SciFi-Hommage an die 1980er

in Film

Film | Im Kino: Ready Player One

Als Mr. Halliday, Schöpfer der der virtuellen Welt OASIS , stirbt, strahlt sein Management ein Video aus, in dem der Verblichene alle Nutzer auffordert, innerhalb des Spiels drei Rätsel zu lösen. Nach jedem gibt es einen Schlüssel. Wer alle findet und damit drei Schlösser öffnet, erbt sein gesamtes Vermögen sowie alle Rechte an OASIS. ANNA NOAH fiebert mit, wer letztendlich gewinnt.

Welche Art von Person würde diese Herausforderung abseits der fanatischen Spieler annehmen? Genau, der Boss einer riesigen Firma mit seinen eher wirtschaftlichen Interessen. Und weil diese Interessen in der Realität verankert sind, wird das Spiel für einen Spieler namens Parzival schnell mehr als gefährlich!

2045 – Überleben durch die OASIS

Spielberg - Ready player oneColumbus, Ohio ist im Jahre 2045 ein wahrhaft hässlicher Ort.
Die gesamte Welt ist durch eine wirtschaftliche Rezession und daraus resultierendem Ressourcenmangel arg heruntergekommen. Überall liegt Müll herum und aufgetürmte Wohnwagentürme dienen als einziger Rückzugsort. Nahezu die gesamte ärmere Bevölkerung flieht in die Virtuelle Realität der OASIS, da sie sich dort unbelastet fühlen. Und dank VR-Brille entgeht ihnen das Elend draußen.
Innerhalb der künstlichen Welt können die Avatare der Nutzer zu verschiedenen Orten reisen oder auch eine virtuelle Schule besuchen.

Der Hauptdarsteller Wade (Tye Sheridan) nennt seine Generation »verloren«, denn seiner Meinung nach haben junge Leute nur noch in der virtuellen Welt das Gefühl, etwas wert zu sein. »People come to the OASIS for what they can do«, sagt er am Anfang des Films. »But they stay for what they can be.« Er ist sehr daran intersesiert, Hallidays Puzzle zu lösen. Nur dann kann sich etwas ändern, die Welt eine bessere werden. In der virtuellen Welt kennen ihn andere Spieler nur als »Parzival«. So wird Wade mit ein paar Freunden, die er noch nie real gesehen hat, zum Jäger der geheimen Schlüssel. Sein wichtigster Trumpf: das in mehreren Jahren angehäufte Wissen über den Erfinder.

Doch auch Nolan Sorrento (Ben Mendelson), oberster Chef von »Innovative Online Industries«, kurz IOI, will die künstliche Welt unbedingt erben und versucht die Kontrolle über das Spiel zu erlangen.

Auf Kubricks Spuren

Die großzügige Streuung von popkulturellen Puzzleteilen bilden die interessantesten Teile von ›Ready Player One‹. An einigen Stellen erahnt auch der Laie, wem gerade Tribut gezollt wird. Den größten Anteil erhalten die ehemaligen Kollegen Spielbergs: John Hughes und Stanley Kubrick.

Nachdem Wade den zweiten Schlüssel in einer Simulation von Stanley Kubricks ›The Shining‹ findet, muss er in einem finalen Kampf gegen einen eisernen Riesen antreten. Doch da geht es für Wade um weit mehr als nur die OASIS, denn seine Spieler-Freundin »Art3mis« wird von Sorrento gefangen gehalten. Er ist gezwungen, ihren Avatar zu töten.

In der realen Welt ermutigt Sorrento mit seiner Firma IOI in Form von Knebelverträgen die OASIS – Nutzer, Schulden anzusammeln. Dazu geht er auch im Spiel über Leichen, indem er eine ganze Reihe Leute zwangsbeschäftigt, die nur dazu da sind, anderen Spielern zu schaden oder sie in Fallen zu locken. Sorrento schreckt auch nicht davor zurück, Konkurrenten im realen Leben zu jagen und bei Bedarf auszulöschen.

Dabei werden nicht nur hochkarätige Spielgewehre geladen, so ganz nebenbei wird auch der gesellschaftliche Diskurs über PC-Games wieder angeheizt. Wie ernst sind Errungenschaften, wie die VR-Brille in der Zukunft zu nehmen? Welchen Platz bekommt die immer näher rückende virtuelle Welt in unserer Kultur? Bricht die Zivilisation zusammen?

Nein, denn Leute wie Wade verhindern es. Es ist das Märchen vom armen Waisenkind, das die Welt rettet und aus dem Abenteuer gestärkt für alle hervorgeht. In ihm vereint ist eine Kraft, die autoritär, unschuldig, entzückend und ätzend gleichzeitig ist.
Super Schachzug vom Regisseur, denn damit hat er den Zuschauer sofort auf seiner Seite!

Nostalgie im SciFi-Genre

Was belebt nun den Film wirklich? Die Anspielungen auf die Filme der 80er? Oder ist es mehr das Gefühl Spielbergs für eine persönliche Art der Zeitgeschichte.
Die Suche nach den mystischen Schlüsseln bringt Wade und seine Crew zwangsläufig in die Biographie des Schöpfers – großartig umgesetzt durch eine Bibliothek mit riesigen Schaufenstern, in dem es Hallidays Lebensschnipsel zum Vor- und Zurückspulen gibt. Der Zuschauer erlebt damit hautnah die unglückliche Partnerschaft mit seinem besten Freund Ogden Morrow, er sieht die Versuche der Romanze mit einer gewissen Kira, die schiefgeht, weil sie Ogden heiratet – und danach natürlich Hallidays Flucht in die Kreation von Videospielen.

Die Story zeigt den Kampf um die Kontrolle eines idealistischen Unternehmens einerseits sowie eines seelenlosen Konzernbosses andererseits. Somit ist es ein Film, in dem der Regisseur dem Idealismus einer gesamten Generation huldigt. Die Jugend der 80er Jahre, die unglaublich viel auf dem Gebiet der IT hervorgebracht hat.

Spielberg kombiniert alle Puzzleteile des Films mit neuen Elementen der Film-Kultur und schafft damit außergewöhnliche Bilder, die im Kopf bleiben. ›Ready Player One‹ hat die Chance, eines seiner besten Werke zu bleiben.

| ANNA NOAH

Titelangaben
Ready Player One
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Zac Penn & Ernest Cline
Darsteller/Cast:
Tye Sheridan: Parzival/Wade; Olivia Cooke: Art3mis/Samantha
Ben Mendelsohn: Sorrento; Lena Waithe: Aech/Helen
T.J. Miller: I-R0k; Mark Rylance: Halliday
u.v.a.
Kamera: Janusz Kaminski; Musik: Alan Silvestri
nach einem Buch von Ernerst Cline