Irgendwo dazwischen

Sabine Lemire und Rasmus Bregnhøi: Mira – #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens

Mira ist ein Einzelkind mit einer besten Freundin, einem besten Freund und einer alleinerziehenden Mutter. Aber irgendwann wird alles schwierig, findet Mira. ANDREA WANNER stimmt ihr zu.

MiraDer Zeitraum ist ein Klassiker: Mira berichtet über genau ein Jahr in ihrem Leben. Start- und Endpunkt sind auch nicht willkürlich gewählt. Mira beginnt mit der Schilderung ihres Lebens an Silvester und endet genau ein Jahr später, wieder am letzten Tag des Jahres. Was dazwischen liegt, füllt ein wirklich geniales Buch über den schwierigen Übergang von der Kindheit in – ja, in was eigentlich?

Konstanten sind wichtig im Leben von Heranwachsenden. Miras Mutter, die sich ständig in neue Männer verliebt, ist da nicht so schrecklich zuverlässig, sondern oft schlicht mit sich selbst beschäftigt. Die Oma ist prima, aber nicht permanent verfügbar. Also hat Mira eine tolle, beste Freundin: Karla. Karla ist immer für Mira da. Und umgekehrt.

Die beiden gehen zusammen durch dick und dünn, teilen alles, sind einfach beste Freundinnen. Bis Beate auftaucht. Die Neue in der Klasse hat einen Cousin, der schon in die 5. Geht. Wow. Karla ist beeindruckt. Beate interessiert sich für Mode. Und Jungs. Und ist den anderen um eine Nasenlänge voraus. Davon ist Karla so begeistert, dass sie Beates Fan wird und dann ihre Freundin. Das geht auf Kosten von Mira.

Dafür hat Mira ja noch Louis. Louis ist zwar ein Junge, trotzdem hat Mira jede Menge Spaß, wenn sie mit ihm spielt. Ihre Fantasie ist grenzenlos. Sie basteln, verlieren sich in Rollenspielen, toben drinnen oder draußen. Mit Louis ist es nie langweilig. Aber wenn Mira in den Club der Verliebten will, muss Louis eine andere Rolle bekommen. Statt miteinander befreundet zu sein, müssen sie »miteinander gehen«. Was tut man nicht alles …

Sabine Lemire und Rasmus Bregnhøi lassen Mira ihre Geschichte als Graphic Novel erzählen. Man darf es auch Comic nennen, allerdings ist es wirklich ein Buch, das einen Platz im Regal verdient. Mira mit ihren blonden Haaren und den großen braunen Kulleraugen ist durchaus ambitioniert. Bloggerin will sie mal werden. Und schon jetzt versieht sie ihr Leben mit Hashtags: #freunde, verliebt und #einjahrmeineslebens stehen auf dem Cover über der ganzen Geschichte.

Ergänzt wird es nach Miras Geburtstag, an dem sie endlich den ersehnten Fotoapparat bekommt durch Bilder mit Hashtags wie #louis&mira, #pärchentag, aber auch #omatag und #dieklügstefrauderwelt, #immerfürmichda oder #meinzimmer und #überglücklich nach einem Ikeabesuch.

Das Leben wird nicht einfacher, wenn man der Pubertät näherkommt. Dafür die richtigen Worte und Bilder zu finden, ist auch nicht einfach. Gern wird so was sehr bemüht und peinlich. All diese Klippen umschifft diese dänische Geschichte, die mit frischem Witz all das anspricht, was jungen Mädchen auf dem Herzen liegt. Mira ist eine wunderbare Heldin, selbstbewusst, verletzlich, neugierig und mitfühlend. Sie hat das Herz auf dem rechten Fleck und geht ihren Weg – auch wenn da manchmal Steine zum Stolpern liegen.

Für alle, die schon ahnen, dass die Geschichte mit ihrem Vater, den sie nicht kennt, weil er ihre Mama schon vor Miras Geburt verlassen hat, zu keinem Ende kommt und da noch was offen ist, sei auch gleich verraten, dass es bereits einen 2. Band gibt: ›Mira – #freunde #papa #wasfüreinsommer‹.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Sabine Lemire und Rasmus Bregnhøi: Mira – #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens
Aus dem Dänischen von Franziska Gehm
Leipzig: Klett Kinderbuch 2018
104 Seiten. 15 Euro
Kinderbuch ab 9 Jahren
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