Tierische Freundschaft

Bilderbuch | Doreen Cronin: Brumm, Pieps und Glitschi

So schwer ist es gar nicht, zu erraten, wer wohl hinter den Namen Brumm, Pieps und Glitschi stecken mag: Richtig, ein Bär, ein Vogel und eine Schnecke. Was die drei für ganz junge Leser erleben, das beschreibt Doreen Cronin. Und wunderbar in Szene gesetzt hat es die Illustratorin Renata Liwska. BARBARA WEGMANN hat sich das kleine Bilderbuch angeschaut.

Brumm, Pieps und Glitschi
Faulenzten unter dem Baum
Und warteten,
dass der Tag begann.

Brumm Pieps Glitschi Der kleine Bär liegt auf dem Bauch und ist in ein Bilderbuch vertieft, die Schnecke schaut sich das Bild eines Autos an und träumt vermutlich von Schnelligkeit und Tempo und der kleine Vogel häkelt etwas, offenbar nach einem Muster aus dem Buch ›Modernes Häkeln‹, das er neben sich liegen hat. Was für eine idyllische, putzige kleine Gemeinschaft. Niemand will etwas vom Anderen, keiner braucht Angst zu haben, es ist alles so friedlich. Aber irgendwann kommt die Langeweile auf, jedenfalls für Brumm. Er will irgendwohin gehen, die anderen beiden wollen bleiben. Irgendwie ist die Harmonie etwas vorbei und dann kommt auch noch kräftiger Sturm auf.

»Springen!«, schrie Brumm.
»Festhalten!«, rief Pieps.
»Wind«, sagte Glitschi.

Plötzlich hat jeder etwas anderes im Sinn, will weglaufen, sich verstecken oder einfach den Regen genießen.

Ganz viel Liebenswertes hat die Illustratorin in die kleinen Figuren gelegt, besonders die kleine Schnecke Glitschi wird man schnell ins Herz schließen. Gewidmet hat sie ihre Zeichnungen der Oma, »deren Erinnerung und Häkeldecke uns schön mollig warmhalten.«

Renata Liwska zeichnet, seit sie Kind ist – und es hat sie nie losgelassen, heute schildert sie ihre Arbeitsweise so: »Ich finde einen ruhigen Ort, wo ich meine eigene Welt in meinem Skizzenbuch erschaffen kann, wo die Charaktere tun und lassen können, was mein Herz will.«

Für die ganz kleinen Leser oder besser die ganz großen staunenden Kinderaugen sind die Bilder sehr übersichtlich gehalten, die kleinen zauberhaften drei Gesellen haben Vorrang vor allem anderen und man wird an ihnen regelrecht kleben bleiben. Zu niedlich sind Gesichtsausdruck, Momente der Bewegung und die Situationen, in die die drei kommen.

Ganz unterschiedlich sind die drei tierischen Knirpse, jeder will eigentlich etwas anderes: Brumm möchte »nur dasitzen«, Pieps möchte »eng zusammenkuscheln« und Glitschi ist vertieft in ein Buch, ein Buch über einen Flug zum Mond.

Den Titel dieses Buches, das Glitschi da so fasziniert, den kann man aber erst mit einem Vergrößerungsglas erkennen. Und vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, die Hauptsache ist ja wohl, dass die Drei gute Freunde sind. Andersartigkeit hin oder her.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Doreen Cronin: Brumm, Pieps und Glitschi
Übers. von Uwe-Michael Gutzschhahn; Illust. von Renata Liwska
Hildesheim: Gerstenberg 2020
40 Seiten, 10 Euro
Bilderbuch ab 3 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Suizid

Nächster Artikel

Dave Robicheaux unter Mordverdacht

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Eine schöne Bescherung

Kinderbuch | Juli Zeh, Lena Hesse: Alle Jahre wieder

Eigentlich sind es gar keine Weihnachten. Zwar gibt es den Baum, den Spaziergang, das Glöckchen und das Festessen, aber keine Bescherung. Kein einziges Geschenk. Kann man Weihnachten so feiern? Wo ist das Christkind geblieben?! Der Weihnachtsmann war ja schließlich auch da! Aber dann finden Josh und Lena ein Wesen mit großen Flügeln. Und dann wird es doch noch schön. Eine bezaubernde und verzaubernde Geschichte von Juli Zeh. Von GEORG PATZER

Entscheidungsmacht

Kinderbücher | E. Goudge: Das kleine weiße Pferd / H. Malot: Nie mehr allein Von allen Büchern sind die für Kinder am wenigsten von ihrer Zielgruppe beeinflussbar. Erwachsene erfinden die Geschichten, publizieren sie, verkaufen sie. Das erste Buch, das man als Kind bekommt, bekommt man von einem Erwachsenen. Was so selbstverständlich klingt, ist tatsächlich Ausübung von Macht. Deswegen braucht man für die Auswahl von Kinderbüchern Fingerspitzengefühl und Verstand gleichermaßen. Gefühl allein reicht nicht. Schon gar nicht bei sogenannten Klassikern. Von MAGALI HEIẞLER

Zum Leben erweckte Monster

Kinderbuch | J.K. Rowling: Der Ickabog

Schlaraffien ist ein wunderbares Königreich. Wer dabei sofort an das Schlaraffenland denkt, liegt nicht falsch. Gebäckteilchen wie Feenwiegen oder Himmelshoffnungen treiben einem, sollte man das Glück haben hineinbeißen zu dürfen, Tränen des Glücks in die Augen, Schinken, Käse, Räucherware, Obst: Es mangelt an nichts in diesem glücklichen Land. Bis der Ickabog zum Leben erwacht. Von ANDREA WANNER

Gleich und gleich gesellt sich gern?

Kinderbuch | Selim Özdoğan: Die Ameise und der Frosch

Ein Frosch wird beim Sonnenbaden von einer Ameise gestört. Ganz schön lästig, wie er findet. Was sich daraus entwickelt, verblüfft dann aber doch, findet ANDREA WANNER

Gute Nacht

Bilderbuch | Sabine Bohlmann/ Kerstin Schoene: Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der dem Mond Gute Nacht sagen wollte

Ein Siebenschläfer, das ist schon ein possierliches Kerlchen, das dem Eichhörnchen etwas ähnelt, aber kleiner, mit runden Öhrchen, großen schwarzen Augen und langen Schnurrhaaren. Nachts wird es so richtig munter, also als Darsteller in diesem Bilderbuch, der dem Mond »Gute Nacht« sagen will, bestens geeignet. Allerdings schläft er zurzeit noch einen tiefen Winterschlaf, aber: nehmen wir einfach mal an, es wird Frühjahr und der kleine Siebenschläfer wird wach. BARBARA WEGMANN begleitet ihn in seiner Geschichte.