Autorensituation und Andershören im Musik-Journalismus

Musik | Über journalistische Texte, Bedeutungsverschiebung und fragliches Interpretieren

Faktisches Statement zu journalistischer Arbeit insbesondere im Independent-Bereich: Und zwar gegen Fehlinterpretation durch Unvermögen oder Absicht manch lesender Person und für journalistische Autorentexte und deren Eigenständigkeit und unabhängige Existenz in Relation zur Arbeit des Musikers und Künstler. Von TINA KAROLINA STAUNER

Bedeutungsverschiebungen im Musik-Journalismus und im »…Theater der Pop-Musik…« (Diedrich Diederichsen)

SchreibenFakt ist: Beruflich biete ich als Musikjournalistin kulturinteressierten Lesern Texte, Bilder und Informationen.
Jeder Journalist und Autor weiß, dass es bei der Rezeption von Artikeln zu Bedeutungsverschiebungen beim Leser kommt. Zu Bedeutungsverschiebung beim Gebrauch von Musik und Songs findet sich bei Diedrich Diederichsen folgender Satz: »Auch die Bedeutungsverschiebung, die durch Wiederhören und Interpretieren entsteht und als ein wichtiges Argument für die musikalische Offenheit gilt, ist ja immer eine des Andershörens in Bezug auf ein vorangegangenes Hören.« (aus ›Über Pop-Musik‹, 2014, Diedrich Diederichsen). Aber dies gilt nur für das Hören. Ein Andershören jedes Hörers ist selbstverständlich möglich, jedoch ist selbstverständlich nicht korrekt jedes individuelle Andershören meinem individuellen Hören zu unterstellen.

Ein Anderslesen jedes Lesers ist selbstverständlich möglich, jedoch ist selbstverständlich nicht korrekt jedes individuelle Anderslesen meinem individuellen Artikel zu unterstellen. Möglicherweise stammt diese Spezies der Lesenden aus dem Mainstream. Aber wahrscheinlich nicht nur von dort. Auf mehr oder weniger fragliches, teils reaktionäres Interpretieren und Rezipieren jeder Couleur kann man überall treffen, das freies und kritisches musikjournalistisches Arbeiten nivellieren, verfälschen oder unterdrücken möchte.

Verfälschung und willkürliche Interpretation journalistischer Texte durch manche Leser

Als engagierte Journalistin lege ich natürlich Wert darauf veröffentlichen zu können, ohne dass Verfälschendes über mich in den anspruchsvollen Kontext gebracht wird. Wenngleich man als Journalist, Autor und Künstler Bedeutungsverschiebung kennt. Dieses Statement ist gegen Personen, welcher politischen Richtung oder Weltanschauung auch immer, die Musik und Texte nicht wie ich dialektisch und konstruktiv reflektieren können und die journalistischen Texte in willkürliche, unrichtige Relation bringen und dadurch individuelle musik- und kulturjournalistische Tätigkeit schmälern.

Und es ist für Leser, die interessiert und eigenständig Musik, Kunst, Kultur und Kulturjournalismus schätzen und würdigen.

Ich arbeite und veröffentliche als freie Journalistin und Autorin für niveauvolle, erwachsen reflektierende Leser und Kulturinteressierte. Und lege insbesondere Wert darauf rezensieren und berichten zu können ohne dabei mit den Inhalten künstlerischer Veröffentlichungen anderer Personen willkürlich in irgendeinen unwahren, fehlinterpretierenden Zusammenhang gebracht zu werden. Meine beobachtend-kritische Perspektive in der Kultur- und Musikszene und den journalistischen Impetus meiner kulturellen Arbeit lasse ich natürlich nicht in Abrede und infrage stellen.

Interpretationsraum beim Rezensenten und Rezipienten und Künstler

»Performance und Pose: Das Theater der Pop-Musik – … Rezensionen von neuen Werken der Pop-Musik lesen sich dann auch als Mischung aus der Beurteilung einer künstlerischen Leistung und der des Lebens des Betreffenden, seines Handelns, seiner strategischen Entscheidungen. Oft gelten bei Letzterer ethische und politische Kriterien … wobei die Beurteilenden wissen, dass dieses Leben, welches sie exemplarisch beurteilen, ein halb fiktives ist … im Sinne der Spielregeln der Pop-Musik…«. Fragliches Interpretieren findet sich dabei bei diversen unreflektierten Rezipienten von fachspezifischen, künstlerischen und journalistischen Artikeln. »…Entscheidend für Kritik kann allein sein, was sie aus der Arbeit unter dieser Spielregel macht, bei der nie geklärt sein kann, ob ein Pop-Musiker für sich spricht oder in einer Rolle…« (aus ›Über Pop-Musik‹, 2014, Diedrich Diederichsen)

Als Autorin und Journalistin bin ich analysierende Beobachterin in der Musik- und Kulturszene und mit Text und Bild Dokumentarin von u.a. Musikkultur und gebe Informationen weiter. Im Musikbereich arbeite ich schon immer mehr mit Folk, Blues, Jazz und Neuer Musik als mit Pop. Und ich beziehe auch Musiktheater, Performance und Oper mit ein.
Ich bin Autorenjournalistin. Doch manchmal ist auch schon eine kleine sachliche Besprechung relevant. Neben Journalistischem fokussiere ich hauptsächlich meine Arbeit als freie Autorin und Künstlerin.

| TINA KAROLINA STAUNER

Zitiert aus
Diedrich Diederichsen:Über Pop-Musik
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2014
474 Seiten, 39,99 Euro
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