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Träume

TITEL-Textfeld | Wolf Senff: Träume

Das Löschwasser sei ihnen ausgegangen, sagte Farb.

Beispiellos, sagte Wette.

Farb tat sich eine Pflaumenschnitte auf.

Tilman reichte ihm einen Löffel Schlagsahne.

Grenzwertig sei, sagte Wette, was sich dort abspiele, man müsse das verstehen.

Annika legte ihr Reisemagazin beiseite.

Ein Menetekel, sagte Farb.

Der Planet sei ausgebeutet, sagte Tilman, geplündert, am Ende, seine Ressourcen seien nicht länger beliebig verfügbar, oder besser, nicht der Planet sei am Ende, sondern der Reichtum und die Schätze, die in Millionen von Jahren auf ihm herangewachsen seien, der Mensch habe sie binnen zwei, drei Jahrhunderten verpulvert.

Aus der Traum, sagte Annika, der Planet habe ausgeträumt.

So herum, fragte sich Wette, und der Mensch wäre folglich ein Traum des Planeten gewesen, nein, so habe er das bislang nicht gesehen.

Farb tat sich eine Pflaumenschnitte auf, er hatte das Blech aus der Küche mitgebracht, der Kuchen war noch warm, und die Schlagsahne, die ihm Tilman reichte und die er langsam und sorgfältig auf seinem Stück verteilte, begann sogleich an den Rändern zu verlaufen.

Wette war gut aufgelegt, er hätte Doppelkopf spielen können.

Ein Albtraum, sagte Farb, ein Albtraum.

Welch schöner Gedanke, sagte Wette, ein Planet Gaia, der abenteuerliche Träume habe, und so gesehen seien die Saurier ebenfalls ein Traum des Planeten gewesen.

Der sei ebenfalls ausgeträumt und das Finale ein Kracher, sagte Farb, und nunmehr gehe dessen Traum vom Menschen dem Ende entgegen, der Planet erwache, die Lebewesen zögen sich zurück, man könne das beobachten, sagte er, Hagel und Granaten, der Planet entfalte seine elementaren Energien, er demonstriere seine Kraft, er atme, er treibe verheerende Brände über Land, seine Stürme ließen die Fluten steigen, nein, keine Chance, er sei nicht länger eine schützende Heimstatt für das zerbrechliche Leben.

Die Wälder stünden lichterloh in Flammen, sagte Farb, wertvolle, leicht zugängliche Ressourcen seien dem Menschen nicht länger verfügbar, der Planet sei heruntergewirtschaftet, aus und vorbei, der Traum vom Menschen finde sein Ende.

| WOLF SENFF

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Ohne ihn

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Mittendrin, sagte Farb, wir stecken mittendrin.

Keine Chance, sagte Wette.

Annika schenkte Tee nach, Yin Zhen, sie hatten wie immer das Service mit dem Drachendekor aufgedeckt, rostrot, das Tilman aus Beijing mitgebracht hatte, wo er einen Halbmarathon auf der Großen Mauer gelaufen war, diese Wettbewerbe, fand er, seien völkerverbindend, zumal in Zeiten wie diesen, ich komme darauf zurück.

Farb tat sich eine Pflaumenschnitte auf.

Tilman reichte ihm einen Löffel Schlagsahne.

Der Planet balanciere sich neu.

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Barrieren

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Vermutlich hörte Belten klassische Musik, nur war das Tote Meer kein Ort, an dem man klassische Musik hören würde, der Aufenthalt war in dieser Hitze dermaßen erdrückend, daß jede ernstzunehmende Beschäftigung ausgeschlossen schien, mit Ausnahme der Dänen, ich komme darauf zurück, auch würde Belten kaum eine halbe Stunde durchhalten, seine Kopfhörer waren eine verzweifelte Geste, ein ohnmächtiger Versuch, der Monotonie des Alltags zu entfliehen.

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Entbehrlich, er ist entbehrlich.

Farb lachte. Verzichtbar.

Die Welt stünde ohne ihn keineswegs schlechter da.

Ohnehin ergeht es ihm miserabel, da greifen auch all seine Versuche nicht, gute Laune zu stiften, ehrlich, er ist überflüssig, und außerdem – was trage er bei zum Wohlbefinden des Planeten, nichts, wer brauche ihn, niemand, er nehme sich vom Kuchen und gebe nichts zurück.

Tilman rückte näher zum Couchtisch und suchte eine schmerzfreie Sitzhaltung einzunehmen.

Durchaus sei denkbar, sagte Farb, daß sein Abgang eine befreiende Wirkung hätte, der Planet würde von Zwängen und Knebelungen erlöst, der Tag zum Beispiel dürfte Persönlichkeit entfalten, als ein lebendiges Wesen wahrgenommen werden wie andere auch, er verströmte gute Stimmung unter einem blauen Himmel, er wäre melancholisch unter dunklen Wolken und Regenschauern, neigte zum Zornausbruch unter Blitz und Hagel.

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