Von den Folgen schneller Urteile

Kinderbuch | Timothy Knapman, David Tazzyman: Ellis Augenbrauen

Alles hat seinen Nutzen, das sieht man doch. Und man kann es benennen. Manchmal aber begegnet einer etwas, das sich nicht auf Anhieb erklären lässt. In dem Fall hat es keinen Nutzen. Die Sache ist glasklar. Weg damit. Doch radikale Entscheidungen können unangenehme Folgen haben. Timothy Knapman erzählt in Ellis Augenbrauen eine solche Geschichte auf originell verrückte Weise und David Tazzyman zeichnet die passenden Bilder dazu. Von MAGALI HEISSLER

augenbrauen
Elli heißt unsere Heldin und sie ist energisch, entschlussfreudig und klar in ihren Urteilen, genau so, wie eine Heldin sein soll. Elli weiß alles genau. Nur wozu ihre Augenbrauen da sind, versteht sie nicht. Hässlich sind die Brauen auch noch, fusselig und blöd. Wer braucht schon so etwas? Sie bestimmt nicht.
Das harte Urteil trifft zwei sensible Wesen tief, die Augenbrauen nämlich. Wo sie nicht geliebt werden, möchten sie nicht bleiben. Kurzerhand packen sie ihre Koffer und ziehen davon. Elli stört das nicht. Bis ihre Großmutter kommt und Elli ohne Augenbrauen schrecklich hässlich findet. »Pah!«, denkt Elli. Augenbrauen kann sich jede hinmalen. Aber für einmal irrt sie sich. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist jedes Mal noch hässlicher. Es gibt nur eine Lösung, die echten Augenbrauen müssen zurückkommen.
Doch wie soll man das anstellen? Nun ist wirklich Heldinnentum gefragt.

Irrwitzige Abenteuer

Ein Paar Augenbrauen als Helden einer Geschichte ist wirklich ungewöhnlich. Knapman und Tazzyman haben sich herrliche Verrücktheiten einfallen lassen, um den Weg der beiden durch die große weite Welt zu beschreiben. Jede Seite dieses bunten Bilderbuchs entzückt mit einer neuen Überraschung. Die Brauen schrecken vor keiner Aufgabe zurück, Hauptsache, sie finden ein gutes Zuhause. Die Leserinnen und Leser erleben irrwitzige Abenteuer mit ihnen. Doch die Welt da draußen kann für Augenbrauen ganz schön gefährlich sein und bald ist guter Rat teuer.

Elli geht inzwischen durch die harte Schule der Erkenntnis. Auf einmal sind Augenbrauen überall. Und wie schön sie sind! Verrückt, aufregend, wild. Nur Elli hat keine mehr. So sehr sie sich bemüht, nichts reicht an die Originale heran. Elli wäre keine Heldin, wenn ihr nicht etwas einfiele, um ihre Brauen zurückzubekommen.

Spaß um des Spaßes Willen – mit einem kleinen Bisschen Lebensweisheit

Dieses Bilderbuch ist vor allem äußerst witzig. Der Text ist knapp, in nachgeahmter Schreibmaschinenschrift und immer ein wenig schief auf den Seiten gesetzt oder in unterschiedlicher Buchstabengröße. Das passt zu der Geschichte, schließlich ist die Welt in Unordnung geraten.

Die Illustrationen verleihen den skurrilen Abenteuern der beiden Brauen ebenso wie Ellis zum Scheitern verurteilten Versuchen, mit Stift, Pinsel oder Klebstreifen neue Brauen in ihr Gesicht zu zaubern, zusätzlichen Witz. Tazzyman pflegt einen raffiniert simplen Stil, seine Figuren sind mit Bleistift umrissen, sie ähneln auf den ersten Blick eher ungeschickten Strichmännchen aus Schulheften. Dahinter verbergen sich beeindruckende Präzision und ein großes Talent, jede Stimmungsschwankung einzufangen.

Knapman ist konsequent im Erzählen. Es ist Ellis Welt, die er zeigt. Sie macht einen Fehler, daher muss sie ihn auch wieder gutmachen. Niemand greift ein, um ihr zu erklären, was sie angestellt hat. Es ist eine Angelegenheit zwischen ihr und den Augenbrauen. Sie müssen sich einigen. Selbstständigkeit ist wichtig. Sich versöhnen, wenn man gestritten hat, auch. Und vorschnelle Urteile soll man besser vermeiden. Ein bisschen Lebensweisheit gibt es also auch.

Ein witziges, intelligentes Bilderbuch, rundum gelungen.

| MAGALI HEISSLER

Titelangaben
Timothy Knapman, David Tazzyman: Ellis Augenbrauen (2013 Eleanor’s Eyebrows, übers. von Stephanie Menge).
Oldenburg: Lappan Verlag 2013
32 Seiten, 12,95 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren

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