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Comic | Wallace Wood Bd.1 / Hombre Bd.1

Beim All-Verlag geht der Comic als Zeitmaschine in Serie. Zum Beispiel in Form der ersten beiden Bände der Endzeitabenteuerreihe ›Hombre‹ von Segura und Ortiz und der EC-Archiv-Reihe, die sämtliche Sci-Fi- und Fantasy-Storys von Wally Wood kompiliert. Beide sind auf drei Bände angelegt. Der eine führt in eine retrofuturistische Zukunft, der andere in eine knüppelharte Endzeit – und beide kommen gut an. CHRISTIAN NEUBERT hat nachgesehen.

EC Archiv Wallywood Das Medium Comic eignet sich hervorragend, um neue Welten zu erschließen. Der in Wipperfürth ansässige All-Verlag empfiehlt sich dabei als zuverlässiger Reiseleiter. Abenteuerliches und Heldenhaftes aus vergangenen Comic-Dekaden bestimmt sein Programm. Im letzten Winter begann er u.a. mit der Herausgabe einer Wally Wood-Anthologie, die sämtliche Sci-Fi- und Fantasy-Comics kompiliert, die der vielfach prämierte, 1981 verstorbene Künstler für den EC-Verlag schuf. Und mit der Veröffentlichung von Antonio Seguras und José Ortiz in den Achtzigern geschaffenen Endzeitsaga ›Hombre‹. Beide Editionen sind auf drei Bände angelegt.

Es ging um unkomplizierte, schnelle Unterhaltung. Das im Verlagsnamen formulierte Credo wirkt durchaus noch heute, wenn man die Comics fast 70 Jahre nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung liest.

Wallace »Wally« Wood ist heute in erster Linie für sein Engagement beim ›MAD Magazin‹ und bei Marvel Comics berühmt. Oder für seine Karikatur ›Disneyland Memorial Orgy‹. Die kompilierten Storys stammen aus der Zeit davor – aus jener Ära vor dem Comics Code, in der er gemeinsam mit Harry Harrison ein eigenes Studio betrieb und Comics an den Verlag EC verkaufte.

Wally Woods Weird Sciene & Fantasy

Schon der erste Band der Reihe, die sämtliche Storys kompiliert, die er für die EC-Serien ›Weird Science‹ und ›Weird Fantasy‹ schuf, bezeugt sein Talent als präziser Zeichner, der viel Wert auf Expressivität, realistische Detailfülle und dynamische Seitenlayouts legt. Seine kosmischen Bilderwelten verweisen zwar unverkennbar in die fünfziger Jahre, sind aber definitiv ein zeitloses Vergnügen – und nicht umsonst oft kopiert.

Wallywood Leseprobe

Die Storys selbst punkten heute, fast 70 Jahre nach ihrer Entstehung gelesen, mit Retrofuturismus zwischen Kampf der Welten, Raumpatrouille Orion und Googie-Design. Sie hören auf Titel wie ›Die Eindringlinge‹, ›Das Meteor-Monster‹, ›Brut des Mars‹ und ›Die Dunkle Seite des Mondes‹, setzen auf fantasievolle, opulent gestaltete Dekors und erobern die Weiten des Weltalls mit einer naiven Verquickung aus Technikbegeisterung, Fortschrittsglaube, Pioniergeist – und schierer Not. Sie zeigen Forschungslabore und Provinznester als Ausgangspunkt oder Ziel von Zeitreisen oder Alien-Invasionen und das Universum als Schauplatz eskalierender Konflikte, in dem Außerirdische und Menschen gleichermaßen dem Menschen ein Wolf sind.

Nun steht EC ja für ›Entertaining Comics‹. Es ging um unkomplizierte, schnelle Unterhaltung. Das im Verlagsnamen formulierte Credo wirkt durchaus noch heute, wenn man die Comics fast 70 Jahre nach ihrer ursprünglichen Veröffentlichung liest. Wobei der Spaß an der Sache allerdings vorwiegend von Nostalgie genährt wird.

Klar, Woods Bilderwelten beeindrucken nach wie vor. Die Erzählweise der Heftchen-Geschichten ist hingegen antiquiert. Die Sci-Fi-Kabinettstückchen mussten schnell in Fahrt kommen, unmittelbar zünden und sich per Plot Twist auflösen. Damals war das der Clou schlechthin – das große Ding innerhalb des »New Trends«, der die Goldene Ära von EC markierte.

Das Schema F macht die Storys sehr durchschaubar. Zudem geraten sie aufgrund der wenigen Seiten, die ihnen zur Verfügung stehen, zwangsläufig recht schwafelig. Zumal die Autoren sich gezwungen sahen, den Lesenden in den wenigen Panels auch noch Details über Antriebstechnologien o.Ä. mitzugeben. Aber hey: Das waren die Fünfziger. Der Mond war damals deutlich weiter entfernt als einen großen Sprung für die Menschheit. Seltsam? Aber so steht es geschrieben …

Ab ins All? Erst mal ne Kippe!

Hombre Bei wem es beim letzten Satz klingelt, wird die Anthologie mit einem Strahlen quittieren. Alle anderen, die den eben zitierten Bastei-Gespenster-Spuk mit einem ahnungslosen Schulterzucken abtun, dürfen große Comic-Kunst im Zeichen wahren Heftchen-Schunds erwarten – nicht mehr und nicht weniger. Der Nostalgiefaktor überwiegt dabei das Guilty Pleasure-Feeling. Zumal an Bord von Wally Woods Weltall-Exzessen noch geraucht werden darf.

Was derweil in Antonio Seguras und José Ortiz‘ Endzeitsaga ›Hombre‹ geraucht wird? Starker Tobak. Zum Glück mangelt es seinem namenlosen, eben einfach nur ›Hombre‹ genannten Helden trotzdem nicht an Zigarren, wenn er in der Postapokalypse schon alles andere entbehren muss.

Hombre

›Hombre‹ ist wie der einsame Fremde eines Leone-Westerns, dessen Prärie die kaputte Erde einer unbestimmten, durch eine ökologische Katastrophe hervorgerufenen Endzeit ist – nur noch mal härter, gezwungenermaßen. Er ist ein Zyniker in einer erbarmungslosen Welt, ein eiskalter Schmied seines individuellen Glücks, das hier wenig mehr ist als die vorübergehende Abwesenheit von Hunger und Schmerz.

Die Entbehrungen, die er und andere Überlebende durchleben, macht die von Cerveras erdachte und von Ortiz gezeichnete Endzeit-Abenteuerreihe unmittelbar deutlich – auch, wenn ihre Figuren in der Regel sportlich und wohlgenährt erscheinen. Die Comicserie ist knüppelhart, sein Protagonist mindestens zweifelhaft. Seine Abenteuer sind Überlebenskämpfe, getrieben von Hunger und Rache, geführt gegen verfeindete Banden und andere Hungrige.

Obwohl eigentlich Einzelgänger, zieht Hombre immer wieder in Gruppen durch die verwüstete Landschaft. Dabei sind es gerade die anderen Figuren, die seinen einzelnen Endzeitgeschichten Drive und die Tiefe verleihen – und, je nach Geschlecht, ihre Brüste vorführen. Hombre ist bei all dem einfach der abgebrühte Kerl, der stoisch dreinschaut, cool bleibt – und das Notwendige tut.

Hombre Leseprobe

Die ›Hombre‹-Reihe ist gut erzählte, schonungslose Genre-Kost. Die Schauwerte, die sie ausstellt, zeigen eine postapokalyptische Welt, die zwar auf Action fixiert ist, aber mehr bietet als einfach nur einen Schauplatz. Die realistischen Zeichnungen behaupten sich im Regal neben den Werken Hermanns – und lassen eine glaubhafte Dystopie zutage treten, die es so besser nie geben wird. ›Hombre‹ gibt es beim All-Verlag indessen bald komplett.

| CHRISTIAN NEUBERT

Titelangaben
EC Archiv – Wally Wood Bd.1
Wipperfürth: All-Comics 2018
160 Seiten, 29,80 Euro
| Leseprobe
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Antonio Segura (Zeichnungen) / Jose Ortiz (Text): Hombre Bd. 1
Wipperfürth: All-Comics 2018
200 Seiten, 34,80 Euro
| Leseprobe
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