Estrich glaubt, als außerirdischer Spion getarnt unter Menschen zu leben – stets damit beschäftigt, deren seltsame Gewohnheiten für sein geheimes Logbuch zu protokollieren. Keine einfache Aufgabe, denn das Schülerleben gibt ihm jede Menge Rätsel auf. Und dann verschwindet auch noch sein Tagebuch. Von ANDREA WANNER
Estrich ist in anders als seine Mitschülerinnen und Mitschüler. Er zählt nicht nur Dinge in Neunerschritten, rätselt über Schleimspuren auf seinem Arm und weiß, dass er seine Mission auf der Erde erfolgreich bewältigen muss, weil er sonst zurück auf seinen Herkunftsplaneten muss, an den er sich nicht erinnert. Also muss er vermutlich das Rätsel um die verschwundene Schülerin lösen, sonst hat er versagt. Normalerweise ist Elisa eine große Hilfe für ihn, aber plötzlich lässt sie ihn im Stich. Warum nur? Herr Higuita, der Hausmeister der Schule, weiß eine Menge. Aber vermutlich nicht genug, um den Fall zu lösen.
Was für eine Geschichte. Dass Estrich eigentlich Esther heißt, erfährt man eher zufällig in der Mitte des Buchs. Sein Blick auf die Welt und die Menschen ist absolut ungewöhnlich und seine Fragen lassen einen abwechselnd lachen und den Kopf schütteln. Jona Manow, der eigentlich Theaterregisseur ist, hat in seinem Kinderroman-Debüt eine wunderbare Geschichte geschrieben, die Kindern nahebringt, was neurodiverse Wahrnehmung – wie es beispielsweise bei Menschen mit Autismus, ADHS oder Legasthenie der Fall ist – bedeutet. Das Gehirn verarbeitet Informationen anders und nein, das ist kein Fehler, sondern Teil der menschlichen Vielfalt. Wie unser Gehirn Reize verarbeitet, können wir nicht beeinflussen. Wir müssen damit umgehen. Und auch damit, dass es bei anderen eben anders funktioniert.
Manche Dinge, so merkt man immer mehr, spielen eigentlich nicht wirklich eine Rolle. Hauptsache, man hat Freunde. Und genau die hat Estrich. Aber auch er muss sich darauf einlassen, muss anderen vertrauen und sich helfen lassen. Gemeinsam löst man die kniffligsten Fälle.
Julia Dürr hat augenzwinkernd ein paar kleine Außerirdische ins Buch geschmuggelt. Aber am Ende spürt auch Estrich, dass er auf der Erde eigentlich ganz gut aufgehoben ist. Einfach ein wunderbares Buch, ein bisschen wie aus einer anderen Welt
Titelangaben
Jona Manow: Spion Nr. 9 und die Kunst, nicht aufzufallen
München: Mixtvision 2025
176 Seiten. 18 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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