Jana versucht, mit ihrem alleinerziehenden Vater den Alltag in den Griff zu kriegen. Der stark übergewichtige Mann, der nie das Haus verlässt, und dessen Ziel es ist, mit Onlinespielen reich zu werden, ist dabei keine große Hilfe. Aber das Motto der beiden ist, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ganz schön taff, findet ANDREA WANNER.
Jana ist eine Außenseiterin, die mit niemand wirklich über ihre Probleme reden kann. Über ihre Mutter, die wegen Drogenschmuggels in den USA im Knast sitzt und mit der sie wöchentlich zweimal über das Internet mit Bild telefoniert. Viel zu sagen haben sie sich nicht. Oder darüber, dass das Geld hinten und vorne nicht reicht, sodass Jana immer ohne ein Pausenbrot in die Schule kommt und sich schnell noch von dem kostenlosen Obst in der Schule nimmt.
Seit der neue Klassenlehrer die Sitzordnung wöchentlich ändert, sitzt auch jemand neben Jana. Keine und keiner tut das gern. Sie gehört nicht dazu, von Julia, die in der Klasse das Sagen hat, wird sie regelmäßig fertiggemacht. Sie trägt alles mit Fassung, versucht Ordnung in das chaotische Leben zu bringen, immer wieder mit dem wenigen Geld auszukommen und möglichst nicht aufzufallen. Dabei ist die exzessive Nutzung von Spielen ihres Vaters im Netz längst zum Problem geworden, ist er süchtig danach. Er isoliert sich sozial und vernachlässigt seine Pflichten als Vater total. Die Rollen sind getauscht, Jana kümmert sich um ihn. Und dann kommt eine Neue in die Klasse. Aleena aus Afghanistan lebt auch bei ihrem Vater, ihre Mutter ist im Gefängnis. Ist das nicht ein Wink des Schicksals und die Chance auf eine Freundin?
Rachel von Kooij schafft es von der ersten Seite an, dass man sich lesend mit der jungen Ich-Erzählerin solidarisiert. Ihre Kraft, ihr Mut und die Dinge, die ihr zugemutet werden, sind einfach krass – und vermutlich doch nicht so weit von der Lebensrealität mancher Kinder entfernt. Die Intrigen, die Julia spinnt, die Gemeinheiten, die Paul und Ferenc sich ausdenken, das Wegschauen des Lehrers und die totale Unfähigkeit des Vaters, die Lage zu erkennen, macht beim Lesen fassungslos. Man wird schlicht wütend, wie ein Kind so alleine gelassen werden kann und es trotz allem immer wieder schafft, das Beste daraus zu machen. Natürlich eskaliert die Situation irgendwann. Und das nicht ganz unerwartet auf Julias Geburtstagsparty, zu der die ganze Klasse eingeladen ist. Ob das die Wende bringt? Man kann es Jana nur wünschen.
Titelangaben
Rachel van Kooij: Eher fällt der Mond vom Himmel
Wien: Jungbrunnen 2025
232 Seiten, 19 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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