Uno tut sich schwer mit Freundschaften. Doch dann trifft er die gleichaltrige Katjes am vermutlich unpassendsten Ort der Welt, um gemeinsam Spaß zu haben: auf der Palliativstation eines Krankenhauses. Dort müssen die beiden Abschied von einem geliebten Menschen nehmen. Von ANDREA WANNER
Bei Uno ist es Roffe – eine Art Stiefopa, der zwar nie mit Unos Oma verheiratet war, für Unos Vater aber dennoch die wichtigste männliche Bezugsperson darstellte: »Roffe war der Beste, keine Frage. Er hat mir Fahrradfahren und Tabakschnupfen beigebracht.« Nun liegt Roffe im Sterben. Während der Vater sichtlich leidet, begegnet Uno der Situation eher mit kindlicher Neugier als mit schwerer Trauer. Als kleiner Trost darf er sich bei »Süßes oder Saures« sogar zwölf statt der üblichen zehn Süßigkeiten aussuchen. Im Krankenhaus trifft er schließlich auf Katjes – eigentlich Katja-Jessica –, deren Großmutter ebenfalls nicht mehr lange zu leben hat.
Während der zurückhaltende Uno oft am Rand steht und die komplizierten sozialen Spielregeln anderer Kinder kaum versteht, ist bei Katjes alles anders. Ihre gemeinsamen Spiele in den sterilen Klinikfluren sind wild und voller Fantasie: Da gibt es Wettrennen mit Klopapier-Startlinien, improvisierte Trinkstationen mit Plastikbechern und ein skurriles Wort-Bingo mit Begriffen wie »Nagelpilz« oder »Babywindel«. Es ist ein Lachen bis zum Gehtnichtmehr, sehr zum Leidwesen eines gestressten Pflegers, der für diesen kindlichen Übermut wenig Verständnis aufbringt. Als Katjes Uno zum Abschied eine Feder schenkt, ist für ihn klar: Das ist eine echte Freundschaft, die über diesen Ort hinausgehen muss.
Besonders berührend ist die Fehleinschätzung der Erwachsenen: Unos Eltern halten Katjes für eine rein imaginäre Freundin, die sich ihr Sohn nur ausgedacht hat, um die Einsamkeit und den Verlust zu bewältigen. Doch Katjes ist real – so real wie das Leben und das Sterben selbst.
Elin Lindell ist eine meisterhafte Geschichte gelungen. Sie schafft ein Wechselbad der Gefühle zwischen tiefem Ernst und ausgelassenem Spiel, zwischen Lachen und Weinen. Die hinreißenden Illustrationen der Autorin begleiten Unos Entwicklung dabei auf wunderbar einfühlsame Weise – auch was seine zweite große Herausforderung angeht: seinen kleinen Bruder Otto, den er anfangs noch für absolut überflüssig hält.
Ein Buch, das zeigt, dass Trauer und Lebensfreude untrennbar zusammengehören. Zu Recht war das Original für den renommierten schwedischen ›August-Preis‹ nominiert und wurde von der ›Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur‹ zum Buch des Monats April 2026 gekürt.
Titelangaben
Elin Lindell: 12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle
(Jenka och jag, 2025). Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger
Leipzig: Klett Kinderbuch 2026.
144 Seiten, 15,00 Euro
Kinderbuch ab 8 Jahren
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