fröhliche Bilder ausgedacht, die eine sommersprossige Göre mit blonden Zöpfen und einem Lächeln zeigen: freundlich und nett sieht sie aus, offen und vergnügt. Genauso ist sie auch, sucht Kontakt, erzählt von sich und fragt nach den anderen.

Das sieht ganz nach dem Beginn einer Freundschaft zwischen ihr, Ida und Knut aus. Und nach einem wirklich gelungenen Bilderbuch, an dem höchstens der Preis einer Eiskugel nicht stimmen kann. Die kostet nämlich einen Euro. Und das ist dann doch eher ein Märchen in diesem Sommer.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Frauke Angel: Das Mädchen mit den vier Namen
Illustriert von Mehrdad Zaeri
München: Tulipan 2023
36 Seiten, 16 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Karttinger 2

Nächster Artikel

Neue Freunde in der Not

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Lust auf Süßes

Kinderbuch | Gundi Herget: Mozart & Robinson und der waghalsige Pfannkuchenplan Was macht zwei Mäuse, wenn es nichts mehr zu essen gibt? Mozart und Robinson erweisen sich als ausgesprochen findig, meint ANDREA WANNER

Zwei beste Freunde

Kinderbuch | Werner Holzwarth: Mein Jimmy Vom Tod erzählen ist nicht einfach. Zu oft wird es kitschig, oder der Schmerz wird weggetröstet. Werner Holzwarth, dem Erfinder des ›Maulwurfs, der wissen will…‹, gelingt es, ohne Sentimentalität, Pathos oder religiöse Verklärung davon zu erzählen. Für GEORG PATZER schon jetzt eines der schönsten Bilderbücher des Jahres

Synästhetische Purzelbäume

Kinderbuch | Anke Kuhl, Moni Port (Hgg.): Mukkekukke

Musik erzählt Geschichte. Manchmal ist das ganz einfach: man muss nur dem Text zuhören. Manchmal steckt die Story aber auch ein bisschen versteckter im Rhythmus und der Melodie. Da braucht es dann offene Ohren – und offene Augen, den hier gibt’s Comics zu einer bunten Auswahl von Musik von Beethoven und Manfred Krug bis zu den Ärzten und Gioachino Rossini, freut sich ANDREA WANNER

Auf der Suche nach dem Vater

Kinderbuch | Simon van der Geest: Der Urwald hat meinen Vater verschluckt

Wenn man eine berühmte Mutter hat, ist vieles oft schwieriger. Manchmal aber kann es auch helfen. Zum Beispiel Eva bei der Suche nach ihrem Vater, der von Holland nach Suriname zurückgegangen ist. Das erzählt Simon van der Geest in einem nicht ganz gelungenen Roman. Von GEORG PATZER