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Schwarze Schwäne

Live | Late Night Schwarze Schwäne

»Man muss sich das vorstellen: Sie hat gerade einen Menschen getötet und zeigt einfach keine Reue.« Von diesen zwei Sätzen im Schauspiel ›Schwarze Schwäne‹ von Christina Kettering, das zur Zeit auf dem Podium des Theaters Pforzheim zu sehen und zu hören ist, ging der ›Late Night Schwarze Schwäne‹, die Podiumsdiskussion mit Publikum samt Einblick in den aktuellen Forschungsstand des Verhältnisses von Pflege zu humanoider Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI) sowie ethischen und technologischen Fragestellungen dahinter, am vergangenen Samstagabend aus. Von JENNIFER WARZECHA

Schauspieldirektor und Dramaturg Andreas Frane hatte nicht nur die Protagonistinnen des Schauspiels, Nika Wanderer, genannt »die Ältere« und Anne-Kathrin Hönes, »die Jüngere«, in die Gesprächsrunde eingeladen. Als Personen und Akteure, die das Pflegesystem von innen kennen, die eine ganz praktisch, der andere von der technologischen und mechanischen Seite her, waren Carola Schönberger, die Pflegedienstleiterin der Caritas Pforzheim und Norbert Schmitz, Professor für Robotik und Künstliche Intelligenz an der Hochschule Pforzheim, aktiv vor Ort.

Im Schauspiel geht es nicht nur um den Konflikt zweier Schwestern in der Frage darum, wie beide ihre Mutter versorgen können und möchten, sondern auch darum, inwiefern wie in diesem Beispiel ein humanoider Pflegeroboter, in diesem Fall genannt »Rosie«, Aufgaben abnehmen, das Leben erleichtern oder möglicherweise auch wieder erschweren kann. Nicht nur das: Wie aus der Podiumsdiskussion klar wurde, geht es auch um die Interaktion zwischen Mensch und Maschine, wie ähnlich der Roboter dem Menschen werden kann und was immer noch unterschiedlich ist.

Das Stück endet mit der Frage, wer die Mutter getötet hat: Roboter Rosie, die so programmiert worden ist, dass sie der Mutter nur Gutes tun möchte – und ihr damit zum gewünschten Suizid verhilft? Oder doch die jüngere Schwester selbst, die, wie man während der Vorstellung merkt, sehr stark von der Pflege ihrer Mutter überfordert ist?

Diese Frage könne jeder für sich entscheiden, waren sich alle Beteiligten einig. Wie Andreas Frane berichtete, sei es auch das Anliegen der Autorin des Stückes gewesen, dass das Publikum sich selbst darüber Gedanken mache. Nicht nur das Ende, auch beschriebene Szenerien in der Pflege, innerhalb der Menschen wegen Fachkräftemangels mit Medikamenten ruhiggestellt und betäubt werden, um keine Arbeit zu verursachen, erschrecken nicht nur das Publikum.

Als »Drama-Theater« beschrieb Schönberger ihren Eindruck und stimmte diesem als Beschreibung des Allgemeinzustands in der Pflege nicht zu. Das emotionale Erleben der Frauen, deren Beziehung zueinander oder auch den Konflikt zwischen Tochter und Mutter, die sich lieber vom Roboter als von der Tochter waschen lässt, weil sie sich vor ihr schämt, all das könne sie aber sehr gut nachvollziehen. Auf Franes Frage, ob Schönberger Angst vor »Rosies im Pflegealltag« habe, sagt sie: »Nein, die menschlichen Pflegekräfte, die die Menschen pflegen und die Pflegetätigkeiten verrichten, sind wertvoll.« Assistenzsysteme, die zum Beispiel die Pflegedokumentation übernehmen, erachte sie hingegen als sinnvoll.

In die Wahrnehmung von Robotern, was sie wirklich können oder welche Rückschlüsse sie ziehen, interpretiere man als Mensch seiner Ansicht nach zu viel hinein, sagte Professor Schmitz. Tatsache für ihn sei dennoch, dass durch Autonomes Fahren weniger Unfälle im Straßenverkehr passieren würden. Hier befinde man sich in der Forschung auf Stufe 2,5 von 5. Ab Stufe 3 fahre das Auto selbst. Momentan wolle dafür in Deutschland keiner die Verantwortung übernehmen. In anderen Ländern wie China sei man dafür offener. Dass der Roboter im Stück die Mutter umbringt, bezweifelte der Professor. An Bewusstsein, Wille und Moral fehle es den Robotern. Sie können lediglich aus den gesammelten, ihnen einprogrammierten Informationen, heraus handeln, aber keine Entscheidung fällen. Auch technisch gebe es da immer noch eine Grenze, eine freilich, die Studierende im Testversuch übertreten dürfen, Hacker durch Manipulation durchaus bewusst überschreiten können.

Im Gespräch und auch im Stück wird klar, dass die Sehnsucht nach menschlicher Begegnung und Interaktion immer noch gegenüber der zwischen Mensch und Maschine überwiegt. Nicht umsonst taucht Rosie als Roboterfigur im gespielten Stück gar nicht auf, wie Lisa Wildmann, die für die Inszenierung verantwortlich ist und ebenfalls mitten im Publikum saß, bestätigte. Der Fokus liege auf der Beziehung zwischen den beiden Frauen und ihrer Mutter. Wie sich auch beide Schauspielerinnen einig sind, lohne sich sowohl für sie selbst angesichts ihrer besseren Verdienstmöglichkeiten, aber auch wiederum deshalb, weil das Publikum seine Emotionen ausleben kann, immer wieder ein Besuch im Theater – mit realen Schauspielerinnen und Schauspielern anstatt Stimmen künstlicher Intelligenz. Auch dieser Teil der Reihe »Wissenschaft und Forschung« am Theater Pforzheim wird damit zum interessanten Blick auf Gegenwart und Zukunft.

| JENNIFER WARZECHA
| Titelfoto: Jochen Klenk

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