Folkdays … Vorfahren-Ortung von Lindi Ortega

Musik | Lindi Ortega: Liberty

Migration und Kultur. Ich habe als Künstlerin und Autorin die kulturellen Veröffentlichungen und die künstlerische Situation internationaler Kulturschaffender auf dem Schreibtisch und in unseren Kulturzentren und Kunsttempeln. Auch in Liedern spiegeln sich Grenzsituationen wider. Von TINA KAROLINA STAUNER

Und in manchem familiären und musikalischen Stammbaum. Dort geht es mehr um die persönlichen Innenwelten von Menschen und nicht nur um politische Außenwelten. Die Songwriterin Lindi Ortega kennt in sich den Süden und den Norden. Hat in Zentralamerika und Nordwesteuropa Verwandte, lebte in den Südstaaten der USA und wohnt jetzt in Kanada.

Es gab in der Geschichte immer wieder Diskussionen über die Grenzlagen zwischen Süden und Norden, Westen und Osten. Und die derzeitige Migrationspolitik wird kontrovers diskutiert. ›Focus online‹ meldet am 16.12.18: »Die Flüchtlingskrise beschäftigt Politiker und Gesellschaft in Deutschland seit 2015 und ist immer wieder Mittelpunkt von Diskussionen. Auch europaweit ist das Thema beherrschend. Malta hat zuletzt ein Fischerboot mit 11 Flüchtlingen aufgenommen.« Für das Jahr 2018 rechnet die Bundesregierung mit 166 000 Asylanträgen. Auch das Flüchtlingsprogramm der USA wird diskutiert. ›Zeit online‹ veröffentlichte am 18.09.18, dass 30.000 Flüchtlinge im Jahr 2019 in den USA aufgenommen werden sollen. Man kann zu Fragen der Migration geteilter Meinung sein.

Künstlerische und familiäre Wurzeln

Schwerlastige Sätze künden ›Liberty‹ von Lindi Ortega an. Sie möchte, dass dieses Album den Menschen durch die Dunkelheit hilft. Und Cineastisches ist großspurig gleich mit angesagt. Über schwere Zeiten und Düsternis der Vergangenheit: »Wenn man dunkle Erfahrungen gemacht hat, kann man immer gut durch die Erinnerungen daran weiter schreiben. Man vergisst sie nie. Man kann es nicht ausradieren – Ich will es gar nicht ausradieren, da es mich zu der macht, die ich heute bin«, teilt Ortega mit. Die auch »Indie Lindi« genannte Musikerin ist derzeit Kanadierin, war vom Süden in den Norden gezogen, von Nashville nach Toronto, und travelt mit ihren Shows quer durch die Staaten. Dabei sind mittlerweile sieben Alben entstanden.

Ortegas Stilmischung aus Country, Folk, Rock, Jazz, Vaudeville mit flatterhaften und traditionalistischen Facetten lassen ihren von sich eingenommenen Songwriter-Charakter erscheinen. Lindi Ortega bezieht sich mit ihrem neuen Album auf Mexiko und Irland, wo sie ihre Vorfahren hat. Familiäre Wurzeln und musikalische Verwandtschaften sind ihr wichtig. Die Musik von Ennio Morricone hatte starke Wirkung auf die Entwicklung von ›Liberty‹. Und zu favorisierten Songs von Ortega zählen Stücke von Dolly Parton, Linda Ronstedt, Willie Nelson. In der Fokussierung Südamerikas stellt die Liedermacherin auch eine Songadaption von Violeta Parra aus Chile vor. Der Nashville-Produzent Skylar Wilson arbeitete am Album mit, der schon Sound wie den bei Justin Townes Earle mitprägte.

Als Gemeinsamkeiten der beiden findet sich das Cineasteninteresse an Filmen von Quentin Tarantino. Lebenserfahrung, Lebensgeschichte und Kino sind Stoff für Songwriting wie oft: »…As the narrative unfolds in this concept album, a central character emerges – one who finally sheds the darkness of her past and emerges into the light. As melodies and tempos change throughout Liberty, her journey carries her steadily forward. …«

| TINA KAROLINA STAUNER

Titelangaben
Lindi Ortega: Liberty
Shadowbox Music (Membran)

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