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Das Belfaster Schweigen

Roman | Adrian McKinty: Dirty Cops

Mit seinem »katholischen Bullen« Sean Duffy befindet sich Adrian McKinty (geboren 1968 in Belfast) seit gut einem halben Dutzend Jahren auf der Überholspur. Der Detective Inspector beim Carrickfergus CID lebt inzwischen mit seiner jüngeren Freundin Elizabeth und ihrer gemeinsamen kleinen Tochter Emma zusammen in 113 Coronation Road, einer Adresse, die einem fast schon so vertraut ist wie die Baker Street 221 b. Als sein neuer Fall nicht nur ihn, sondern auch die beiden Menschen, die er am meisten liebt, in Lebensgefahr bringt, steht er vor einer schwierigen Entscheidung. Aber aufzugeben und ein skrupelloses Verbrechen ungesühnt zu lassen, kommt für Duffy natürlich nicht infrage. Von DIETMAR JACOBSEN

Adrian McKinty: Dirty CopsWenn jemand mit einem Pfeil im Rücken tot aufgefunden wird, denkt man nicht nur rund um den Sherwood Forest an Robin Hood. Auch den drei Ermittlern vom Carrickfergus CID kommt dieser Gedanke, als sie vor der Leiche des kürzlich erst zugezogenen Francis Deauville stehen.Der hatte bereits einiges auf dem Kerbholz, als er sich nach Nordirland absetzte und dachte, er könne mit von seiner bulgarischen Ehefrau aus Osteuropa eingeschmuggelten Drogen ein lukratives Geschäft aufziehen. Doch der Markt ist längst unter den »Paras« aufgeteilt und ein Menschenleben im Nordirland der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht eben viel wert.

Auch mit dem sechsten Band rund um seinen »katholischen Bullen« Sean Duffy trifft Adrian McKinty wieder voll ins Schwarze. Von allen Seiten wird dem unkonventionellen Ermittler nahegelegt, den Fall des ermordeten Dealers zu den Akten zu legen. Doch ein Rätsel ungelöst zu lassen, ist nicht Duffys Sache. Und je zäher er an seinen Ermittlungen festhält, desto größer werden auch die Risiken für ihn und seine beiden Mitstreiter. Denn irgendjemandem von Einfluss scheint es ganz und gar nicht zu gefallen, dass Duffys Ermittlungen ihn auf eine Spur bringen, die zurück zu einem zwanzig Jahre alten Verbrechen führt.

Ein zwanzig Jahre ungesühntes Verbrechen

Dirty Cops greift mit seinem ersten Kapitel, in dem Duffy von einem dreiköpfigen Exekutionskommando der IRA durch einen Wald geführt und gezwungen wird, sein eigenes Grab auszuheben, ein wenig vor, sodass der Leser bereits am Romananfang eine Ahnung davon bekommt, in welche Gefahr die Suche nach dem Armbrust-Mörder den Helden schließlich bringen wird. Wenn der Autor nach zwei Romandritteln dann an jene ersten zwanzig Seiten anknüpft, geht die Konfrontation mit dem Tod für Duffy zwar noch einmal glimpflich aus, doch plötzlich ist ihm auch klar, dass er den Fall lösen muss, will er am Ende unversehrt davonkommen. Und weil es inzwischen nicht mehr nur das eigene Leben ist, um das er bangen muss, wenn ihn seine Ermittlungen auf vermintes Gelände führen, sondern er auch Verantwortung trägt für seine bei ihm lebende Freundin Elizabeth und ihre gemeinsame kleine Tochter, ist Aufgeben für ihn keine Option.

Also wühlen sie weiter, Sean Duffy, John McCrabban und Lawson, der jüngste des dreiköpfigen Teams.Und allmählich schält sich aus vielen einzelnen Spuren ein Verdacht heraus, der zunächst so verrückt erscheint, dass ihn keiner der Ermittler wirklich ernst zu nehmen bereit ist. Kann es tatsächlich sein, dass man nicht nur dabei ist, einen Doppelmord aufzudecken, den drei Hilfspolizisten im Jahr 1968 an einer Straßensperre begingen, sondern dass einer dieser drei danach eine Karriere startete, die ihn nicht nur für die einen nahezu unangreifbar, sondern für andere im gleichen Maße auch erpressbar machte? Mit einer geschickt gestellten Falle soll endgültig Klarheit geschaffen und das berühmte »Belfaster Schweigen« – »Was immer du sagst, sag nichts.« – durchbrochen werden.

Karrieristen, Verräter und

Adrien McKinty hat 2012 eine Buchreihe gestartet, die von Roman zu Roman besser wurde und auch nach inzwischen sechs Bänden nicht ausgeschrieben ist. Denn mag es Sean Duffy mit Freundin und Kind am Ende von Dirty Cops auch der gemeinsamen Sicherheit wegen nach Schottland ziehen, als »katholischer Bulle« in Nordirland wird er seinen Job wohl doch nicht sofort an den Nagel hängen. Zu kurz ist außerdem der Weg über den North Channel, um ihn nicht bis zur dereinstigen Pensionierung immer wieder anzutreten.

Und das nicht zuletzt, weil eines für Duffy glasklar ist: »Wenn man schon auf sich schießen lassen muss, dann ist Belfast der beste Ort dafür.« Warum das so ist? Auf Seite 378 findet sich die Antwort. Die übrigens nicht so raffiniert versteckt ist wie die vielen kleinen Anspielungen auf David Lynch, Raymond Chandler und andere, deren Entdeckung der Lektüre dieses Romans noch einmal einen ganz besonderen Kick gibt.

| DIETMAR JACOBSEN

Titelangaben
Adrian McKinty: Dirty Cops
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Berlin: Suhrkamp Verlag 2018
392 Seiten. 14,95 Euro
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Reinschauen
| Leseprobe
| Dietmar Jacobsen über Adrian McKinty in TITEL kulturmagazin

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