/

Spreu vom Weizen

Film | Im TV: Polizeiruf 110 – Käfer und Prinzessin (RBB), 6. April

Das Landleben ist auch nicht mehr, wie’s mal war. Ort der Handlung: Ein Öko-Bauernhof, bewirtschaftet von einer Landkommune. Wie rücksichtsvoll, dass die Leiche in der Jauchegrube des Nachbarhofs auftaucht. »Ach du lieber Himmel. Ist ja furchtbar«, sagt Horst Krause (Horst Krause) beim Anblick der Leiche. Er hat ja völlig recht. Lange Zeit ist nicht geklärt, ob es sich um einen Mord oder um fahrlässige Tötung handelt, doch Olga Lenski (Maria Simon) und Horst Krause ermitteln in alle Richtungen, das ist tröstlich. Von WOLF SENFF

Polizeiruf 110_Foto_RBB_O.Feist_2
Polizeiruf 110.
Käfer und Prinzessin. Foto: RBB/O.Feist
›Käfer und Prinzessin‹ zeigt uns die Schockwellen, die dieser Todesfall auslöst. Wir sehen den Reaktionen der Gruppe zu und staunen, mit welcher diffizilen Sorgfalt Drehbuch (Clemens Murath) und Regie (Robert Thalheim) diesen Todesfall einbetten.

Hinreißend wie Ruth

Für Olga wird es kompliziert, denn Ruth (Fritzi Haberlandt), die Lebensgefährtin des Toten, ist ihre alte Schulfreundin, sie kennen sich aus Kindertagen, beim Fasching traten sie als Käfer auf und als Prinzessin, der Titel weist darauf hin.

In Ruth begegnet der Zuschauer einer hinreißenden Figur, unnachahmlich, und ›Käfer und Prinzessin‹ räumt uns hinreichend Zeit ein, diese Figur zu genießen, Dankeschön. »Deine Scheißrationalität«, muss sich Olga Lensky anfauchen lassen, »fand ich immer schon schrecklich«, und ihren nun bedauerlicherweise Dahingeschiedenen kommentiert Ruth ernüchtert: »Ach, Martin. Der war ein Luftzeichen. Der wollte immer zurück nach Afrika.« Wird man neugierig, zu erfahren, was ein Luftzeichen ist. Erklärt uns wieder niemand.

Wer keine Ruhephasen zulässt, beschleunigt auch nicht, darauf läuft’s hinaus. Die Pause zwischen Schusswechseln ist eine rein mechanisch bedingte Unterbrechung, mehr oder weniger ein Luftholen, sie dauert, bis die Waffen neu geladen sind; so wird ein Krimi auf Dauer eintönig und Langeweile macht sich breit.

Die Wogen schlagen hoch

Polizeiruf 110_Foto_RBB_O.Feist_2
Polizeiruf 110.
Käfer und Prinzessin. Foto: RBB/O.Feist
Ein ›Polizeiruf‹ wie ›Käfer und Prinzessin‹ ist da ein geschmeidiges Gegenbeispiel. Dieser ›Polizeiruf‹ wächst, das landwirtschaftliche Projekt der Genossenschaft pflegt Kontakte nach Burundi, die Horizonte werden weit, neue Spuren eröffnen sich, der aufzuklärende Fall erweist sich als verwickelt. »Der war einfach zu schnell«, sagt Horst Krause, als ihm ein junger Mann davonläuft.

Die Wogen schlagen hoch in der einst so verschworenen Genossenschaft. Man solle umsiedeln, heißt es, müsse das Grundstück wechseln, angeblich steht ein neuer Eigentümer bereit, neue Rätsel tun sich auf, plötzlich ist die Genossenschaft nicht länger verschworen. Nichts ist so, wie es erscheint, der erste Eindruck täuscht nur, gemein.

Neuer Verdacht konzentriert sich auf Grundstücksgeschäfte. Doch die Drahtzieher im Hintergrund, sofern es sie denn gibt, bleiben zurückhaltend, die Ermittler tappen im Dunkel, unversehens wird das Grundbuchamt zum maßgeblichen Ort des Geschehens, die Spannung steigt. Ein sehenswerter ›Polizeiruf 110‹.

| WOLF SENFF

Titelangaben
›Polizeiruf 110‹: Käfer und Prinzessin (Radio Berlin Brandenburg)
Regie: Robert Thalheim
Ermittler: Maria Simon, Horst Krause
6. April, ARD, 20:15 Uhr

Reinschauen
Sendetermine und Online-Abruf auf DasErste.de

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Geschichte neu schreiben

Nächster Artikel

The Eternal Beauty Of The Remix

Weitere Artikel der Kategorie »Film«

Die Alternativen sind kaum vielversprechend

Film | Japan-Filmfest Hamburg ›Spinning Kite‹ Samstag, 31. Mai, 13:00 Uhr, Metropolis-Kino Mit ›Heavy Metal‹ wird eröffnet, ›Coming of Age‹ heißt das Genre, sein Thema: die Initiation, das Erwachsenwerden. Nach ihrem Gig sitzen Maki, Kido, Jun und Bunji in der Kneipe, das lässt sich gut an. Sie torkeln durch nächtliche Straßen und schlafen auf einem Kinderspielplatz ihren Rausch aus. Nun sind wir neugierig. Von WOLF SENFF

Vom Staat, den es nicht gibt

Film | Filmfest auf der Alster Hamburg, 18. bis 21. September 2014 Zum Filmfest Hamburg wird freiluft auf der Binnenalster ein Vorlauf vom 18. bis 21. September gezeigt, das Filmfest in geschlossenen Räumlichkeiten beginnt am fünfundzwanzigsten. Das Filmfest Hamburg hat traditionell diverse Themenbereiche, in der ›Sektion Deluxe‹ werden Filme aus ausgewählten Ländern oder Regionen vorgestellt: Iran (2013), davor Quebec (2012), auch Finnland (2006), auch Österreich (2005). Von WOLF SENFF

Der passionierte Kinogänger

Menschen | Zum Tode von Peter W. Jansen Einem langjährigen Freund, einem journalistischen Copain und beruflichen Kompagnon nachzurufen, den man sowohl als Kollegen schätzte wie als Mensch liebte, kehrt für einen ersten und letzten Moment Persönlichstes nach außen, wo es zu seinen Lebzeiten seinen Platz nicht hatte und auch nicht hingehörte. Nichtschwule Männerfreundschaften, die durch berufliche Parallelen gestiftet und – selten genug – durch Konkurrenz, Neid & Karrieren nicht gefährdet oder gar wieder zerstört wurden, sind diskret, intensiv, robust und dauerhaft. Sie bestehen stillschweigend & selbstverständlich auch dann noch fort, wenn im jeweils danach gelebten Leben der zeitweilige enge berufliche

Nun habt euch mal nicht so!

Film | Im TV: TATORT – Ohnmacht, 11. Mai Die ersten sieben Minuten von ›Ohnmacht‹ sollte man sich wie oft ansehen? Sieben Mal? Genau, nur diese sieben Minuten. Sieben Mal. Tödlich. Allein die kalte U-Bahnhof-Szene sehen, meine Güte, allein die teilnahmslosen Leute, so kalt, so abgewandt, so apathisch, so Leben auf Sparflamme. Sie schauen gar nicht hin, während neben ihnen einer erbärmlich zusammengeprügelt wird; ist das die Welt, in der wir leben? Gute Frage! Ballauf, der spontan empört ist, der sich einmischt, bekommt ebenfalls aufs Maul. Von WOLF SENFF

Eine schwarze Feder gibt’s aus London

Film | Im TV: TATORT – Großer schwarzer Vogel (RBB), 9. Februar Leicht ist es nicht, darüber nachzudenken, was ein so gewichtiger Titel bedeuten mag. Ein schwarzer Vogel kommt in diesem TATORT genaugenommen kaum vor. Gut, ein paar Mal fliegen Krähen über Land. Eine schwarze Feder taucht überraschend aus London auf. Sonst? Muss man halt drüber nachdenken. Von WOLF SENFF