Wer schon einmal eine Wattwanderung an der See gemacht hat, weiß, dass im Wattboden die berühmten Wattwürmer wohnen, die den Boden umgraben und die kleinen typischen Sandhäufchen hinterlassen. Dieses grandiose Buch zeigt eine bunte Welt unter dem Erdboden. Von BARBARA WEGMANN
»Wissen macht nicht nur Spaß, sondern auch schlau. Also auf in die Tiefen der Erde!« Dieser Einladung folgt man gern und wird auf 144 bunten, vielseitigen, mit so vielen Informationen gefüllten Seiten und spannend illustrierten Bildern eine ganze Menge erfahren, erleben und erforschen. Ein richtiges Abenteuer! »Der Boden ist der oberste Teil der Erdkruste.« Und da leben ganz schön viele Tiere, viel, viel mehr als es Menschen auf der Erde gibt. Man sieht sie nicht, oder nur selten und manchmal muss man auch ganz genau hinschauen.
Boden ist kostbar: er reinigt das Wasser, bietet Pflanzen Nährstoffe, speichert Regenwasser. Böden können ganz unterschiedlich sein, aber »Wasser, Luft, Mineralstoffe und Lebewesen brauchen sie alle.«
Übrigens: Menschen haben früher Erde gegessen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz, so schreibt die Autorin, habe man vor diversen hundert Jahren Erde aufs Brot gestrichen, »das wurde Steinbutter genannt.«
Heute sollte man keine Erde mehr essen, »weil sie mit Schwermetallen belastet ist, und das ist nicht gesund«. Schon wieder was gelernt! Es ist eine abenteuerliche Abwechslung und animierende Präsentation von Tieren, ihrem Lebensraum unter der Erde, dem Nutzen, der Arbeit, die die kleinen Lebewesen leisten für einen gesunden Boden. Und der ist so wichtig für uns Menschen, das heißt: »Maulwürfe, Regenwürmer, Pilze, Asseln und Billionen winziger Tiere sind die geheimen Helden des Lebens.«
Ausgesprochen kurzweilig ist dieses Buch, immer wieder gibt es kleine Einschübe, die Überraschendes erzählen. Zum Beispiel das mit den Pilzen und den Bäumen: die Pilze versorgen die Bäume mit Nährstoffen unter der Erde und die Bäume umgekehrt versorgen mit Zucker. Jede Seite bietet Spannendes und viel Wissenswertes wird spielerisch, unterhaltsam, manchmal in kleinen Dialogen der Tiere untereinander präsentiert. Es sind die Würmer, die durch das Buch führen und all die anderen Bewohner vorstellen: Schnecken, Mistkäfer, Asseln, winzig kleine Bakterien, Pilze, Dachs, Maulwurf, Regenwürmer und Ameisen und andere.
Man mag meinen, es gehe ganz schön durcheinander in diesem Buch, doch es gibt einen Kompass: Wie entsteht der Boden, also das Grundlegende für alle Lebewesen, führt ins Buch ein, wer dort lebt, können wir dann alle mit viel Geduld, Beobachtungsgabe und einer Schaufel gut erkunden und recherchieren. Und letztlich zeigt das Buch auf, wie wir den Boden nutzen und was er für das Klima bedeutet. Warum wird die Erde immer wärmer? Was sind Treibhausgase? Sollten wir das mit dem Düngen nicht einfach lassen? Dazu gibt’s ein Spiel, Anleitungen zum Entdecken des Bodens und auch eine Mal-Aufgabe: zwei leere Seiten. Zeichnet auf, so fordert das Buch auf, was sich unter deinen Füssen befindet. Gar nicht so leicht, deshalb in dem Umfang auch erst ab 6 Jahren. Ein tolles Buch wie ein Überraschungsei, etwas zum Lernen, etwas zum Geschichtenerzählen, etwas zum Mitmachen. Anregend, spielerisch und sehr umfassend alles in weitem Bogen rund um den Boden.
Titelangaben
Elisabeth Etz: Wo die wilden Würmer wohnen
Was du schon immer über das Leben unter der Erde wissen wolltest
Illustriert von Nini Spagl
Graz: Leykam 2025
144 Seiten, 24 Euro
Kindersachbuch ab 6 Jahren
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