Schlüsselverse

Lyrik | Peter Engel: Schlüsselverse

Um gut in den Tag zu kommen,
schließe ich ihn auf mit diesem Vers,
öffne seine Möglichkeiten
und schreibe sie auf mein Blatt,
lenke den Gedankenstrudel
in die bereite Zeile.

Hier treten die Worte an,
um sich selbst auszusagen,
wetteifern um ihren Platz,
ihre richtige Stelle,
und behaupten sich dauerhaft
oder werden wieder verdrängt.

Ein Spiel um Rang und Gewichtung
und ich bin dabei der Leiter,
gebe allem die Regeln vor
und verteile die Plätze,
sage bis hier und nicht weiter,
setze am Ende den Punkt.

| PETER ENGEL

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Die Magie des Strichpunkts

Nächster Artikel

Kultur

Weitere Artikel der Kategorie »Lyrik«

Tauchfahrt in maritimen Tiefseemetaphern

Lyrik | Crauss: Schönheit des Wassers Ein neuer Gedichtband von CRAUSS mit dem Titel Schönheit des Wassers ist im Berliner Verlagshaus J. Frank erschienen. Der Autor entführt in seinen 66 »pseudoromantischen kalligraphien« in bunte Wasserwelten – überall Glitzern, Blinken, Schimmern, über und unter Wasser. Das Wasser zieht magisch an, es geht stromab-, stromaufwärts und blickt in ferne Unterwasserwelten. HUBERT HOLZMANN unternimmt mit der Tauchgondel einen Versuch, in die Tiefen der CRAUSS’schen Lyrik vorzudringen.

Offenes Gewässer

Lyrik | Christian Saalberg: Vor dem Portal VOR DEM PORTAL sitzen Bettler mit ausgestreckten       Händen, die sie langsam sinken lassen. Vorsichtig steigen die Vögel von den Bäumen, eine       Laterne in der Hand, um nicht zu stolpern. So kann es einem ergehen, wenn man jeden Morgen       das Haus durch die falsche Tür verläßt.

Advanced Science

Lyrik | Martin Jürgens: Advanced Science

1 Gelungen scheint der Prototyp: Gewebe,
Blutgefäße, Kammern – alles da und
Vorzeigbar und clean und herzig rot wie
Eine reife, übersüße Frucht, wenn dieses
Bild nicht lügt, doch kleiner als das
Hasenherz, das furchtsame, das einer
Kirsche gleicht, so klein wie das, was eine
Schwangere, glaubt sie, nachts unter ihrem
Herzen schlagen fühlt, und von der
WAHREN GRÖSSE unsres Herzens,
Wie sie seit je in Schrift und Bild
Und Ton bemessen und gefeiert
Wird, so weit entfernt wie wir
Vom Sternbild des Orion
In einer Winternacht.

Konstanten (2)

Lyrik | Vierzeiler der Woche – von Michael Ebmeyer  Wenn die alte Leier tönt mag die Standpauke nicht schweigen