/

Nuancen einer Liebe

Live | Bühne | Show: Ghost – Nachricht von Sam

Man nimmt das Motiv der unsterblichen Liebe und bringt es als magisches Geistermusical auf die Bühne. Dazu ein hinterhältiger Mord und zack ist der Zuschauer emotional mitten im Geschehen. Die Macher von ›Ghost – Nachricht von Sam‹ wissen, wie sie das Publikum verzaubern können. Dies funktioniert beeindruckend gut.
ANNA NOAH freut sich über einen gelungenen Abend.

»Das mit uns – es ist zu schön, um wahr zu sein.«

In den 90er Jahren kam der Kinofilm ›Ghost – Nachricht von Sam‹ mit Demi Moore und Patrick Swayze heraus. Er begeisterte eine ganze Generation. Whoopi Goldberg gewann für Ihre Leistung einen Oscar©.

ost Stage Entertainment

Die Umsetzung des Stoffs gestaltet sich auf der Bühne etwas anders, es gibt jedoch einige Parallelen. So sind auch im Musical Molly (Willemijn Verkaik) und Sam (Alexander Klaws) ein glücklich verliebtes Paar. Bis kurz nach ihrem Umzug in die gemeinsame Wohnung das Unvorstellbare passiert: Sam wird bei einem Raubüberfall vor den Augen seiner Freundin erschossen.

Während Molly in ein Loch fällt, ist Sam als Geist in einer Art Zwischenwelt gefangen. Er wandelt umher und kann dadurch die wahren Hintergründe seines Todes herausfinden. Molly schwebt aufgrund der Intrige eines gemeinsamen Freundes ebenfalls in Lebensgefahr. Daher setzt Sam alles daran, sie zu retten. Doch bald wird ihm schmerzhaft bewusst, dass man als Geist weder von den Lebenden gesehen werden, noch in das Geschehen eingreifen kann.
In dem selbst ernannten Medium Oda Mae (Marion Campbell) sieht er endlich eine Chance, sich seiner Freundin mitzuteilen – und sie somit zu retten.

Alexander Klaws
Erstmals mediale Aufmerksamkeit bekam Alexander Klaws 2003 als Sieger der ersten Staffel von »Deutschland sucht den Superstar‹. Seine Singles und Alben erreichten Gold- und Platinstatus. Nach seinem Gesangs- und Schauspielstudium in Hamburg wurde er 2006 von Roman Polanski für ›Tanz der Vampire‹ engagiert und war bis 2008 auf der Bühne des Stage Theater des Westens in Berlin zu sehen. Danach wirkte er drei Jahre bei der SAT.1-Telenovela ›Anna und die Liebe‹ mit, bis er im Mai 2010 zum ersten Mal die Hauptrolle in Disneys Musical ›Tarzan‹ übernahm. Im Sommer 2017 verkörperte er bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg den Old Surehand.

Treffsichere Spezialeffekte mit erhabener Musik

Sam lernt, als Geist durch Wände zu gehen und Dinge zu bewegen. Das klappt auchauf der B ühne ausgezeichnet. Und dass, obwohl Sam dafür die Hilfe des sehr merkwürdig anmutenden U-Bahn-Geistes in Anspruch nehmen muss.
So verschwindet Sams Hand tatsächlich in der Tür, noch sehenswerter ist die magische Illusion, wie er dann leibhaftig durch sie hindurchgeht.
Dazu gibt es einen rasanten Darstellerwechsel zwischen den Lebenden und Toten. Überleitende Erklärungen vom Ensemble – sprachlich oder gesanglich– helfen denjenigen Zuschauern, die den Film nicht kennen sollten.
Alles hat großen ästhetischen Stil und wird mit viel Perfektion dargeboten.

Die Musik und die Texte sind fast alle ziemlich gut auf das Stück abgestimmt und geben eine gewisse harmonische Einheit zur Bühne. Einzig die U-Bahn-Szene scheint mit ihren ›Prodigy‹-ähnlichen Tönen etwas abzuweichen.
Oft wurde die berühmte »Unchained Melody« angesungen, fiel aber leider stets etwas kurz aus. Daher kommt das Lied im Musical leider nicht so stark zur Geltung, wie in der Filmvorlage und verliert an Bedeutung.

Nahezu perfekte Charaktere

Die Rolle des Sam ist stimmlich und darstellerisch ideal besetzt. Klaws besitzt eine starke emotionale Ausdruckskraft. Der Zuschauer leidet mit Sam, er versteht seine Beweggründe – und auch, warum er die Welt noch nicht verlassen kann.
Molly steht Sam schauspielerisch in nichts nach. Sie ist jedoch anders als Demi Moore im Film, gibt sich selbstbewusster und stärker.
Absolutes Highlight der Show ist allerdings eine gewisse Oda Mae. Sie ist ein witziger und gleichzeitig äußerst peinlicher Charakter mit leichtem Helfersyndrom. Natürlich lässt sie sich darauf ein, Sam zu helfen. Was denn sonst? Damit hat sie eine heimliche Hauptrolle inne. Denn eigentlich ist sie diejenige, die im Musical der Geschichte eine entscheidende Wendung gibt. Sie droht den anderen Darstellern ständig die Schau zu stehlen. Damit dürfte sie alle Zuschauerherzen auf ihrer Seite haben.

 

Ein Hoch auf die Liebe

›Ghost – Nachricht von Sam‹ ist auf der Bühne brillant umgesetzt. Es gibt viele darstellerische Höhepunkte, wie z. B. die verquer wirkende U-Bahn-Szene, ein in Sekundenschnelle wandelbares Bühnenbild, welches mit Bildprojektionen arbeitet sowie eine ungewöhnlich gut harmonierende Crew.
So kann das Musical als packendes Drama mit berührender Botschaft zusammengefasst werden. Am Ende dürfte aus diesem Grund auch bei den hartgesottenen Zuschauern kein Auge trocken bleiben.

| ANNA NOAH
| FOTOS: STAGE ENTERTAINMENT /Sean Ebsworth Barnes

Titelangaben
Ghost – Nachricht von Sam (Stage Entertainment)
Mit:
Sam Wheat – Alexander Klaws; Molly Jensen – Willemijn Verkaik
Oda Mae Brown – Marion Campbell; Carl Brunner – Andreas Bongard
Krankenhausgeist – Klaus Seiffert; U-Bahn-Geist – Nicolas Christahl

Orchesterleitung: Shay Cohen

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Vom Traum, ein Rebell zu sein

Nächster Artikel

Das Fremde verstehen, mal wieder

Weitere Artikel der Kategorie »Bühne«

Früher war alles besser?!

Live | Bühne: Die ›Ehe unserer Eltern‹ am Badischen Staatstheater Karlsruhe Laubblätter, gezeichnet auf Papier, liegen auf der Bühne. Am rechten Eck der Bühne im Studio steht ein Tisch mit einem Plattenspieler darauf – samt einer Thermoskanne. Eine Frau mit schwarz-gelocktem Haar trocknet Geschirr. Links davon sitzt eine Dame auf einem mit einer Papierhaube modellierten Gipfel. Ein weiterer Mann links davon sortiert Schallplatten, während sich sein weibliches Gegenüber eine Zigarette dreht. Volker erzählt von seinen Erfahrungen mit den 1968er-Jahren. Von JENNIFER WARZECHA

Wenn das Spiel des Lebens zum Lebensspiel wird

Bühne | Der Spieleabend

Theater zum Anfassen, nicht im wörtlichen, aber übergreifend sprichwörtlichen Sinne, das findet sich kurz zusammengefasst im Jakobus-Theater im zentral gelegenen Theaterhaus in der Karlsruher Innenstadt. Auf gleich drei Bühnen bietet sich dem Publikum ein breites und vielfältiges Programm. Im kleinsten Saal des Theaterhauses, gegenüber vom Sandkorn Theater gelegen, haben die Schauspielerinnen und Schauspieler Großes vor. Nicht nur das: Es kommt einfach authentisch und echt rüber. Von JENNIFER WARZECHA

Werte der Aufklärung und des Humanismus neu begreifen

Bühne | ›Iphigenie auf Tauris‹ in Pforzheim

Wie in eine andere Zeit hinein versetzt fühlt man sich an diesem Theaterabend. Das Bühnenbild besteht aus einer schlichten Empore, umrahmt quasi von einem Bodenbelag, der wirkt als handele es sich um Goldplättchen. Auch Iphigenie, die Hauptperson in Johann Wolfgang von Goethes Drama »Iphigenie auf Tauris« (emotional-ausdrucksstark, edel und selbstbewusst: Nika Wanderer), kommt bei ihrem Auftritt im Stadttheater Pforzheim in einem goldenen Kleid (sorgten für eine wohlbedachte und angemessene Kleidung der Künstler und zeigten sich für die Kostüme zuständig: Gera Graf, Annegret Ritzel; Umsetzung Bühnenbild: Sebastian Dierer, Melanie Kalkofen, Frank Gutekunst) daher. Das Gold steht auch für »Goethes sprachschönes Bekenntnis zu Aufklärung und Humanismus«, wie es der Programmflyer ausdrückt. Von JENNIFER WARZECHA

Zwischen Technokratie und Mystizismus

Bühne | Max Frisch: Homo Faber

Der deutsche Ingenieur als Abgesandter Gottes - einigen Autoren der Tageszeitung Die WELT [sic!] zufolge ist dies das Bild des Technikers, das Konzerne suggerieren, um ihren Delegierten (und damit sich selbst) in technokratischen Zeiten eine Allmacht zuzuschreiben. Passenderweise ist das auch die Synthese aus Max Frischs Roman ›Homo faber‹, wobei der Autor dies stattdessen einen Bericht nennt und hier sowohl eine scheiternde Beziehung, unbeabsichtigten Inzest und den Kampf zwischen Mythos und aufklärerischer Technik dialektisch untersucht. Daran schließen auch die Regisseurin Ulrike Arnold und ihre Co-Regisseurin Eli Wasserscheid an, die im Stadttheater Fürth den Roman auf die Bühne gebracht haben. PHILIP J. DINGELDEY hat sich die Premiere am vergangenen Donnerstag angesehen.

Ghostshow

Bühne | Kultur: Corona-Krise=Kulturkrise?

Das Corona-Virus stellt die Welt auf den Kopf und Kulturschaffende vor große Herausforderungen, denn sie können den regulären Betrieb nicht fortführen. Gerade kleinen Privattheatern droht eine Existenzkrise, wenn keine Einnahmen oder Förderungen erfolgen. MONA KAMPE im Gespräch mit den Machern des kleinsten Theaters in Hamburg.