Roman | Gregor Sander: Troja, später Nachmittag So könnte es sich angefühlt haben: das goldene Licht, die tiefstehende Sonne, der dichte Staub. Eine Momentaufnahme aus Troja, später Nachmittag. Wer da gräbt (und graben lässt) ist sich sicher: »Schreibe ich hier nicht Geschichte, zwar nicht wie der große Dichter mit geflügelten Worten, sondern mit Spaten, Hacke und Schubkarre im Schweiße meines Angesichts? Um schließlich das zu entdecken, was der Staub der Jahrtausende bedeckte?« Gregor Sander lässt das ereignisreiche Leben Heinrich Schliemanns wieder aufleben – temporeich, beschwingt und voll rasanter Wendungen. Von INGEBORG JAISER
Jugendbuch | Tea Ranno: Die Straßenbahn ins Leben
Rom, mitten im Zweiten Weltkrieg. Emanuele ist zwölf Jahre alt und Jude. Er lebt mit seiner Großfamilie in einer engen, wuseligen Wohnung im römischen Ghetto. Am 16. Oktober 1943 zerschlägt eine deutsche Razzia seine Welt von einer Sekunde auf die andere für immer. Von ANDREA WANNER
Kinderbuch | Davide Calì: Das kleine Herbsthotel
Draußen wird es ungemütlich: Der Wind pfeift, die Blätter machen den Abflug und die Temperaturen sinken in den Keller. Für die Tierwelt heißt das: Zeit für den kollektiven Rückzug. Wer jetzt allerdings an öde Erdlöcher, feuchte Laubhaufen oder zugige Baumhöhlen denkt, hat die Rechnung ohne das absolute Premium-Quartier der Saison gemacht. ›Das kleine Herbsthotel‹ öffnet seine Pforten und bietet seinen tierischen Gästen den denkbar luxuriösesten Platz zum kollektiven Überwintern. Ein genialer Zufluchtsort, findet ANDREA WANNER.
Thema | Der »Fall Geller«
Jacob Geller hat das Format des Video‑Essay über digitale Spiele wie kaum ein anderer geprägt. Nun wird er selbst zum Fall. Was bleibt von einer Kritik, die Macht analysiert und dann selbst in einer Gewaltgeschichte verwickelt ist? Darüber denkt RUDOLF THOMAS INDERST im Folgenden nach.
Bühne | Uraufführung: ›Das Prinzip Hoffnung‹ in Karlsruhe
Hoffnung auf das, was einen im Leben erwartet, ist das Eine. Utopie, Dystopie, gute und schlechte Zeiten kommen nicht nur in einer von mehreren Krisen wie Kriegen und zweifelhaften Umbrüchen durch Künstliche Intelligenz geschüttelten Welt vor. Auch die Premiere des von Teilen des Schauspiel-Ensembles umgesetzten Arrangements des Stückes ›Das Prinzip Hoffnung‹ von Ernst Bloch (1885–1977) zeugt davon. Dieses findet als erste Saisonpremiere im gut besuchten Kleinen Haus des Badischen Staatstheaters Karlsruhe statt. Und lässt viele Fragen offen, findet JENNIFER WARZECHA
Ausstellung | »Helotrophe« im Luftmuseum Amberg
Zunächst sieht man etwas ganz Weiches. Etwas, das sich zu bewegen scheint, das quillt und sich windet, über eine Kante hängt oder sich breitmacht. Eine amorphe Masse, ein Stück Gummi, Kunststoff, Wachs oder eine seltsame organische Substanz. Doch es ist Stein, der hier bearbeitet wurde. Was aussieht, als könne es jeden Moment seine Form verändern, besteht aus Marmor, einem der härtesten und dauerhaftesten Materialien der Bildhauerei. Von MARC PESCHKE
Digitalspielkultur | Zhaoyin Zhang on Commercial Games, Cultural Difference, and the Classroom
Last December, RUDOLF THOMAS INDERST served as an external examiner for Zhaoyin Zhang’s doctoral thesis at the University of Limerick. A recent Erasmus mobility stay brought them together again and provided the perfect occasion to discuss games, education, and intercultural communication.
Roman | Kim Koplin: Die Toten von morgen
Mit seinem neuen Roman Die Toten von morgen knüpft Kim Koplin nahtlos an sein Thriller-Debüt Die Guten und die Toten an. Erneut stehen im Mittelpunkt die Berliner Polizistin Nihal Khigarian und der aus Syrien stammende Saad, der sich mit seiner kleinen Tochter Leila immer noch auf der Flucht vor der Rache der Marseiller Mafia befindet. Endete Die Guten und die Toten damit, dass die drei Berlin den Rücken kehrten und in Hamburg einen Neuanfang suchten, hat Nihal das enge Zusammenleben mit den beiden Menschen, die sie liebt, offensichtlich nicht lange ausgehalten und ist in die Hauptstadt zurückgekehrt. Wenige Wochen später folgen ihr Saad und Leila. Und lange dauert es nicht, bis man sich wieder mitten in einem Bandenkrieg befindet und um sein Leben kämpfen muss. Von DIETMAR JACOBSEN
Kinderbuch | Steffen Gumpert: Licht ins Dunkel
Rupert Rumpelstil ist der klassische Außenseiter. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, behauptet er auch noch steif und fest, Gespenster und Monster zu sehen. Irgendwie mogelt er sich durch den Schulalltag – bis das nächste Drama droht: Die Klasse soll die Berufe ihrer Eltern vorstellen. Für Rupert ein Albtraum. Sein Vater ist vor Jahren spurlos verschwunden, und seine Mutter arbeitet als Kammerjägerin. Nicht unbedingt der megavorzeigbare Vorzeigejob, findet ANDREA WANNER
Roman | Angelika Klüssendorf: Trost
»Noch ist der Mond zu sehen, knöchern bleich und unerschütterlich, doch was weiß sie schon, was da oben los ist.« Mit diesem Satz leitet die 68-jährige Schriftstellerin Angelika Klüssendorf, die einmal von der Neuen Zürcher Zeitung als »deutsch-deutsche Grenzgängerin« bezeichnet wurde, ihren neuen Roman ein. Klüssendorf, die in der DDR aufgewachsen ist und mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher (1959-2014) verheiratet war, schreibt seit fast vierzig Jahren kontinuierlich auf hohem Niveau und fliegt dennoch unter dem Radar des aktuellen Literaturbetriebs. Von PETER MOHR

