Die optimale Babysitterin

Kinderbuch | Nikolaus Heidelbach: Simone

Sie ist verlässlich, verantwortungsbewusst, kinderlieb und baut aktiv Vertrauen auf. Sie bringt Erfahrung mit, ist kreativ in der Beschäftigung und hat eine gute Verbindung zum Kind. Klar, das ist Simone, findet ANDREA WANNER.

Ein kleines Mädchen in blauem Kleid sitzt auf einem großen NIlpferdOkay, ein erster Blick auf das Cover lässt anderes vermuten. Wir sehen ein Kind, das auf einem Nilpferd sitzt. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dem Kind um Simone handelt. Aber das ist Wally. Und Simone ist die Flusspferddame.

Nikolaus Heidelbach ist ein Meister darin, das Abgründige und Kuriose mit einer fast beiläufigen Selbstverständlichkeit zu präsentieren. Während andere Künstler das Phantastische oft als Traum oder Märchen markieren, integriert Heidelbach das Absurde direkt in den Alltag seiner Figuren. Die Mutter von Wally lernt Simone beim Babyschwimmen kennen und findet sie auf Anhieb so sympathisch, dass sie sie für die kleine Wally als Babysitterin engagiert. Simone macht alles, waschen, wickeln, füttern, vorlesen, singen. Das wird in kurzen Sätzen beschrieben, als wäre es das Normalste, während die extrem detaillierten und klaren Bilder ein riesiges Tier zeigen, das im Kinderzimmer neben der Wiege doch einigermaßen deplatziert wirkt. Dafür sind seine Zehen an den Füßen, die ein bisschen Fingernägeln ähneln, sehr behutsam und geschickt im Umgang mit der kleinen Wally. Auch Mikado spielt Simone damit sehr versiert. Sie begleitet die Kleine in den Kindergarten und bringt ihr das Rollerfahren bei. Je größer Wally wird, umso weiter wird der Aktionsradius der beiden. Und irgendwann erklärt Wallys Mutter, dass Wally, bald Schulkind, keinen Babysitter mehr braucht. So bricht das ungleiche Duo zu einer letzten gemeinsamen Abschiedsreise auf, erleben Wasserfälle, Picknicks und besuchen Simones Familie.

Heidelbach verklärt nichts, Simone ist einfach da, unübersehbar, und in den Alltag integriert – was die Absurdität erst zur Tatsache macht. Trotzdem ist der Ton in diesem Bilderbuch harmonischer als in den Vorgängern, es gibt keine Abgründe, keinen Schrecken. Liebenswert erzählt er vom Abschied von der Kindheit, von einer ungewöhnlichen Freundschaft und vom Vertrauen – ineinander und in die Kraft der Imagination.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Nikolaus Heidelbach: Simone
Hamburg: von Hacht 2026
48 Seiten. 18 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Grenzdynamiken hybrider Multiplayer-Welten

Nächster Artikel

Mit dem Herzen sehen

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Erntezeit

Kinderbuch | Tang Wei: Im Garten von Oma Apo

Oma Apo wohnt in China, im obersten Stock eines großen Hauses. Das Besondere aber findet sich nicht in ihrer Wohnung, sondern noch höher: auf dem Dach des Hochhauses. Von ANDREA WANNER

Hier möchten wir leben

Kinderbuch | Gino Alberti: Ein Traumhaus für Hund und Katz und Maus

In der Jugend sind es die Wohngemeinschaften, später die Lebensgemeinschaften, im Alter die Senioren-WGs, wie auch immer, wenn Menschen zusammenziehen, dann kommen Wünsche zusammen: Wie man leben möchte, wo man sein Zuhause findet, das Miteinander gestaltet. BARBARA WEGMANN schaut sich die hoffentlich lösbaren Probleme der drei kleinen Stars dieses Bilderbuchs an.

Wunderbarer Regentag

Kinderbuch | Soheyla Sadr: Matti, Mütze und Pfütze Geplant ist ein Ausflug, den Papa und Matti zusammen unternehmen wollen. Doch dann regnet es. Fällt der Ausflug jetzt ins Wasser? Von wegen! Von ANDREA WANNER

Neu in der Klasse: Vanessa

Kinderbuch | Kerascoët: Mein Weg mit Vanessa Wenn jemand neu in einer Klasse ist, hat sie es nicht leicht. Wenn sie dann auch noch beschimpft wird, ist es ganz schlimm. Da kann, da muss man helfen. Wie es in diesem Kinderbuch erzählt wird, findet GEORG PATZER allerdings zu platt

Eine nächtliche Freundschaft

Kinderbuch | Armin Kaster: Das Nachtkind

Leise und magisch kommt diese Nachtgeschichte daher, zauberhaft zweideutig und eindeutig tröstlich, so wie man das manchmal nachts braucht, findet ANDREA WANNER.