Ganz ohne Worte

Kinderbuch | Jihyun Kim: Sommer

Er ist endlich da, der Sommer. Ein kleiner Junge genießt ihn in vollen Zügen und ANDREA WANNER konnte jeden Moment nachfühlen.

SommerJihyun Kim beginnt ihre Geschichte mit einem doppelseitigen Bild auf dem Vorsatz, das eine Stadt mit großen Wohnblocks zeigt. Dann zoomt sie in die Wohnung einer Familie, Mutter, Vater und ein Junge. Wir sehen das Kinderzimmer und die offene Tür gibt den Blick in den danebenliegenden Raum frei.

Die drei sind offensichtlich am Packen. Schon eine Seite weiter sind sie unterwegs mit dem Auto durch die Häuserfluchten der Stadt, über die Brücke, immer weiter weg von der dichten Besiedelung, durch Felder und Wiesen, hinaus aufs Land. Dort besuchen Sie die Großeltern. An der Seite seines Hundes durchstreift der Junge den Wald, entdeckt einen See, in dem er schwimmt und taucht, betrachtet er den Sternenhimmel.

›Sommer‹ ist ein poetisches Bilderbuch, das ohne Worte und fast ganz ohne Farben auskommt. In zarten, pastelligen Blautönen und ein bisschen goldenem Schimmer fängt die Künstlerin aus Seoul in ihrem Bilderbuchdebüt den Sommer ein. Sommer ist mehr als eine Jahreszeit. Sommer ist ein Gefühl, das man mit allen Sinnen auskostet, das die Tage endlos werden lässt. Der Junge erlebt die Natur auf eine ganz direkte Art, nichts stellt sich zwischen ihn und die Bäume, das Wasser den Himmel.

Wen wir ihn nach seinem Bad im See aus der Vogelperspektive auf dem Steg liegen sehen, alle Viere von sich gestreckt um sich von der Sonne trocknen zu lassen und die Hundeschnauze auf seinem Knie, spüren wir die glückliche Entspanntheit.

›Sommer‹ ist ein Bilderbuch mit fast meditativer Qualität, das Raum schafft für das Sonnenlicht und das Funkeln der Sterne am Nachthimmel, die Ruhe des Waldes und das erfrischende Nass des Sees. Wunderschön, zeitlos und voll leiser Wehmut.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Jihyun Kim: Sommer
Stuttgart: Urachhaus 2021
56 Seite, 16 Euro
Bilderbuch ab 5 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Leere

Nächster Artikel

Feuilleton und digitaler Wandel

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Megacool

Kinderbuch | Katja Reider: Cool in 10 Tagen Was liegt näher als sich zusammenzutun, wenn man Juli und August heißt? Das findet wenigstens Julis Mutter. Vernetzen ist sowieso ihr Ding. Und tatsächlich finden Juli und August ein gemeinsames Projekt: sie wollen cool werden. Von ANDREA WANNER

Pfiffig

Kinderbuch | Mac Barnett, Jon Klassen: Der Wolf, die Ente & die Maus Ein Starker, zwei Schwache, ein dunkler Wald. Eine einfache Geschichte? Nicht, wenn man so pfiffig denkt, wie Mac Barnett. Seine Geschichte lässt Leserinnen und Leser die Welt mit anderen Augen sehen. Von MAGALI HEIẞLER

Mit Blicken, Lachen und kleinen Missverständnissen

Kinderbuch | Regina Schwarz: Hör mir mal zu!

»Mit wem sprichst du am liebsten?«, fragt Lisas Opa. Lisa überlegt kurz und fängt dann an, Namen aufzuzählen – doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Kommunikation ist viel mehr als Worte: Manchmal sagt ein Blick mehr als tausend Sätze, ein Tonfall verrät, was wirklich gemeint ist, und gelegentlich sorgt ein Missverständnis für ein herzhaftes Lachen. Von ANDREA WANNER

Trauerarbeit

Kinderbuch | Tom Kelly: Die Sache mit Finn

Alles ist anders seit der Sache mit Finn. So anders, dass der 10jährige Danny es zu Hause einfach nicht mehr aushält. Er kauft sich eine Zugfahrkarte und reist ans Meer, dorthin wo er mit Finn zusammen glücklich war. Von ANDREA WANNER

Bloß keine Skrupel

Kinderbuch | Levi Henriksen: Astrids Plan vom großen Glück Dass man mit Gegebenem nicht zufrieden ist, kommt häufig vor. Dass man das Gegebene gezielt ändert, um wieder glücklich zu werden, ist weit seltener. Neben der Bequemlichkeit stehen auch Skrupel im Weg, und zwar desto mehr, je älter man ist. Mangelnde Lebenserfahrung dagegen macht manches leichter. Das zumindest meint Levi Henriksen in Astrids Plan vom großen Glück. Ob das gut gehen kann? Von MAGALI HEISSLER