/

Zauberhafte Schattenspiele

Bühne | Show: Moving Shadows

Nachdem das Schattenspiel in den vergangenen Jahren eine Wiederbelebung erfahren hat, erfreut sich die deutsche Produktion der Theatergruppe ›Die Mobilés‹ – Gewinner der französischen Ausgabe von »Das Supertalent« – einer großen Beliebtheit. Mit ihrer ästhetisch-poetischen Schatten-Reise erobert die Gruppe jetzt nach und nach die deutschen Bühnen. ANNA NOAH achtet auf die Details zwischen den Bildern.

Alles fließt

Das Spiel mit Licht und Schatten funktioniert – dafür sorgen Harald Fuß, Michaela Köhler-Schaer und Stefan Südkamp. Alle sind beruflich eng mit dem Theater verbunden und realisieren bereits seit den 80er-Jahren Theaterproduktionen, Unternehmenstheater und Szenographien. Sie stehen oder standen selbst als Schauspieler auf der Bühne und setzen ihre Ideen als Konzeptioner, Autoren und Regisseure leidenschaftlich um.

Schattentheater

Die aktiven Darsteller sind Profis aus allen Genres – Schauspieler, Opernsänger, Tänzer und Kabarettisten. Einige Konzepte sind im ureigenen Mobilé-Stil emotional mitreißend und nachhaltig. Es soll begeistern, unterhalten, aber auch bewegen. Verhalten reflektieren, Perspektivenwechsel und viel eigenes Kopfkino sind erwünscht.

Die Wurzeln des Schattentheaters liegen in den Genen der Menschheit, vor über 2000 Jahren beschrieb es Platon bereits in seinem Höhlengleichnis. In China gibt es seit Jahrtausenden eine Variante mit beweglichen Figuren hinter einer transparenten Folie. Auch die Filmindustrie macht sich Schatten für den Spannungsaufbau (Nosferatu, 1922) oder bei den neueren James Bond Openings zu nutze.

Acht Menschen, eine Leinwand, Licht und Musik

Die Ensemblemitglieder von »Moving Shadows« müssen mehr als ein besonderes Talent aufweisen. Sie sind Tänzer, Bewegungskünstler und zugleich hochrangige Artisten. Denn in ihren Darbietungen sieht es so aus, als bewegen sie sich mit Präzision und lassen die Bilder mit Leichtigkeit entstehen. Unterstützt werden sie in dabei von passender Musik, die einen fesselnden Bilderreigen voller Assoziationen und Emotionen weckt. Durch dieses Zusammenspiel werden verblüffende Illusionen geschaffen.

Acht Menschen, eine Leinwand, Licht und Musik – mehr braucht es nicht für die Reise rund um den Globus. Mit detailreichen Bildern, die manchmal an Scherenschnitte erinnern, beleben die Artisten, Tänzer und Pantomimen die Fantasie des Publikums. »Die Mobilés« kreieren einen Bilderreigen aus fließenden Bewegungen, sie wirbeln erst temperamentvoll ins Licht, um dann wieder in der geheimnisvollen Tiefe des Raumes zu verschwinden. Hinter der Leinwand wereden ihre Körper zu Landschaften, Tieren und Gebäuden, davor verzaubern sie als Schatten ihr Publikum.
Alles wirkt, wie ein Spiel.

Ausdrucksstarke Bilder für die Sinne

Es ist nicht nur irgendeine Schattenwand … sie ist bunt und interagiert sogar mit den Darstellern. So erweckt das Ensemble ihre magischen Welten zum Leben. Viele kleine Geschichten wurden mit viel Freude seitens der Darsteller zu einer großen verwoben. Die Motive wechselten leider ziemlich schnell, aber durch den ästhetischen Fluss der Bewegungen, bunte Farben und Detailreichtum kam der Zuschauer aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Als Folge dessen scheint das artistische Schattenspiel neue Maßstäbe in Körpersprache und Ausdruck zu setzen.

Die Körper der Darsteller verschmolzen vor den Augen des Publikums zu Tieren, Bauwerken und Bäumen. Die Haare der Darsteller bildeten Federn oder sogar Baumkronen.
In Paris endete die Weltreise bei einem Liebespaar und man verfolgte das Leben der beiden bis zum ersten Kind. Danach gab es Szenen berühmter Filme und ein paar lustige Seitenhiebe, auch auf den Berliner Flughafen.

Die gezeigten Schattenbilder sahen nicht nur ziemlich wirklichkeitsgetreu aus, sie animierten vor allem die jüngeren Gäste zum Mitraten, was gerade dargestellt wurde. Verfeinert mit landestypischen Tänzen und passender Musik hielt das Programm, was es versprach – einen gelungenen Ausflug in die Phantasie eines jeden Besuchers.
›Moving Shadows‹ lohnt sich von der ersten Minute bis zum fulminanten Finale.

| ANNA NOAH
| ABBILDUNGEN: Mobilé Theater

Showangaben
Moving Shadows (Magnetic Music)
Regie: Harald Fuß
Performer: Verschiedene

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Wünsche, Wölfe, Wunder

Nächster Artikel

Frische Frauenpower mit Sektwelle

Neu in »Bühne«

Finnland und die orchestrale Musik – ein Herbstmärchen

Live | Musik: Stratovarius & Tarja Turunen: A Nordic Symphony Die einen umjubelt von der »Symphonic Metal Scene« in Finnland und die andere dank ihrer Ära bei ›Nightwish‹ eine international bekannte Metal-Sopranistin. Bei der gemeinsamen Tour von Stratovarius und Tarja Turunen darf man sich auf etliche Überraschungen freuen. Zusammen haben sie mit ihrem Mix aus progressivem Metal kombiniert mit eingängigen Melodien ein ganz eigenes Genre geprägt. ANNA NOAH freut sich über einen geglückten Auftritt. PDF erstellen

Dit is Berlin

Bühne | Kabarett: 31. Geburtstag der Berliner Kabarett Anstalt Es war ein bunter Eindruck ihres Gesamtprogramms, was die ›Berliner Kabarett Anstalt‹, kurz BKA, zu ihrem 31. Geburtstag in Form kurzer Szenen-Einblicke auf die Beine – und Bühne – stellte. ANNA NOAH über eine vielseitige und interessante Revue. PDF erstellen

»I will follow me«

Bühne | ›Ladies first‹ am Badischen Staatstheater Erst ein paar Tage sind die Feierlichkeiten rund um den Internationalen Frauentag vorbei. »100 Jahre Frauenwahlrecht« neben 70 Jahren Grundrechten in Deutschland sind ein Grund zum Feiern. Das dachte sich auch Otto A. Thoß, welcher zuständig für das Ensemble der Oper ist. Er inszenierte ›Ladies first. Ein musikalischer Abend mit 56 Frauen‹, einer Produktion von Volkstheater und Jungem Staatstheater Karlsruhe, am Badischen Staatstheater. JENNIFER WARZECHA war dabei PDF erstellen

Zurück in die 80er

Bühne | Musical: Rock of Ages ›Rock of Ages‹ ist laut, nostalgisch und frech. Welches Kind der 80er Jahre hätte jemals gedacht, dass dieser Zeit einmal ein musikalisches Denkmal gesetzt wird? Wer hätte sich träumen lassen, dass eine handylose Ära tatsächlich eine reizvolle Zeit war? ANNA NOAH fragt sich, ob die gezeigte Sehnsucht real ist. PDF erstellen

Ein Traum wird zur Tanzrealität

Bühne | Show: Breaking Salsa In der Verti Music Hall wirbelten bei »Breaking Salsa« neben Kim Wojtera nicht nur Weltklassetänzer aus acht Ländern über die Bühne, sondern es gab auch den Weltmeister im Popping und den Grammy-Gewinner Nené Vasquez und das Mingaco Orchestra live zu erleben. Nach »Flying Bach« und neben »Break the Tango« ist das nun die dritte Verschmelzung zweier völlig unterschiedlicher Tanzrichtungen. ANNA NOAH schlendert durch die Träume der Darsteller. PDF erstellen