/

Die Sache mit dem Müll

Kinderbuch | Philip Bunting: Unsere Erde braucht dich

Vor vielen Jahren wohnte ich in einem Haus, wo es im Hausflur eine Klappe gab, in die alles an Abfall geworfen wurde, was eben anfiel: ein Müllschlucker. Wie gut, wenn auch die Kleinsten heute schon lernen, wie man Müll vermeiden kann, findet BARBARA WEGMANN.

Kinder, die eine große lächelnde Weltkugel putzen und von Müll befreien.Ganz, ganz, ganz früher gab es keinen Müll. »Alles Leben, das aus der Erde kam, starb irgendwann und wurde wieder zu neuer Erde, jeder Busch, jede Beere und jede Banane. Sogar der Affe«. Mit dem Kreislauf des Lebens startet das klug und verständlich geschriebene, dazu klar und bunt illustrierte Buch in die Müllthematik. Warum aber gab es damals keinen und heute so viel Müll? Man könnte sagen, weil die Menschen so intelligent waren, viele Erfindungen machten und Stoffe erfanden, die in der Natur nicht vorkommen: Plastik, Beton, Stahl, Glas, Aluminium. Stoffe, die für unsere Umwelt aber sehr problematisch sind, die, besonders – wie beispielsweise Plastik – in die Nahrungskette fließen und letztlich uns, die wir die Plastiktüte unbedacht wegwerfen, schaden.

Philip Bunting kann Sachverhalte klar, einfach, plakativ und sehr verständlich darzustellen. Den Kreislauf unseres Konsums, das Entstehen und Vergehen von Müll, und vor allem, wie uns das alles ganz persönlich betrifft. »Jedes Jahr erzeugt jeder Einzelne von uns bis zu einer Tonne Müll«, staunt man. Bunting ordnet es noch weiter ein: »Das ist so viel, wie ein kleines Nilpferd wiegt!« Jetzt kann man sich etwas konkreter vorstellen, was das bedeutet.
Schon sind kindliche Gedanken beim letzten Zoobesuch. War da nicht so kleines Nilpferd? »Jetzt stell dir mal all die Müllhaufen vor: von dir, deiner Familie, allen Leuten aus deiner Schule oder Kita … Das ergibt sehr viele stinkende Nilpferde.«

Bunting erklärt auch den Kreislauf von Herstellung, Benutzung und Müll anschaulich: »Müll an allen Ecken und Enden. Leider ist das bei allen Dingen so, die wir verwenden, essen, anziehen oder mit denen wir spielen.« Der Blick wird geschärft für all das, was an Müll zu Hause anfällt: Papier, Kartons, Kassenbons, Essensreste, kaputte Glühbirnen, alte Schuhe, leere Getränkedosen, Büroklammern und immer wieder Plastik. 300 Jahre benötigt eine Plastiktüte, ehe sie ganz verrottet ist. Das ist eine lange Zeit, aber die traurige Hitparade der Verrottungszeit führt die Glasflasche an: eine Million Jahre.

Buntings Art der Darstellung zieht in den Bann, weckt Interesse für Thema und Dringlichkeit, für Problematik und konkrete Beispiele. Es wird sogar richtig spannend. Nein, es ist keine Geschichte, in der etwas Spannendes passiert, es ist einfach nur unser Alltag und die Frage, was können wir gegen Müllberge tun. Das kann spannend genug sein.

Der in Australien lebende Autor belässt es nicht bei der Aufzählung so vieler Müllbeispiele oder auch der Recyclingmethoden. Die zweite Hälfte des lehrreichen und erhellenden Buches gibt Tipps, was man tun kann in Sachen Müll: Ihn erst einmal, wenn‘s geht, vermeiden, die Dinge wiederverwenden, recyceln, aus Altem Neues machen und vor allem sich einmischen. Zu jedem der fünf Punkte gibt Bunting ausführliche Beispiele: »Wenn dir etwas wichtig ist, dann stehe dafür ein. Vielleicht lassen sich andere von deinen Argumenten überzeugen.« Warum nicht einen Brief an den Supermarkt schreiben, um zu fragen, wieso Lebensmittel zusätzlich noch in Plastik verpackt werden? Warum nicht zum Geburtstag dem Freund oder der Freundin etwas Gebasteltes schenken oder etwas Recyceltes?

Schön, dass das Kinderbuch nicht in Anklage und negative Kritik abrutscht, sondern nach ausführlicher schön bebilderter Aufklärung zu aktivem Müllvermeiden mit ganz praktischen und kreativen Dingen aufruft.

»Wenn wir unser Verhalten ändern und das Richtige tun, können wir gemeinsam etwas Positives bewirken und der Erde helfen. Du kannst Teil dieser Veränderung sein. Magst du mitmachen? Unsere Erde braucht dich!!«

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Philip Bunting: Unsere Erde braucht dich
Was du tun kannst, um Müll zu vermeide
(Your Planet Needs You!: A Kids‘ Guide to Reducing Waste and Recycling, 2022)
Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Hauswaldt
München: Penguin 2022
32 Seiten, 14 Euro
Sachbilderbuch ab 5 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Entscheidung

Nächster Artikel

Wenn Gülle im Regal steht

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Farbenfroher Erntedank

Kinderbuch | Eugene Y. Evasco: Feiern auf Philippinisch

Das Pahiyas-Fest ist das fröhliche Erntedankfest auf den Philippinen, das jedes Jahr am 15. Mai in der Stadt Lucban in Quezon gefeiert wird. Die Menschen schmücken ihre Häuser mit bunten Früchten, Gemüse und kunstvollen Dekorationen, um Dankbarkeit und verwandeln die Stadt in ein farbenprächtiges Gesamtkunstwerk. Ein Junge führt seine kleine Schwester durch das bunte Treiben und gern lässt man sich mitnehmen, freut sich ANDREA WANNER

Vom Himmel hoch…

Kinderbuch | Hartmut El Kurdi: Ein Dings namens Schröder Fröhliche Weihnachten? Von wegen. Bei den Hummels hängt der Haussegen schief und Lilly, die Jüngste, ergreift die Flucht. Und irgendwie ist das genau das Richtige, auch wenn es zunächst gar nicht danach aussieht. Von ANDREA WANNER

Aufschlussreich

Kinderbuch | T. Engelhardt, M. Osberghaus: Im Gefängnis Heikle Themen für Kinder aufzugreifen ist ein Unterfangen voller Risiken. Dies um so mehr, wenn Kinder vom entsprechenden Thema persönlich betroffen sind. Thomas Engelhardt und Monika Osberghaus haben den Schritt gewagt, in vollem Bewusstsein des Risikos. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, findet MAGALI HEIẞLER

Es reicht!

Kinderbuch | Bernd Kohlhepp: Bo zieht aus Eigentlich kennen wir die Geschichte schon. In der Version von Astrid Lindgrens Version heißt die Kleine Lotta und zieht um, in die Rumpelkammer von Tante Berg. Bo ist genauso genervt von seiner Familie wie seinerzeit Lotta. Und auch sein Entschluss steht fest: Bo zieht aus. Von ANDREA WANNER

Allzu niedlich

Kinderbuch | Alison Jay: Mia und das Blumenwunder Bienchen und Blümchen, ein kleines Mädchen und dann noch ein Wunder, ist das lieb! Allerdings geht es um ein ernstes Thema und dabei wäre ein sachlicherer Ton eher angebracht als süß-verspielte Niedlichkeit. Die Autorin war der gleichen Meinung, der deutsche Verlag nicht. Von MAGALI HEIẞLER