Welt(raum)reise

Digitales | Games: Affordable Space Adventures

Nicht mehr per Anhalter, sondern mit Reisegesellschaft durch die Galaxis. Das verspricht das exklusiv für die Wii U erschienene Indie-Game ›Affordable Space Adventures‹.
Um das Weltall zu entdecken, sind nicht nur Geschick und Köpfchen gefragt, sondern auch die fachgerechte Anwendung des Gamepads – schließlich sollen die Funktionen voll ausgeschöpft werden. Mit einer Crew von bis zu drei Personen und einer (mehr oder weniger) fairen Arbeitsaufteilung kann die abenteuerliche Tour auf fremden Planeten losgehen. Doch Vorsicht, es ist nicht alles so friedlich, wie es scheint. Mit an Board: PHILIPP LINKE.

Houston, wir haben ein Problem.
logo›Affordable Space Adventures‹ spielt in einer Zukunft, in der Touren zu anderen Planeten von Reisegesellschaften zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Mars statt Mallorca. Beworben wird das Freizeitunternehmen als risikofrei, doch anstatt Viel-Flieger-Prämien zu kassieren, dürfen wir jedes neu entdeckte Land für uns beanspruchen. Selbstverständlich kann das nicht gut gehen. Wir finden uns alleine in einem Erkundungsschiff wieder, inmitten eines fremden Planeten voller Artefakte einer vergangenen Alienzivilisation, ohne Möglichkeit zur Heimreise oder Kommunikation. Nicht die besten Voraussetzungen. Unsere einzige Chance ist es, eine funktionierende Rettungskapsel zu finden und unsere zuständige Reisegesellschaft mit einem SOS-Signal zu verständigen. Klingt machbar, wären da nicht die noch funktionsfähigen Alien-Vermächtnisse, die uns prompt als Eindringling identifizieren. Nur durch den geschickten Einsatz aller Funktionen unseres Raumschiffs gelingt es, unentdeckt zu bleiben oder mit waghalsigen Manövern den tödlichen Lasern auszuweichen.

Die Fähigkeiten werden uns auf dem Gamepad angezeigt und lassen sich entweder per Touchscreen oder per Knopfdruck bedienen. Besonders wichtig ist der Scanner, mit dem feindliche Artefakte auf ihre Reichweite und Wahrnehmung analysiert und ausgewertet werden können. Wie viel Wärme, Geräusche und elektrische Signale wir erzeugen dürfen, bevor wir vom Alienradar erfasst werden, können wir ebenfalls auf dem Touchscreen ablesen. Kommen wir zu nah an ein Artefakt, werden wir ohne Vorwarnung abgeschossen, sodass bestenfalls nur unsere Maschinen ausfallen – oder aber wir. Game over.

Im Verlauf des Spiels werden immer mehr Funktionen des Schiffes freigeschaltet. Unseren zu Beginn hustenden Diesel-Motor, der je nach Leistung entsprechend viel Wärme und Lärm produziert, können wir in fünf Stufen anpassen und bereits an einigen Hindernissen vorbei holpern lassen. Da unser Raumschiff ein sehr billiges ist, lässt der schäbige Motor das ganze Schiff wie ein Schlauchboot im Wildwasser wackeln. Benötigen wir eine präzisere Steuerung, können wir den Stabilisator einschalten, der wiederum jede Menge elektrische Signale aussendet. Eine große Erleichterung ist dann der Elektromotor, der leise, stabil und selten warm läuft, dafür aber weniger Leistung bringt, die wir an der einen oder anderen Stelle benötigen.

Eins, Zwei oder Drei

Die 38 Level sind abwechslungsreich und wunderbar einzigartig gestaltet: Von düsteren, industriellen Stützpunkten, in die wir uns nur unter Scheinwerferlicht hineinwagen, bis hin zu grünen Waldlichtungen mit idyllischen Wasserfällen ist alles dabei. Leider bewegen wir uns aber die meiste Zeit im Inneren des Planeten. Das ist etwas verwunderlich, schließlich wollen wir ja eigentlich eine Rettungskapsel finden. Begründet wird dieser Weg im Spiel nicht, für das Leveldesign ergeben sich jedoch hervorragende Möglichkeiten, Labyrinthe und wenige Ausweichoptionen vor Artefakten und Hindernissen miteinzubeziehen. Gespielt werden kann in zwei Schwierigkeitsgraden, die wir auch dringend benötigen – denn einfach ist ›Affordable Space Adventures‹ definitiv nicht. Die Einstellungen der Kamera tragen atmosphärisch zum Spielgeschehen bei. In weitläufigen Gebieten wird perspektivisch hinausgezoomt und damit ein Überblick geschaffen, in Schächten wird auch der gezeigte Bildausschnitt verringert, um die Enge erfahrbar zu machen.

Grafisch wird das Spiel niemanden vom Hocker reißen. Die größtenteils dunklen Passagen sind dennoch ansehnlich, wenn wir sie mit dem Scheinwerfer unseres Raumschiffes beleuchten. Eine nette Ergänzung sind die Effekte auf dem Gamepad, dessen Bildschirm bei Minustemperaturen einfriert, bei technischen Störungen nur noch ein rauschendes Bild oder einen Bluescreen mit Fehlermeldung anzeigt. Ein Minuspunkt sind die langen Ladezeiten von 20-30 Sekunden pro Levelwechsel, die wenigsten durch humorvolle Auszüge aus dem Handbuch der Reisegesellschaft unterhaltsam gefüllt werden.

Mit bis zu drei Personen können wir uns die Aufgaben an Board teilen. Der Besitzer des Gamepads spielt dabei immer die Rolle des Technikers und steuert die Maschinen, der Pilot manövriert das Schiff durch die Gegend und ein dritter Spieler kann den lebensnotwendigen Scanner, die Taschenlampe und Fackeln bedienen. Ausgerechnet der letzte Job kommt zu kurz, da sowohl die Funzel als auch die Fackeln nur in einigen Levels benötigt werden. Bei zwei Spielern kann zwischen Pilot und Taschenlampen-Profi ausgesucht werden, die jeweilig andere Aufgabe übernimmt dann der Techniker. Hier wäre etwas mehr Auswahl schön gewesen. Nichtsdestotrotz: Sofern das Team funktioniert, entfaltet das Spiel sein volles Potential, denn nur mit der richtigen Absprache können die Levels erfolgreich abgeschlossen werden.

Fazit

GamepadAndScreen›Affordable Space Adventures‹ sticht durch sein innovatives Gameplay und wegen des asymmetrischen Coop-Multiplayers eindeutig aus der Indie-Masse hervor. Vor allem die erforderliche Kommunikation im Mehrspielermodus bereitet Spaß und macht den Eindruck von tatsächlicher Kooperation. Zum Rätsellösen benötigt es viele kreative Einfälle, die wir gerne haben.

Mit knappen 5 Stunden ist das Spiel sehr kurz, doch wurde für diesen Sommer ein kostenloser DLC mit 5 weiteren Levels angekündigt. Auch sollen größere, bezahlbare Inhalte folgen. Besonders Fans von kniffligen Spielen wie den 2D-Puzzlern ›Braid‹ oder ›Trine‹ sei ›Affordable Space Adventures‹ empfohlen.

| PHILIPP LINKE

Titelangaben
Affordable Space Adventures
Knapnok Games
seit dem 09.April 2015 erhältlich für WiiU
UVP 18,99€

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Die kleinen Monster von der Insel

Nächster Artikel

Irgendwie geht’s immer weiter

Weitere Artikel der Kategorie »Digitale Spiele«

Eiskalte Steampunks

Digitales | Games: Frostpunk Die große Hitze hatte Deutschland fest im Griff. Wer keine Klimaanlage sein Eigen nennen darf, zerfloss in verdunkelten Wohnungen vor sich hin, wenn der Weg nicht gerade zu einem kühlenden Gewässer führt. Für zumindest visuelle Abkühlung kann das Computerspiel ›Frostpunk‹ sorgen, das ein eisiges Endzeitszenario auf den heimischen Bildschirm zaubert. In tropischen Sommernächten hat FLORIAN RUSTEBERG einen Blick in die Eiszeit geworfen.

Die ›Skyrim‹-Tagebücher: Teil 1

Dgitales |Games: Die Skyrim-Tagebücher: Teil 1 Seit letzter Woche ist Bethesdas Drachenmordsimulator ›Skyrim‹ erhältlich und ersetzt damit Dark Souls als großes Gesprächsthema. DENNIS KOGEL kapituliert vor der Größe der Welt und erzählt lieber Geschichten.

Vom Ende der Einsamkeit

Digitales | Life Is Strange: Before the Storm ›Life is strange: Before the Storm‹ (LiS:BtS) hat die unliebsame und schwierige Aufgabe als Prolog einer doch sehr eigenständigen Geschichte zu fungieren. Die erste Staffel der episodischen Abenteuerserie schloss die Geschichte von Chloe Price und Max Caulfield mit zwei möglichen Enden ab. BtS stellt nun die Beziehung zwischen Chloe und Rachel Amber dar, einer Figur, über die im ersten Teil meist nur gesprochen wurde. Von EVA HENTER-BESTING.

Komm später wieder – oder gar nicht

Digitales | Games: Dark Souls Das war es. Nach etwas mehr als 48 Stunden sind ›Dark Souls‹ und ich fertig miteinander. Und das, ohne dass ich den Abspann des Rollenspiels gesehen hätte. Denn ich habe es nicht geschafft, der letzte aller Gegner bleibt unbesiegt stehen. Und VOLKER BONACKER ist nicht im Mindesten unglücklich darüber.

Die Geister, die ich vertrieb

Digitales | Games: The Blackwell Deception Wadjet Eyes ›The Blackwell Deception‹ rettet keine Adventures, es überzeugt DENNIS KOGEL nur davon, dass sie vielleicht gar nicht gerettet werden müssen.