Ein außerordentlicher Landschaftsmaler

in Ausstellung

Ausstellung | Heinrich Reinhold in Hamburg

Seine Ölskizzen vom Felsennest Olevano unweit Roms und seine Bilder vom Watzmann-Massiv gehören zum Schönsten, was die deutsche Landschaftsmalerei hervorgebracht hat. Der viel zu früh verstorbene Heinrich Reinhold (1788-1825) ist von mitlebenden Künstlern wie Ludwig Richter oder Julius Schnorr von Carolsfeld in den höchsten Tönen gepriesen worden und galt ihnen als der begabteste ihrer Zunft. Von PETER ENGEL

Heutige Kenner pflichten ihnen bei, und Reinhold muss auch nicht etwa neu entdeckt werden, denn er ist eine feste Größe in der spätromantischen Kunst, aber dem großen Publikum dürfte er noch nicht sehr vertraut sein. Das kann sich ändern, denn die Hamburger Kunsthalle stellt den Landschaftsmaler jetzt in einer Retrospektive mit über 120 Werken umfassend vor.

Das Haus folgt damit einer Tradition, die durch den früheren Kunsthallendirektor Werner Hofmann mit seiner Reihe ›Kunst um 1800‹ begründet wurde und in den letzten Jahren mit großen Präsentationen des Schaffens von Jakob Philipp Hackert, Johann Christian Reinhart und Franz Ludwig Catel ihre eindrucksvolle Fortsetzung fand. Hamburg ist für eine aktuelle Würdigung der neuartigen Landschaftsmalerei von Heinrich Reinhold prädestiniert, denn die Kunsthalle verfügt über den größten Bestand an Ölskizzen und Zeichnungen des Meisters. Fast ebenso bedeutend sind die Werke aus dem Besitz der Klassik Stiftung Weimar, und so war es nur folgerichtig, dass die beiden Institute ihre Bilder für die große Übersichtsschau vereinigten.

Die besondere künstlerische Leistung Heinrich Reinholds sind seine leuchtend klaren Ölskizzen auf Papier. Diese vergleichsweise kleinformatigen Arbeiten entstanden direkt vor der Natur und sind trotz ihres spontanen Charakters vollgültige Werke, obwohl sie zunächst nur als Notate für spätere Gemälde gedacht waren. Zu solchen Ausführungen im Atelier kam es jedoch durchweg nicht, weil dem Maler zu wenig Schaffenszeit vergönnt war.

Während seiner römischen Jahre von Ende 1819 bis zu seinem frühen Tode am 15. Januar 1825, die den Höhepunkt seines Schaffens markieren, war Reinhold so unermüdlich tätig wie wenige und verbrachte nach dem Zeugnis seiner Malerkollegen ganze Tage vor den häufig ungewöhnlichen Landschaftsausschnitten, die ihn zur Darstellung reizten. Seine dabei entstandenen Bleistiftzeichnungen stehen im künstlerischen Rang den Ölskizzen nicht nach, sind von größter Feinheit und Präzision, ja von einer geradezu kristallinen Qualität. Auf den wunderbaren Blättern sind häufig genaue Angaben über die Farbwerte einzelner Landschaftselemente notiert, was sie eben auch als Vorstudien für spätere Ausführungen in Ölfarben ausweist.

Heinrich Reinhold wurde in Gera in eine Malerfamilie hineingeboren und empfing seine erste Ausbildung vom Vater, auch sein malender älteren Halbbruder Friedrich Philipp spielte eine wichtige Rolle in seiner Entwicklung. Nachdem er zunächst an der Dresdner Akademie studiert hatte, besuchte Heinrich Reinhold von 1806 an die Kunstakademie in Wien. Dort fiel er Dominique Vivant Denon auf, dem Generaldirektor des Musée Napoléon in Paris, der ihm die Mitwirkung an dem Werk ›Campagnes de Napoléon‹ anbot, der druckgraphischen Verherrlichung der napoleonischen Feldzüge. Reinhold ging für fast fünf Jahre in die französische Hauptstadt und radierte teils vielfigurige Platten nach fremden Vorlagen. Die anstrengende Arbeit, die bei ihm zu Augenentzündungen führte, war dennoch wegen der erforderlichen Präzision des Striches eine gute Vorschule für seine künftige exzellente Zeichenkunst.

Von Anfang an aber wollte sich der Künstler eigentlich der Landschaftsmalerei widmen. Nach der Pariser Zeit ging er nach Wien zurück und unternahm von dort aus mit befreundeten Malern Reisen etwa ins Berchtesgadener Land und zum Großglockner. Dabei erschloss er sich die Hochgebirgslandschaften und legte in vielen Skizzen die Grundlage für seine spätere Meisterschaft. Erste bedeutende Höhepunkte in seinem Schaffen wurden mehrere Bilder vom majestätischen Watzmann.

Heinrich Reinhold (1788–1825) Nach dem Sturm, 1819 Öl auf Holz, 330 x 410 mm © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford
Heinrich Reinhold (1788–1825)
Nach dem Sturm, 1819
Öl auf Holz, 330 x 410 mm
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Foto: Elke Walford

Zur vollen Entfaltung seiner Kunst kam Heinrich Reinhold dann aber erst in Italien, dem Sehnsuchtsland der deutschen Maler und Dichter. Dort schuf er seine neu gesehenen Landschaftsbilder in der Umgebung Roms und bei Reisen nach Neapel und Sizilien. Die wohl schönsten Kompositionen aber gelangen dem Maler in dem 50 Kilometer östlich von Rom gelegenen Bergdorf Olevano, das ihn mit seinen kompakten Gebäudegruppen, der mittelalterlichen Burg oder dem Eichenhain der Serpentara zu seinen innovativen Darstellungen immer wieder neu inspirierte.

| PETER ENGEL
| Titelfoto: Heinrich Reinhold (1788–1825)
Der Watzmann, 1818
Öl auf Vergépapier, 300 x 429 mm
Kupferstichkabinett, Staatliche
Museen zu Berlin
© bpk / Kupferstichkabinett, SMB
Foto: Jörg P. Anders

Titelangaben
Heinrich Reinhold – Der Landschaft auf der Spur
Bis zum 10. März 2019
Hamburger Kunsthalle, Hubertus-Wald-Forum
Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg
Öffnungszeiten: Di. – So. 10.00 – 18.00 Uhr, Do. 10.00 – 21.00 Uhr, Mo. geschlossen.

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