Kein bisschen zimperlich

Kinderbuch | Heinz Janisch: Die Prinzessin auf dem Kürbis

Leuchtend orange und riesengroß: Ein prachtvoller Kürbis ziert das Cover. Und wer Probleme damit hatte, sich vorzustellen, dass eine Prinzessin unter meterhohen Matratzenbergen eine winzigkleine grüne Erbse spürt, wird sich auch nicht leicht damit tun, sich eine Königstochter auf einem Kürbis ruhend auszumalen. Von ANDREA WANNER

Heinz Janisch Die Prinzessin auf dem KürbisDass es auch Prinzen gibt, die eine andere Frau suchen als die zickige Prinzessin-auf-der-Erbse, die von einer Nacht auf der Minihülsenfrucht am ganzen Körper blaue Flecken bekommt, war zu hoffen. Aber klar, kaum gibt es einen halbwegs vernünftigen Thronfolger, sind seine Ideen auch nur im Ansatz nachvollziehbar und als Leserin wünscht man sich schnell, dass ihm eine Frau Paroli bietet.

Der Prinz kommt von einer Hochzeit zurück, geheiratet hat sein Freund und die Braut war besagte Prinzessin auf der Erbse. »So eine Prinzessin kann mir gestohlen bleiben!«, ist seine Meinung. Er sucht eine ganz andere, handfeste Sorte Frau auf eine Art, die die zimperlichen von vorneherein ausschließt. Und als sie dann endlich da ist, die Frau, die es tatsächlich aushält auf einem Kürbis eine ganze Nacht lang tief und fest zu schlafen, muss er feststellen, dass so eine Prinzessin auch ganz eigene Vorstellungen vom Leben zu zweit hat. Wer jetzt unter Beweis stellen muss, dass er so eine Frau überhaupt verdient, ist der Prinz selber.

Heinz Janisch hat das Märchen von Hans-Christian Andersen anknüpfend eine wunderbare Heldin geschaffen, die kreativ, mutig und fantasievoll ihr Leben in die eigene Hand nimmt. So leuchten auch die Bilder von Linda Wolfsgruber in kürbisorange oder magischem Nachtblau, zeigen die Prinzessin furchtlos mit dem Pinsel in der Hand, wie sie das Schloss himmelblau anstreicht oder Chagall-inspiriert, wie sie beim Geigenspiel des Prinzen zu schweben beginnt. Die Märchenwelt steckt voller Magie und einer tatkräftigen Prinzessin mittendrin. Auf allen Bildern sind grüne Erbsen versteckt und ihre berühmte Kollegin wird – denn natürlich gibt es auch ein Happy-End – selbstverständlich auch zur Hochzeit eingeladen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Heinz Janisch: Die Prinzessin auf dem Kürbis
Mit Illustrationen von Linda Wolfsgruber
Wien: Jungbrunnen 2016
32 Seiten, 14,95 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Webseite des Autors

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Blinded By The Sun: An Interview With Phil Kieran

Nächster Artikel

Wenn Wahrheit Chaos bringt

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Fantasie zum Träumen

Kinderbuch | Sven Gerhardt: Minna Melone

»Davon werde ich euch morgen berichten!« so enden die einzelnen Vorlese-Geschichten und für die, die gespannt lauschen, wird es den ganzen Tag über nichts Spannenderes geben, als auf den Abend und die nächste Geschichte zu warten. Ein klassisches Vorlesebuch, wunderbar gemalt und getextet und in ein Füllhorn an Fantasie getunkt, meint BARBARA WEGMANN

Ist die Katze aus dem Haus…

Kinderbuch | Anne Vittur Kennedy: Der Bauer ist weg! Mäh! Muh! Quäck … tanzen die Mäuse. Und wenn der Bauer aus dem Haus ist? ANDREA WANNER war neugierig. PDF erstellen

Endlos …

Kinderbuch | Jutta Bücker: Noch einmal mit Heinz

Wir kennen es alle: das »Noch einmal«, wenn nicht Schluss sein soll mit dem, was gerade so furchtbar viel Spaß macht. ANDREA WANNER hatte Spaß an jeder Seite.

Farbe ins Leben!

Kinderbuch | Eymard Toledo: Onkel Flores. Eine ziemlich wahre Geschichte aus Brasilien Onkel Flores ist Schneider in einer Stadt in Brasilien. Edinho, sein kleiner Neffe, ist täglich bei ihm und darf ihm sogar manchmal helfen. Und als es darauf ankommt, hat ausgerechnet Edinho eine wunderbare Idee. Von ANDREA WANNER PDF erstellen

Ausgegraben

Kinderbuch | Ch. Nöstlinger: Der liebe Herr Teufel / A. Steinhöfel: Froschmaul Abgesehen von der Freude am Aufstöbern schöner Bücher unter den Neuerscheinungen, gibt es noch eine andere Art, Entdeckerinnenglück, das Wiederentdecken nämlich. Egal, ob Vergrabenes, halb Vergessenes oder Geschichten, die in Abständen immer wieder einmal auftauchen, Wiederentdecken ist so schön, wie gute alte Freundinnen und Freunde wiederzusehen. Nöstlingers Geschichte vom lieben Teufel ist so ein Buch. Die Froschmaul-Sammlung von Steinhöfel dagegen war viel zu lange nicht auf dem Markt. Das ist schon richtiges Ausgrabungsglück. Von MAGALI HEISSLER PDF erstellen