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Ein Hoffnungsträger der deutschen Kunst

Ausstellung | Paris im Sinn – Hommage an den Hamburger Franz Nölken

Wie August Macke und Franz Marc gehörte der Hamburger Maler Franz Nölken nach 1905 zu den Hoffnungsträgern der deutschen Kunst, aber alle drei Künstler fielen im Ersten Weltkrieg und konnten ihr Werk nicht vollenden. Während aber die beiden Mitglieder des ›Blauen Reiters‹ mit ihren farbintensiven expressionistischen Bildern hierzulande zu den populärsten Künstlern überhaupt gehören, war das Nölken nicht vergönnt, sondern er ist bis heute eher ein Geheimtipp von Kennern geblieben. PETER ENGEL hat sich die wichtige Ausstellung zum Werk Franz Nölkens im Barlach-Haus in Hamburg angesehen.

Noelken HamburgDas könnte sich jetzt mit der Ausstellung ›Paris im Sinn‹ im Hamburger Barlach Haus ändern, einer Hommage an den Maler, der vor hundert Jahren, wenige Tage vor Ende des Krieges, durch einen Granatsplitter in der Nähe von La Capelle tödlich verwundet wurde. Mit der Überblicksschau von rund 70 Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken aus der Zeit von 1904 bis 1916 wird ein Maler wieder vorgestellt, der zu den großen Talenten der Klassischen Moderne zählt.

Der 1884 als Sohn eines Lehrers in Hamburg geborene Nölken zeigte schon von früh auf seine künstlerische und musikalische Begabung, nahm mit 15 Jahren erste Zeichenkurse und besuchte auf Empfehlung des Hamburger Kunsthallendirektors Alfred Lichtwark von 1900 an die private Malschule des bedeutenden Landschaftsmalers Arthur Siebelist. Der erst knapp Zwanzigjährige lässt mit virtuosen Werken die Kunstwelt aufhorchen, wird Mitglied des angesehenen Hamburgischen Künstlerclubs, hat erste Ausstellungserfolge und wird von der Dresdner Künstlergruppe ›Brücke‹ eingeladen, der Weg zum großen Durchbruch scheint vorgezeichnet.

Aber der frühreife Nölken hat seinen eigenen Kopf, ist von der Malweise der ›Brücke‹-Mitglieder Pechstein, Kirchner oder Heckel eher abgestoßen und erst recht von einem »grobdrähtigen Naturalismus«, wie er es formuliert. Vor einer sich abzeichnenden Schaffenskrise flieht der Künstler 1907 nach Paris, orientiert sich dort mit Malerfreunden neu, entdeckt für sich die Post- und Neo-Impressionisten, die Nabis und die Fauves, nimmt die aktuelle französische Malerei produktiv und als Gegengewicht zu den heimatlichen Tendenzen auf. Diesem ersten Studienaufenthalt in der Zentrale der damaligen Avantgarde folgen zwei weitere Besuche in den Jahren 1909/10 und 1914 und sie wirken jedes Mal wie eine Art Frischzellenkur.

Am wichtigsten wurde für Nölken der zweite Aufenthalt in Paris, als er noch einmal regelrecht als Schüler in die Akademie des Kunsterneuerers Henri Matisse eintrat, dem es vor allem um die innerbildliche harmonische Ausgewogenheit von Farben und Formen ging. Nölken profitierte dort für die kompositorische Balance seiner Bilder und erntete auch das Lob des Meisters. Den Matisse-Einfluss verarbeitete der Maler dann in seinen nach 1910 entstandenen Werken, die den Höhepunkt in seinem Schaffen markieren, auf ganz eigene Weise.

In der Hamburger Ausstellung kann man Nölkens Entwicklung von den schon meisterlichen Porträts um 1905, so dem Bildnis seines wichtigsten Förderers Ernst Rump, über in Frankreich entstandene Motive wie eine Flusslandschaft und das Porträt seiner Geliebten Jeanne bis hin zu den reifen Selbstbildnissen der Spätphase gut verfolgen. Der Maler hat auch die große Hamburger Malerin Anita Rée eindrucksvoll porträtiert, mit der ihn mehr als nur eine Ateliergemeinschaft verband.

Franz Nölken: Flusslandschaft in Frankreich (Brücke bei Meulan), 1909 Öl auf Leinwand Galerie Herold, Hamburg / Sylt Foto: Galerie Herold
Franz Nölken: Flusslandschaft in Frankreich (Brücke bei Meulan), 1909
Öl auf Leinwand
Galerie Herold, Hamburg / Sylt
Foto: Galerie Herold

Weitere Schwerpunkte seines Schaffens sind die diversen weiblichen Akte in den erstaunlichsten Stellungen und Bilder von jungen Mädchen, die in ihrem tänzerischen Gestus mitunter an Degas gemahnen. Wie genau sich seine Malerei entwickelt hätte, wenn er den ersten großen Weltbrand überlebt hätte, muss ein offenes Geheimnis bleiben, dass sich sein Schaffen aber auf der Basis einer gesicherten Meisterschaft fortgesetzt hätte, dessen kann man gewiss sein.

| PETER ENGEL
| Titelabbildung: Franz Nölken: Selbstbildnis, 1916; Aquarell über brauner Feder; Hamburger Kunsthalle; Foto: Christoph Irrgang

Ausstellungsangaben
Paris im Sinn
Hommage an den Hamburger Franz Nölken (1884 – 1918)
Ernst Barlach Haus Hamburg
Bis zum 17. Februar 2019
Di – So 11.00 – 18.00
Eintritt 7 Euro, erm. 5 Euro

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