/

Allein gegen die CIA

Roman | James Rayburn: Sie werden dich finden

James Rayburn ist eines der beiden Pseudonyme, unter denen der bekannte Thrillerautor Roger Smith seit 2013 auch Spionage- und Horrorromane schreibt. In Sie werden dich finden lässt sich eine Ex-CIA-Agentin, die nach dem Tode ihres Mannes zur Whistleblowerin geworden ist, auf einen Kampf mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber ein. Mit ihrer kleinen Tochter flieht Kate Swift um die halbe Welt, gejagt von Feinden, mit denen sie einst Seite an Seite gekämpft hat. Von DIETMAR JACOBSEN

Rayburn - Sie werden dich finden 9783608503784 - 350Ein vereiteltes Schulmassaker lässt ihre Anonymität auffliegen. Kate Swift, landesweit gesuchte Whistleblowerin, hat sich mit ihrer kleinen Tochter Suzie unter dem Namen Holly Brenner eine neue Existenz in einer Kleinstadt nahe der kanadischen Grenze aufgebaut.

Doch als zwei bewaffnete Jugendliche in die Schule ihrer Tochter eindringen und das Feuer auf Lehrer und Kinder eröffnen, muss die ausgebildete Ex-CIA-Agentin handeln. Sie tötet die Angreifer, weiß aber auch, dass sie selbst von diesem Moment an nirgendwo auf der Welt mehr sicher sein wird.

Eine Frau sieht Rot

Denn Kate Swift hat einen mächtigen Feind: ihren ehemaligen Arbeitgeber, die CIA. Und dort besonders einen Mann, den sie, indem sie einst dessen schmutzige Geschäfte enthüllte, um seine Karriere brachte. Verriet sie diesen Lucien Benway damals, weil der für den Tod ihres eigenen Mannes durch einen Drohnenangriff die Verantwortung trug, hat der all die Jahre ihrer Anonymität nur darauf gewartet, sie wieder auftauchen zu sehen, um sie für ihren Verrat büßen zu lassen. Und natürlich erkennt er in der von den Medien landesweit gefeierten Heldin des vereitelten Schulmassakers, die nach ihrer Rettungstat spurlos verschwand, sofort seine ehemalige Untergebene wieder.

Doch so einfach werden Benway und die gewissenlose, zum Töten abgerichtete Kreatur namens Morse. die für ihn arbeitet, mit der kampferprobten Frau nicht fertig. Zumal diese einen Verbündeten findet, der jahrelang für seine abgezockt-erfolgreichen Operationen rund um den Globus Kultstatus bei der Agency genoss.

Doch Harry Hook, der jetzt in Thailand lebt, ist schon lange nicht mehr der, der er einmal war. Und so klappt sein Trick, Kate und ihre Tochter als Opfer eines Flugzeugabsturzes auszugeben – Kate muss dafür die Amputation eines Fingers über sich ergehen lassen –, zwar zunächst, aber auf Dauer lässt sich der manisch seine Rache suchende Benway nicht für dumm verkaufen.

Und: Action!

In 90 kurzen Kapiteln handelt Rayburn den Kampf einer Frau gegen eine Welt aus Korruption und Niedertracht, Verrat und Egoismus ab. Auf kaum jemand kann sich Kate verlassen, jeder, dem sie begegnet und von dem sie Hilfe erwartet, ist nur auf sein eigenes Wohl bedacht. Und so gut sie sich und ihre Tochter auch versteckt – ihre Feinde kommen ihr immer wieder auf die Spur.

Hat der Leser das Prinzip erst einmal durchschaut, könnte schnell Langeweile aufkommen. Doch James Rayburn ist ein Autor, der sein Handwerk versteht. Und für ganz und gar Actionmüde hat er noch eine kleine private Geschichte mit der schwer bleihaltigen Haupthandlung verflochten – denn wer dieser Harry Hook wirklich ist, ahnt auch Kate lange Zeit nicht.

| DIETMAR JACOBSEN

Titelangaben
James Rayburn: Sie werden dich finden
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Stuttgart: Tropen 2017
400 Seiten, 14,95 Euro
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Aufregung, höchste Stufe

Nächster Artikel

Es tickt die Zeit, das Jahr dreht sich im Kreise

Weitere Artikel der Kategorie »Krimi«

Sympathy For The Devil

Comic | Manu Larcenet: Blast 1 – 4 Diesen Sommer ist bei Reprodukt der vierte, abschließende Band von Manu Larcenets ›Blast‹ in deutscher Sprache erschienen. Das mitreißende, 800 Seiten starke Psychogramm eines Außenseiters ist eine Offenbarung, wie sie einem nur selten begegnet. Von CHRISTIAN NEUBERT

Der vierte Streich des Rentnerclubs

Roman | Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

Sie sind gerade auf Entzug, denn ein ganzes Jahr lang haben sie ohne Mord leben müssen. Da geschieht es endlich wieder: Ein Antiquitätenhändler musste ins Gras beißen. Mit fast 80 Lebensjahren trotzdem kein würdiger Abschluss für Kuldesh Sharma. Aber ein guter Grund, um den Donnerstagsmordclub zum vierten Mal in ein gefährliches Abenteuer zu stürzen. Und natürlich sind sie alle vier – Joyce, die Ex-Spionin, Elisabeth, die so gern Schriftstellerin wäre, der »Rote Ron« und Psychiater Ibrahim – wieder dabei. Denn ohne das Quartett aus der Seniorensiedlung Coopers Chase wäre die Südostküste des Vereinigten Königreichs ein kriminelles Sodom und Gomorrha. Von DIETMAR JACOBSEN

Ein altes Verbrechen

Roman | Håkan Nesser: Der Verein der Linkshänder

Nachdem der Münchner Friedrich Ani in seinem letzten Roman ›All die unbewohnten Zimmer‹ schon auf Teamarbeit setzte, lässt nun auch Schwedens Krimi-Altmeister Håkan Nesser seine beiden bekanntesten Serienhelden zusammen ermitteln. In ›Der Verein der Linkshänder‹ versuchen sich Ex-Kommissar Van Veeteren – zehn Auftritte zwischen 1993 und 2003 – und der etwas jüngere Gunnar Barbarotti – fünf Auftritte zwischen 2006 und 2012 – an einem Fall, der eigentlich längst geklärt schien und zu den Akten gelegt war. Aber der Mann, den man 1991 für den flüchtigen Mörder von vier Personen hielt, taucht 20 Jahre später plötzlich wieder auf - als unweit des Tatorts vergrabene Leiche. Von DIETMAR JACOBSEN

Herz ist Trumpf

Roman | Wolf Haas: Müll

Wolf Haas lässt seine Leser schon mal zappeln. Doch nach langer Wartezeit kehrt nun endlich Simon Brenner zurück, jener verschrobene, verkrachte Ermittler, der in derart abstruse Mordfälle verwickelt wird, dass sie jedes Krimi-Genre sprengen. In Müll, dem nunmehr neunten Band der skurrilen Serie, treten alte und neue Kollegen auf den Plan, ein Fuhrunternehmer mit achtzigprozentiger Blindheit und ein vietnamesischer Paketzusteller mit verdächtigen Aufstiegsambitionen. Von INGEBORG JAISER

Zwischen Glaswolle und Gummiknüppeln

Roman | Frank Goldammer: Juni 53

Mit seiner Reihe um den Dresdener Kriminalpolizisten Max Heller hat Frank Goldammer (Jahrgang 1975) es längst in die Bestsellerlisten geschafft. Band 5 heißt Juni 53 und spielt mit seinem Titel auf die Tage der Arbeiterproteste in der DDR an. Auch in Dresden gehen aufgebrachte Werktätige auf die Straße. Man protestiert gegen kaum erfüllbare Produktionsnormen, Versorgungsengpässe und eine Regierung, die ihre Direktiven gnadenlos nach unten durchdrückt und vor der bedrückenden Realität die Augen verschließt. Dass der brutale Mord im VEB Rohrisolation, den Heller und sein Kollege Oldenbusch aufklären sollen, etwas mit den am 17. Juni in vielen Städten in Gewalt umschlagenden Aufständen zu tun hat, steht für einen mitermittelnden Stasi-Offizier schnell fest. Doch Max Heller verfolgt eine andere Spur. Von DIETMAR JACOBSEN