Kamera einpacken und raus in die Natur

Sachbuch | Daan Schoonhoven: Naturfotografie durchs ganze Jahr

Manchmal gibt es Bücher, bei denen schon einfach das Durchblättern Freude macht, dieses gehört sicherlich dazu. Reichlich bestückt mit wunderbaren Fotografien wird man auf den textlichen Inhalt eingestimmt. Da macht Lernen richtig Spaß. BARBARA WEGMANN hat es sich näher angeschaut.

Naturfotografie durchs ganze Jahr»Man kann sich 365 Tage im Jahr mit Fotografie beschäftigen. Jede Jahresszeit, jeder Tag, jedes Gebiet und jedes Motiv hat einen eigenen Charme und bietet entsprechende Herausforderungen.« Ein großer Bogen, der da geschlagen wird, ein hoher Anspruch, den das Buch aber locker erfüllt, so viel vorweg.

Nehmen wir einmal an, Sie finden unter dem Weihnachtsbaum eine Kamera. Oder Zubehör. Oder ja dieses Buch vielleicht. Dann nichts wie raus in die Natur und gleich hinein in die Praxis. Im Januar? Auf den ersten Blick ist das mit dem Licht ja nicht so toll, die Natur schläft, vielleicht ist es trüb, neblig, matschig. Eigentlich aber die beste Zeit für all ihre Fantasie, für den zweiten Blick, das genaue Hinsehen. »Der Mangel an schönem Licht während düsterer Tage stellt die perfekte Übung dar, um seinen Blick zu schärfen«.

Und: Die Schwarz-Weiß-Fotografie bietet sich an, um »die Stimmung zusätzlich zu unterstreichen.« Ob es Vogelschwärme vor Abendrot-Himmel sind, der weite, gerade jetzt so aufregende Sternenhimmel nachts, einzelne Tiere im Wald, die plötzlich im Schnee umso auffälliger werden, als in sommerlicher Natur, oder gefrorene Blätter, gerahmt mit einer Schicht Reif, es sind kleine, winterliche Kunstwerke.

Alle Beispielbilder sind selbstverständlich versehen mit den technischen Angaben für die Naturfotografen, auch Textabschnitte widmen sich sachlich und professionell den »fotografischen Herausforderungen«: Welches Objektiv eignet sich, welche Verschlusszeiten, welche Speicherkarten. Hauptsächlich jedoch sind die Texte eher erzählend, sie stimmen ein auf das, was der Fotograf gerade in diesem speziellen Monat vorfindet in der Natur, begeistern für Besonderheiten, für Farben und faszinierende Fotomodelle aus Flora und Fauna.
Ob es die Eiskristalle im Februar, die Moorfrösche im März, Schmetterlinge im Juli, für den Winter vorsorgende Eichelhäher im September oder bunte Blätter und Pilze im Oktober sind, das Auge wird Schritt für Schritt und Monat für Monat geschult und lernt. Und das wirklich mit Spaß an der Sache.

Die Struktur des Buches, der Rundgang durchs Jahr, ist also gleichzeitig eine wunderbare Gliederung: 12 Monate, 12 Kapitel, 12 Lerneinheiten. Mit anderen Worten: von diesem Buch hat man länger etwas, es begleitet Sie, ist inspirierendes Nachschlagewerk und sehr verständliches Lehrbuch in einem. Es eignet sich als fotografisches Studienbuch ebenso wie als Fotoband, der ja vielleicht Ziele setzt, die anzustreben sind. Denn ein wenig Übung gehört natürlich schon zu allem: »So einfach ist es zum Glück dann doch wieder nicht. Sie müssen immer noch früh aufstehen, Zeit investieren, suchen, und am Ende ihre eigene Interpretation der Wirklichkeit in einem Foto erschaffen, das Sie schön finden.

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Daan Schoonhoven (Hrsg.): Naturfotografie durchs ganze Jahr
Naturmotive von Januar bis Dezember fotografieren
Heidelberg: dpunkt.verlag 2020
34,90 Euro, 292 Seiten
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe auf der Verlags-Webseite

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Kleiner Vogel, großer Krieg

Nächster Artikel

Sandelholz aus Java und arabischer Weihrauch in China

Weitere Artikel der Kategorie »Sachbuch«

Abgeschieden und doch so international

Kulturbuch | Paolo Verzone: Spitzbergen

Spitzbergen, damit assoziiert man schnell Kälte, polare Klimaverhältnisse, Einsamkeit, karge Landschaft, ewiges Eis, eben weit, weit weg. Befasst man sich etwas genauer mit diesem Ort, beziehungsweise mit dieser Inselgruppe, dann kann es noch so frostig sein, man ist fasziniert von der Geschichte, all dem, was die Inseln erzählen und den wenigen Menschen, die soweit nördlich über dem Polarkreis wohnen. BARBARA WEGMANN hat in dem Bildband geblättert.

Aus dem Himmel geblickt

Sachbuch | Riccardo Roiter Rigoni/ Debora Gusson: Venedig aus der Luft

Für den einen ist Venedig das Traumziel der Liebe und des Karnevals, für den anderen erinnert die Stadt an das Ende der ›Sissi‹-Trilogie, manche fühlen sich dort zu Hause, weil Commissario Brunetti, literarisch gesehen jedenfalls, mit seiner Familie dort wohnt. Bezugspunkte zu dieser Traumstadt mit einem Traum-Umland gibt es viele, aber nur Wenige kennen die Lagunenstadt vermutlich aus der Luft. Dabei ist das eine absolut spektakuläre Sache, meint BARBARA WEGMANN

Fernab von Instagram und Co

Sachbuch | Offline – Urlaub ab vom Schuss Allein schon die Aussicht, einmal dem Funknetz zu entfliehen, ein paar Tage, Wochen, so richtig unerreichbar zu sein, sie verlockte BARBARA WEGMANN dazu, in diesem Buch zu blättern. Einem Buch, das die Sehnsucht schürt, die Fantasie anregt und durchaus dieses Fernweh der besonderen Art aufkommen lässt.

Auf 42,195 Kilometern in die Sackgasse

Kulturbuch | Matthias Politycki: 42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, weiß, welche Gefühlsachterbahnen über die geschichtsträchtige Streckenlänge von 42,195 Kilometern entstehen und welche Glückshormone im Zielbereich ausgeschüttet werden. Zugleich ist es für das Umfeld von »Marathonis« bisweilen unverständlich, warum ein solch zeitlicher Aufwand, bisweilen monotone Trainingseinheiten und das nicht endend wollende Leiden ab Kilometer 30, wo der in der Läuferszene berüchtigte »Mann mit dem Hammer« wartet, Anreize sein sollen, um einen Marathon zu absolvieren. Matthias Politycki schreibt in ›42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken‹ über

Let her rock!

Kulturbuch | Vivienne Westwood, Ian Kelly: Vivienne Westwood Wenn einem eine strenge Dame auf einem Buchcover wach entgegenblickt, ist oft schwere Kost angesagt. Nicht so in Vivienne Westwoods Autobiographie, die sie zusammen mit Ian Kelly verfasst hat. Für ›Vivienne Westwood‹ hat Ian Kelly zwei Jahre mit der First Lady des britischen Designs verbracht und aufgeschrieben, was Archiv, Presse, Freunde und Familie von Vivienne Westwood beizutragen hatten. Westwoods eigene Kommentare runden eine Biographie ab, bei der eine rundum kampfeslustige alte Dame erst einen Zwischenbericht zu ihrem Leben geben möchte. VIOLA STOCKER ist beeindruckt.