Wunder sind oft ganz klein

Kinderbuch | Joanna Gaines: Die Wunder um uns herum

Wenn die Sonne aufgeht, der Mond am Himmel steht, die Bäume grün und die Blumen bunt sind: das alles sieht man schnell. Aber es gibt auch ganz andere Wunder, die uns umgeben, klein, versteckt, man muss sie suchen. Und die zeigt dieses Bilderbuch. BARBARA WEGMANN hat es sich angeschaut.

Kinder untersuchen Tiere und Pflanzen in einem Wald»Suche das Schöne und scheue keine Überraschungen, denn eins ist gewiss: Die Welt braucht dich und die Wunder, die du siehst.« Mit dieser Aufmunterung und Aufforderung wird man schon gleich neugierig auf das, was die folgenden 32 Seiten wohl bieten.

Es sind ganzseitig bebilderte Seiten, bunt mit einer Fülle von Details, nicht wie in einem Wimmelbuch, aber trotzdem gibt es viel zu entdecken auf jeder Seite. Eine ganze Schar von Kindern, Mädchen und Jungen, gehen – bestens ausgerüstet – auf Entdeckungstour. Mit Eimer, Taschenlampe, einer großen Schaufel, einem Fernglas, einem Notizblock oder einem Vergrößerungsglas. Aber da sind auch ein Junge mit einer Taucherbrille und ein Mädchen mit Regenschirm; was die wohl suchen wollen? Der Regenschirm ist ganz einfach erklärt: Auch wenn es regnet, macht das Entdecken in der Natur viel Spaß, da gucken Regenwürmer aus dem Boden. Kleine Marienkäferchen, die sogar auch einen winzigen Schirm haben, spazieren durch das nasse Gras und natürlich sind Frösche in ihrem Element. Das macht Spaß und das sieht man dem in die Pfütze springenden Mädchen mit ihrem großen Regenschirm deutlich an. »Wenn es regnet, schauen manche aus dem Fenster und denken, oje, der triste Tag wird aber finster. Gehen wir trotzdem hinaus, machen wir und einen Pfützenspaß draus.« Na klar, und gereimt macht’s gleich noch mehr Spaß.

Das Bilderbuch für Kinder ab sieben Jahren wird dominiert von den schönen Illustrationen. Julianna Swaney hat in ihrer Kindheit gern Märchen gehört und gelesen, das merkt man ihr heute noch an. Die kleinen putzigen Tierchen, die man zum Beispiel unter Wasser findet, haben ein sympathisches, kleines Gesicht, muntere Augen, schauen neugierig drein und beobachten ganz genau, was der kleine Junge mit der Taucherbrille wohl unter Wasser will. Die fantasievollen Bilder sind, generell quer durchs Buch, deutlich attraktiver als die kurz gehaltenen Texte, die etwas knapp, kompliziert, ein wenig zwanghaft gereimt wurden. »Manche schwimmen im Ozean, und es kommt ihnen nur aufs Wasser an. Dabei offenbart ein aufmerksamer Blick eine spektakuläre Stadt im Glück!«

Das, was das Buch aber richtig spannend und attraktiv macht, das ist die ganz einfache Erkenntnis: egal, ob man unter Blätter schaut, sich einmal die Bäume und ihre Rinde genau ansieht, ob man nachts im Himmel die Sternenbilder bestaunt, kleine Fische im Teich entdeckt, oder Fliegen, Schmetterlinge und Würmer, die man beim Spazierengehen nicht so schnell sieht, mit dem Fernglas oder dem Vergrößerungsglas näher betrachtet, das alles macht einfach Spaß. Entdecken, neugierig sein, etwas zu finden, das man vorher nicht gesehen hat, das ist schon eine tolle Sache und so aufregend. Davon kann man dann anschließend Geschichten erzählen oder man hält das Entdeckte in Bildern fest, die man malt: »Die Welt kann so schön sein zuweilen, wenn wir unser Wissen miteinander teilen.«

Als Buch insgesamt also nicht unbedingt der Renner, allerdings wiegt die Botschaft der sehr hübsch illustrierten Geschichte die Textmängel wieder auf: Neugierig sein, aufmerksam in die Welt schauen, Wunder entdecken und manchmal ein wenig wie im Märchen träumen.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Joanna Gaines: Die Wunder um uns herum
(The World Needs the Wonder You See, 2025) Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Lipp
Illustriert von Julianna Swaney
München: mvg Verlag 2026
32 Seiten, 13 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren

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