Geteilte Freude ist doppelte Freude …

Kinderbuch | Mo Willems: Muss ich was abgeben

Endlich Sommer. Endlich warm. Endlich Zeit für ein Eis. Tja, und dann beginnt das Problem: Alleine essen? Oder doch teilen? Von ANDREA WANNER

 Mo Willems - Muss ich was abgebenElefant Gerald ist im Glück. Gerade hat er sich am Eisstand eine leckere Kugel pistaziengrünes Eis in einer Waffel gekauft. Eine wahre Riesenkugel.

Und Gerald läuft bei ihrem Anblick schon das Wasser im Mund zusammen. Lecker! Seiner Freude gibt er sofort lauthals Ausdruck: »Juppieh! Juppieh! Ich liebe Eis!« Alles gut? Eben nicht. Denn plötzlich durchfährt es den Elefanten kalt: Schweinchen, sein bester Freund, liebt Eis genauso wie er. Und jetzt?

Wir haben die beiden Freunde schon kennengelernt. In ›Das Buch über uns‹ konnten wir die Bekanntschaft von Mo Willems Duo machen. Da sind sie wieder. Das heißt, zunächst ist da nur Gerald. Und der hat jetzt genau 33 Seiten lang Zeit, seinen inneren Konflikt auszutragen, alles Für und Wider abzuwägen, seine Begeisterung für die kühle Köstlichkeit der Verbundenheit zu seinem Freund gegenüberzustellen, sich mit faulen Ausreden selbst zu überlisten und seine moralischen Bedenken in die Waagschale zu werfen.

Dazu braucht Willems wenige Striche – die die Mimik widerspiegeln – und wenige Worte in den Sprechblasen, die verraten, was in Gerald vorgeht. Soll ich? Soll ich nicht? Wahres Teilen ist altruistisch und geht vom Herzen aus. Es bedeutet eben nicht nur dann etwas zu geben, wenn ich selbst im Überfluss davon habe, sondern genau auch dann, wenn ich selbst dadurch auf etwas verzichten muss. Wenn das nur nicht so verflixt schwer wäre.

Tja, das ist eine Lehrstunde in Philosophie und Moral mit einer überraschenden Wendung und einem versöhnlichen Ende. Und ein Bilderbuch, das sicher nicht nur für die Kleinen taugt. Die Übertragung auf andere Bereiche bleibt allen selbst überlassen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Mo Willems: Muss ich was abgeben
(Should I Share My Ice Cream?) Aus dem Englischen von Monika Osberghaus
Leipzig: Klett 2017
64 Seiten, 10,95 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Kurs Süden

Nächster Artikel

Gefangen zwischen Konsum und Terror

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Gedanken-Spiele

Kinderbuch | Nikola Huppertz: Als wir einmal Waisenkinder waren Pippi Langstrumpf, Oliver Twist, Harry Potter, Momo oder Heidi haben eines gemeinsam: Sie sind ohne Eltern auf sich alleine gestellt. Ein Leben ohne elterlichen Schutz kann in Büchern ein großes Abenteuer sein, aber wenn man eigentlich mit seinen Eltern ganz gut klarkommt, will man ungern auf sie verzichten. Von ANDREA WANNER

Geschichten und Schweigen

Kinderbuch | Simon van der Geest: Das Abrakadabra der Fische

Für die zwölfjährige Vonkie ist es der GAU. Weil ihre Eltern sich streiten und Zeit miteinander brauchen, muss sie zu ihrem Opa aufs Land. Für ihre gesamte Familie aber ist es das Beste, was passieren kann. Denn Vonkie lässt das Schweigen nicht auf sich beruhen. GEORG PATZER ist sehr angetan.

1, 2, 3 … ich komme!

Kinderbuch | Daniel Barrow: Elefant, wo bist du?

So schwierig kann es ja wohl nicht sein, einen Elefanten, der sich versteckt, zu finden. Na ja, im afrikanischen Busch vielleicht. Aber doch nicht in der Wohnung oder im Garten. Zwei Freunde spielen Verstecken und sie machen das ziemlich toll, findet ANDREA WANNER.

Hui, Spinne!

Kinderbuch | Bärbel Oftring, Isabel Müller: Schau mal, eine Spinne! Nur wenige Tiere rufen so prompt Abwehrreaktionen hervor wie Spinnen. Für die kleinen Tiere endet das viel zu oft mit einem grausamen Tod. Warum eigentlich? Weil wir diese wunderbaren Wesen nicht kennen. Bärbel Oftring und Isabel Müller haben ein Bilderbuch vorgelegt, das dem Defizit spannend und klug abhilft. Von MAGALI HEISSLER

Die Mutter hat zwei Flügelchen

Kinderbuch | N. Huppertz, T. Krejtschi: Meine Mutter, die Fee Wenn die Mutter depressiv ist, belastet das die ganze Familie. Manchmal muss sogar die Tochter die falsche Rolle übernehmen, nämlich die der Mutter. Und wie gehen Vater und Tochter mit der Krankheit um? In einem neuen, schön gemachten Bilderbuch erzählt der Vater, sie sei eigentlich eine Fee. Was GEORG PATZER sehr missfällt.