Nichts wie raus!

Kinderbuch | Andreas Steinhöfel: Herbsthundewetter

Hundewetter? Das steht sogar im Duden und bedeutet schlicht sehr schlechtes Wetter, bei dem nicht mal ein Hund vor die Tür will. Und Herbsthundewetter stellt man sich gleich noch als die Steigerung vor. Falsch, hat ANDREA WANNER herausgefunden.

Ein kleiner Beagle steht in einem dichten WaldHenri ist ein niedlicher Welpe, der so gern ins Freie möchte und die Welt erkunden. Ganz alleine. Sein Herrchen, ein Junge namens Finn, findet ihn dafür noch zu klein. So sitzen die beiden am Fenster, schauen in den Regen hinaus und Henri träumt sich ins große Abenteuer. Und das beginnt draußen vor der Haustür, bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit.

Herbstnebel, Schnee im Winter, erstes Grün im Frühling, Hitze und abkühlende Gewitter, die auch ein bisschen Angst machen, im Sommer. Ganz nah am Jahreslauf braucht es nur die Wetterphänomene und die sich verändernde Natur, um daraus ein zauberhaftes Bilderbuch zu machen. Der kleine Hund lässt sich ganz auf seine Umgebung ein, schnuppert an Blumen und schaut Schmetterlingen nach, schlittert durch den Schnee und verkriecht sich vor Blitz und Donner.

Der knappe Text von Andreas Steinhöfel wirkt poetisch, fast wie ein Gedicht, wenn er Wortkreationen wie »dunstig-Kühl« verwendet, dann wiederum verspielt und frech, wenn er die Rutschpartie mit »He, ganz schön rutschig! Ha, ganz schön schlitterig!« kommentiert. Die impressionistisch anmutenden Illustrationen seines Bruders Dirk Steinhöfel fangen die Schönheit der Natur auf, variieren in ihrer Farbigkeit von monochromen Grautönen beim Herbstnebel bis zu explodierender Farbigkeit der Blüten im Frühling, und stellen dabei immer den neugierigen kleinen Frechdachs in den Mittelpunkt. Schauen, lauschen, schnuppern, hüpfen, riechen, schmecken, staunen: Henri ist mit all seinen Sinnen unterwegs und entdeckt ständig Neues: einen Schneemann, Schnecken, Kühe, Hagelkörner, Bienenkörbe. Jedes Bild steckt voller Details, ebenso alltäglich wie besonders, wenn man denn nur genau hinschaut.

Genau das sollte man. Im Alltag und in der Natur das Kleine und Besondere entdecken, nicht achtlos daran vorbeigehen, sondern stattdessen offen sein für alles, was sich da draußen so bietet. Das Bilderbuch macht einfach Lust darauf, ins Freie aufzubrechen, ganz egal, was da grad für ein Wetter herrscht.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Andreas Steinhöfel: Herbsthundewetter
Illustriert von Dirk Steinhöfel
Hamburg: Carlsen 2025
40 Seiten, 14 Euro
Bilderbuch ab 3 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Erinnerungen lebendig halten

Nächster Artikel

Tot oder lebendig?

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Zweckentfremdet

Kinderbuch | Saša Stanišić: Panda-Pand

Pandas ernähren sich von – klar: Bambus! Neunundneunzig Prozent ihrer Nahrung bestehen daraus. Bambus gibt es zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Aber dann gibt es das eine Frühstück, wo sich etwas ändert. Von ANDREA WANNER

Einmal rückwärts durch das Alphabet

Kinderbuch | Flix: Das ZYX. Ein umgekehrtes ABC-Abenteuer

Das ZXY ist abends nicht anders drauf als die meisten Kinder: es hat keine Lust, die Zähne zu putzen und ins Bett zu gehen. Ein blitzendes Licht katapultiert aus dem häuslichen Badezimmer in ein unglaubliches Abenteuer, staunt ANDREA WANNER

»Vor, zurück, vor, zurück: Neuer Tag, neues Glück«

Kinderbuch | Elke Michel: Marie und die Woche ohne Donnerstag

Auf manche Tage in der Woche hat man mehr Lust als auf andere. Marie wünscht sich auf jeden Fall, dass es nie Donnerstag wird, denn da steht ein Zahnarztbesuch an. So ein Mist. Oder gibt es vielleicht doch eine Lösung, rätselt ANDREA WANNER.

Synästhetische Purzelbäume

Kinderbuch | Anke Kuhl, Moni Port (Hgg.): Mukkekukke

Musik erzählt Geschichte. Manchmal ist das ganz einfach: man muss nur dem Text zuhören. Manchmal steckt die Story aber auch ein bisschen versteckter im Rhythmus und der Melodie. Da braucht es dann offene Ohren – und offene Augen, den hier gibt’s Comics zu einer bunten Auswahl von Musik von Beethoven und Manfred Krug bis zu den Ärzten und Gioachino Rossini, freut sich ANDREA WANNER

Schwelgen in Klängen und Farben

Willy Puchner: ABC der fabelhaften Prinzessinnen Wieviele Bücher gibt es eigentlich, deren Gegenstand die Haken, Kringel und Striche sind, die aufgrund einer willkürlichen Setzung die 26 Grundbuchstaben unseres Alphabets bilden? Genug, sollte man meinen. Das Alphabet übt aber offenbar eine Anziehungskraft aus, der man nicht widerstehen kann. Diesesmal hat es Willy Puchner angelockt, Zeichner, Fotograf, Autor, mit dem besten Ergebnis. Willy Puchner läßt in seinem ABC der fabelhaften Prinzessinnen Leserinnen und Leser in Wortklängen und Farben schwelgen. Von MAGALI HEISSLER