Herr Winter, geh hinter

Kinderbuch | Martin Klein: Finn und Frieda finden den Frühling

Irgendwo muss er sein. Finn und Frieda sind fest davon überzeugt. Und wenn er es ihnen noch so schwer macht, sie werden ihn finden, den Frühling. Von ANDREA WANNER

Klein: Finn und Frieda finden den FrühlingSo ein bisschen warme Frühlingsonne reicht schon, um zu spüren, dass der Frühling wirklich unterwegs ist. Das geht nicht nur Finn und Frieda so. Die ganze Natur wartet nach dem Winterschlaf nur darauf, dass das Leben endlich wieder los- und weitergeht.

Die beiden Geschwister finden einen winzigen Igel, der ein bisschen Unterstützung braucht, um fit zu werden. Mit Wasser, Katzenfutter, zerkleinertem Hühnerfleisch, Maisöl und Kleie sind aber alle bald zuversichtlich, dass es der kleine Kerl schaffen wird. Und ansonsten zeigt eine Exkursion an der Seite des Großvaters, dass der Frühling wirklich im Anmarsch ist. Krokusse, ein Grünfink, der einen Zweig zum Nestbau im Schnabel trägt, Feuerwanzen: alles untrügliche Zeichen. Und sie finden sogar fast alles, was man für eine echte Sieben-Kräuter-Frühlingssuppe braucht: Löwenzahn, Vogelmiere, Giersch, Gänseblümchen, Brennnessel und Gundelrebe – stimmt, das sind nur sechs Kräuter, Pimpinellen entdecken sie keine.

Wie schon im ersten Band, ›Finn und Frieda halten den Herbst auf‹ gelingt Martin Klein und Kerstin Meyer ein alltagsnahes Kinderbuch, das für die kleinen Veränderungen in der Natur im Jahreslauf sensibilisiert. Es braucht nicht viel, um Kindern die heimische Fauna und Flora nahezubringen, mit frechem Witz gelingt das in dieser Erstlesereihe, die ein bisschen Bullerbü-Glück und heile Welt widerspiegelt.

Dabei sind die Zutaten – Zeit für die Kinder, Draußensein in der Natur, Muße haben für die besonderen Dinge – keine, die besonders kompliziert wären. Nur eben solchen, die manchmal in Vergessenheit geraten. Schön, dass die Suche nach dem Frühling daran erinnert. Und ein erster Frühlingsabend auf der Terrasse, mit dicken Jacken und in Decken gemummelt, gehört zu den Dingen, die man nie vergisst.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Martin Klein: Finn und Frieda finden den Frühling
Mit Illustrationen von Kerstin Meyer
München: Tulipan 2018
48 Seiten, 8,95 Euro
Kinderbuch ab 7 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Mit dem Wolf durch den Wald

Nächster Artikel

Von der Suche nach Identität, Bettwanzen und dem freien Flug der Vögel

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Generationenkonflikt

Kinderbuch | David Walliams: Gangsta-Oma Etwas Langweiligeres als den Freitagabend bei seiner Oma kann Ben sich nicht vorstellen. Und noch weniger hätte er sich träumen lassen, dass sich das ändern könnte. Von ANDREA WANNER

Auf der Suche nach dem besten Platz

Kinderbuch | Susanne Straßer: Kann ich bitte in die Mitte

Was gibt es Schöneres, als vorzulesen und sich vorlesen zu lassen? Ein gutes Buch, ein Sofa – und es kann losgehen. Oder doch nicht? ANDREA WANNER musste schmunzeln.

Ein Wiedersehen

Kinderbuch | Reinhard Kaiser-Mühlecker: Wann kommst du, Papschku?

Versprechen muss man halten. Vor allem Kindern gegenüber, denn nur so kann Vertrauen entstehen. Aber manchmal ist das schwierig oder sogar unmöglich. ANDREA WANNER hat die Geschichte über die Coronazeit gelesen.

Ein Hanabi* an spannenden Informationen (* Feuerwerk)

Kinderbuch | Christin Bohnke: Japan/Eva Offredo: Japan Yahho!

Die meisten wissen wahrscheinlich nicht viel über Japan. Sicher, dass man in dem ostasiatischen Land mit Stäbchen isst. Aber was fällt uns sonst ein über Land und Leute, die kulturellen, rituellen und religiösen Bräuche in Nippon? Zwei Einladungen in die Ferne. Von ANDREA WANNER

Chemo und die Bohne in der Nase

Kinderbuch | Peter Schössow: Wo ist Oma?

Nie war Aufklärung so wichtig wie heute: Wer oder was ist Corona? Und was passiert in einem Krankenhaus? Von Corona wusste Schössow vor vier Jahren noch nichts, aber mit seinem Bilderbuch »Wo ist Oma?« nimmt er einem die Angst vor dem Krankenhaus. Und das ist heute wichtiger denn je. Von GEORG PATZER