Herr Schwein sitzt auf einer Bank unter Birken, guckt mürrisch, zu seinen Füßen ein Hund, der zwar kein Pudel ist, aber wie ein begossener solcher aussieht. Zufriedenheit sieht anders aus. Und ganz klar beansprucht er diese Bank für sich ganz alleine. »So ein Miesepeter«, denkt sicher nicht nur ANDREA WANNER.
In diese graue Welt stapft ein kleiner grüner Drache mit einem großen gelben Rucksack auf dem Rücken und fragt, ob auf der Bank noch frei sei. Er erhält eine unfreundliche Abfuhr, aber satt beleidigt seines Weges zu ziehen, lächelt er nur sehr freundlich und meint, dass er sich dann eben auf den Boden setzen würde. In unmittelbarer Nähe von Herrchen und Hund. Der reagiert auch gleich ganz neugierig und schlüpft unter bunte Stoffstücke, die der Drache mit Nadel und Faden zusammennäht. Nein, das störe ihn gar nicht, reagiert er gelassen und bietet dem Herrn eine Tasse Himbeertee an.
Und dann kommen die beiden erstaunlicherweise doch noch ins Gespräch. Ein heranziehendes Unwetter überstehen sie zu dritt unter dem zusammengepfriemelten Stoffmonster und endlich stellen sie sich auch einander vor: Herr Schröder und sein Hund Wolle und der – flügellose – Drache Flux. Flux verrät seinen Traum: Er will fliegen, auch wenn er keine Flügel hat wie die anderen Drachen. Und auch Herr Schröder öffnet sich seinem freundlichen Gegenüber: Früher habe er vom Reisen geträumt. Und dann sind Sturm und Regen vorbei – und es geschieht ein kleines Wunder.
Flux, nomen est omen, bricht die starre, festgefahrene Welt des griesgrämigen Herrn Schröder auf. Während Schröder auf seiner Bank verharrt, bringt Flux durch seine unvoreingenommene Art Dinge in Bewegung. Solange Herr Schröder allein auf der Bank beharrt, bleibt er in seiner begrenzten Welt. Das Wunderbare ist erst die Begegnung, für die er die Bank verlässt, um sie danach für Flux und Wolle – ja, der darf auch auf die Bank! – zu öffnen. Die einfache Bank wird zu einem Ort der Begegnung und der Realisierung der Träume. Und damit das klappt, muss sie sich auch verwandeln.
Antje Damm wurde kürzlich für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis Illustration des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet und tatsächlich ist jedes einzelne ihrer Bilderbücher ein Erlebnis für sich. Ihre dreidimensionalen Fantasiewelten entstehen durch den für sie typischen Materialmix, in dem sie die ausgeschnittenen Figuren in gemalte Hintergründe integriert und diese Collagen mit realen Objekten – hier spielen Schnüre eine wichtige Rolle – kombiniert. So entstehen Raum und Tiefe, man hat das Gefühl, direkt in die Szene eintreten zu können.
Ja, das würde man wirklich gerne. Aber auch so ist man sehr zufrieden wie Herr Schröder durch den kleinen Drachen buchstäblich eine neue Sichtweise erlebt und einen längst vergessenen Traum endlich umsetzt.
Titelangaben
Antje Damm: Da ist besetzt!
München: dtv 2026
32 Seiten, 15 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren
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