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Wo bleiben Dimension und Tiefe?

Bühne | Uraufführung: ›Das Prinzip Hoffnung‹ in Karlsruhe

Hoffnung auf das, was einen im Leben erwartet, ist das Eine. Utopie, Dystopie, gute und schlechte Zeiten kommen nicht nur in einer von mehreren Krisen wie Kriegen und zweifelhaften Umbrüchen durch Künstliche Intelligenz geschüttelten Welt vor. Auch die Premiere des von Teilen des Schauspiel-Ensembles umgesetzten Arrangements des Stückes ›Das Prinzip Hoffnung‹ von Ernst Bloch (1885–1977) zeugt davon. Dieses findet als erste Saisonpremiere im gut besuchten Kleinen Haus des Badischen Staatstheaters Karlsruhe statt. Und lässt viele Fragen offen, findet JENNIFER WARZECHA

Ein Mann steht im Scheinwerferlicht und pustet über einen Stahlhelm, den er in der Hand hält. Vom Helm wehen viele Staubflocken davon.
Gunnar Schmidt – Foto: Thorsten Wulff
Einige Zitate im Hauptwerk Ernst Blochs drücken die Hoffnung auf ein Ende der Krisenstimmung und auf bessere Zeiten aus. Dazu gehören auszugsweise »Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen«, »Denken heißt Überschreiten« und »Die meisten Menschen sind zu feig zum Bösen, zu schwach zum Guten«. So könnte man Hoffnung ja auch als Mittel sowie Antrieb und Erstreben, ein gutes Leben zu führen, verstehen. Oder schlichtweg als Motor eines Optimisten, Christen, optimistischen Atheisten oder jemandem, der nicht zu viel nachdenkt und sich einfach dem Naheliegenden widmet.

Die naive Herangehensweise der an für sich sehr souverän agierenden Schauspieler und Sänger Lucie Emons, Swana Rode, Gunnar Schmidt, Emma Suthe und M. Amin Zariouh sowie die leider recht oberflächliche Umsetzung eines von vielen auch zeitgenössischen Kritikern gelobten Stoffes durch Regisseur Stephan Kimmig lassen leider zu wünschen übrig. Immer wieder werden Zitate aus ›Das Prinzip Hoffnung‹ auf die Mitte der Wand, auf die das Publikum im Kleinen Haus blickt, projiziert. Doch deren Bedeutung, fiktive Dimension innerhalb des genannten Werkes von Bloch sowie deren darüber hinausgreifende Wirkung aufs reale Alltagsleben, individuell und in aller Welt, bleibt dem Publikum verborgen.

Die Schauspieler singen gekonnt. Sie wirbeln durcheinander, rennen vor etwas davon, vielleicht vor sich selbst, das, zumindest in der Fiktion. Schade ist in den 100 Minuten und leider in dieser Fassung viel zu langen Version, bei der man als Zuschauerin sich immer wieder zusammenreißen muss, um nicht mit den Gedanken nach woanders hin außerhalb des Theaterraums oder zumindest ins eigene Innenleben abzuschweifen, dass nicht nur die inhaltliche Tiefe fehlt, sondern keiner der sehr ausdrucksstarken Schauspielerinnen und Schauspieler so richtig zur Geltung kommt.

Schauspieler Gunnar Schmidt fällt immer wieder durch tiefgründige und empathische Blicke sowie in seiner Darstellung auf. Betrachtet man jedoch dessen schauspielerische Laufbahn und Leistung wird auch diese in dieser Adaption von ›Das Prinzip Hoffnung‹ sicherlich unabsichtlich, aber dem konsequenten und geübten Theatergänger doch offensichtlich, unter den Tisch gekehrt.

Ernst Blochs Werk entstand während des Zweiten Weltkriegs. Möglicherweise hält Schmidt aus diesem Grund einen Soldatenhelm in der Hand, spricht mit ihm und zeigt ihm dem Publikum. Was er damit dem Publikum sagen möchte, bleibt ebenso unklar wie einige der Zusammenhänge in dem Musiktheaterstück mit Kostümen von Sigi Colpe sowie Komposition und Live-Musik, vollführt von PC Nackt. Dieser vollführt das ganze Stück über immer wieder energiegeladene, beeindruckende musikalische Erlebnisse und macht das musikalische Klangerlebnis stimmungsvoll.

Schauspielerinnen in Kleidern tanzen auf einer dunklen Bühne
M. Amin Zariouh, Emma Suthe, Gunnar Schmidt, Swana Rode, Lucie Emons. Foto: Thorsten Wulff

Leider ergibt auch diese für sich stehende Glanzleistung keinen Sinn im Zusammenhang der Aufführung. Möge der Betrachter oder die Betrachterin der weiteren Aufführung zu einem anderen Ergebnis kommen. Die Begutachtung dieser modernen Aufführung lohnt sich auf jeden Fall und wenn es nur darum geht, der aktuellen Rezension hier ein anderes Statement zu geben. Den wohlwollenden tosenden Schlussapplaus verdiente das Schauspielensemble trotz der lückenhaften Inszenierung auf den Fall.

| JENNIFER WARZECHA

Titelangaben
Badisches Staatstheater Karlsruhe: Das Prinzip Hoffnung
Musiktheater nach Ernst Bloch
In einer Fassung von Bastian Boß, Stephan Kimmig & PC Nackt
Ab 15 Jahren
Dauer: 1h 40
Mit:
Lucie Emons, Swana Rode, Gunnar Schmidt, Emma Suthe, M. Amin Zariouh
Regie: Stephan Kimmig, Bühne: Oliver Helf, Kostüme: Sigi Colpe
Licht: Felix Bach, Komposition/Live-Musik: PC Nackt
Dramaturgie: Bastian Boß, Vermittlung: Benedict Kömpf-Albrecht

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