In Cleos Kopf herrscht ständig das totale Chaos. Ideen und Gedanken stapeln sich im Sekundentakt, purzeln wild durcheinander und weigern sich strikt, mal kurz die Klappe zu halten. Vielleicht ist es ein Wink des Schicksals, dass ausgerechnet sie in der Bibliothek den Hauptpreis abräumt. Auch wenn der auf den ersten Blick mäßig spannend aussieht: Es ist ein Achtsamkeitstagebuch. Aber was Cleo aus diesem vermeintlich trockenen Heftchen macht, ist schlicht eine Wucht, freut sich ANDREA WANNER.
Strukturieren? Cleo macht das lieber freestyle
Cleo beschließt jedenfalls, dem Ding eine Chance zu geben. Schließlich verspricht das Cover eine echte »Superkraft« – und wer kann die nicht gebrauchen? Also folgt sie brav den Anweisungen und kritzelt Tag für Tag ihre Erlebnisse hinein. Das Ganze liest sich herrlich direkt, chronisch aufgedreht, aber am Ende überraschend logisch. Denn um etwas aufs Papier zu bringen, muss man das Chaos im Kopf ja irgendwie sortieren. Und Cleo kriegt das erstaunlich gut hin – völlig ohne Anleitung, die sie ohnehin gekonnt ignoriert hätte.
Sie berichtet vom Zimmeraufräumen, das bei ihr völlig anders läuft als in Papas geordneter Welt, vom anstehenden Schul-Fasching, bei dem sie unbedingt den ersten Preis für das genialste Kostüm abstauben will, von der Chaos-Übernachtung mit Azra und Arthur und natürlich von ihrem nervigen Bruder. Das Geniale daran: Dieser ganz normale Alltagskram liest sich einfach unglaublich spannend und witzig.
Warum ADHS im Kopf kein Defekt, sondern ein Abenteuer ist
Lena Hach beweist mit diesem Buch, dass eine Heldin mit ADHS die perfekte Besetzung für eine Story voller Überraschungen und kleinerer (oder mittelschwerer) Katastrophen ist. Sie nimmt Cleos ADHS absolut ernst, verzichtet aber komplett auf den medizinischen Zeigefinger. Das Tagebuch wird zu Cleos persönlichem Ventil gegen die tägliche Reizüberflutung.
Hier wird nichts bemitleidet oder krampfhaft schöngeredet: Die Autorin zeigt einfach ungefiltert, wie anstrengend es ist, wenn die Konzentration ständig links abbiegt, weil rechts eine viel bessere Idee wartet. Genau dadurch bekommen auch Außenstehende eine plastische und extrem unterhaltsame Vorstellung davon, wie das permanente Gedankenfeuerwerk in Cleos Kopf funktioniert. Ein Buch, das zeigt: Manchmal ist ein bisschen Konfetti im Kopf viel besser als gähnende Leere.
Titelangaben
Lena Hach: Cleo, Chaos und Konfetti
Mit Illustrationen von Jutta Wetzel
München: Mixtvision 2026
184 Seiten, 16 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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