Spielregeln

Kinderbuch | Jörg Mühle: Morgen bestimme ich!

Der Umgang mit Regeln ist nicht immer einfach und muss gelernt werden. Eine erste Lektion bekamen Bär und Wiesel in ›Zwei für mich und einer für dich‹. Jetzt geht’s weiter, freut sich ANDREA WANNER

Ein Bär und ein Wiesel stehen Rücken an Rücken mit verschränkten Armen und geschlossenen Augen.Es riecht nach Zoff. »Morgen bestimme ich!«, heißt es da und das ich ist nicht nur mit einem Ausrufezeichen versehen, sondern auch noch unterstrichen. Da scheint es eine Auseinandersetzung zu geben, wenn man Bär und Wiesel anschaut, die einander demonstrativ den Rücken zukehren. Die beiden sind eindeutig sauer. Was ist passiert?

Als das Wiesel nach Hause kommt, spielt der Bär bereits mit dem Dachs. Und statt das Wiesel zu fragen, ob es vielleicht mitspielen möchte, begeht sein Freund den allerdümmsten Fehler überhaupt und fragt seinen ihn: »Magst du uns etwas zu essen machen?« Das wirft gleich zwei Probleme auf. Zum einen hat das Wiesel natürlich keine Lust, die beiden anderen zu bedienen. Zum anderen betrachtet er den Dachs als seinen Freund und erklärt dem Bär: »Du darfst nicht einfach mit ihm spielen!« Das ist natürlich Quatsch, denn Freunde gehören einem ja nicht und jeder kann mit jedem spielen. Erneut haben wir das Problem einer ungeraden Zahl, wobei sich anders als beim Teilen durch zwei die Lage ja dadurch lösen ließe, dass alle drei etwas zusammen spielen. Die Idee hat auch der Dachs, aber das erweist sich als schwierig.

Jörg Mühle erweist sich erneut als einfühlsamer Beobachter, der das Gezanke und Gestreite in wunderbar ausdrucksstarke Bilder fasst. Da wird gemault, beleidigt geguckt, geschimpft. »Du spielst das falsch!« lautet der Vorwurf und was einer vorschlägt, findet mindestens einer der anderen doof oder langweilig. Mühle verteilt Spielzeug auf dem Waldboden, lässt über Spielregeln diskutieren und Anregungen verwerfen. Es will einfach nichts werden mit dem gemeinsamen Spiel. Und dann muss der Dachs nach Hause. Ein verkorkster Nachmittag? Kein bisschen, finden die drei.

Für Kinder ist das alles sehr nahe und nachvollziehbar. Und Erwachsene können sich nicht nur blendend beim Vorlesen amüsieren, sondern vielleicht auch sogar noch etwas lernen.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Jörg Mühle: Morgen bestimme ich!
Frankfurt am Main: Moritz Verlag 2024
32 Seiten, 14 Euro
Bilderbuch ab 4 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Das Schicksal am Nil nimmt seinen Lauf

Nächster Artikel

Auf der Suche nach dem Vater

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Die Fantasie mal wieder

Kinderbuch | Janine Wilk: Das Reich der Tränen Misshandelte Kinder sind ein großes Thema, auch in Büchern für Kinder. Es zu behandeln ist eine große Aufgabe, gerade in Büchern für Kinder. Wichtig ist es, Hoffnung zu vermitteln. Dabei wird allerdings gern auf die Fantasie verwiesen. Auch bei Janine Wilks ›Das Reich der Tränen‹ darf sie wieder mal als Allheilmittel herhalten. So ganz reicht das nicht, meint MAGALI HEISSLER.

Wie verhält man sich als Mensch?

Kinderbuch | Bertie Fraser, David Edmond: Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch

Irgendwie witzig – die Vorstellung, dass die Menschen in unserem Umfeld Roboter sein könnten. Im Kinderbuch ›Undercover Robot – Mein erstes Jahr als Mensch‹ spielen Bertie Fraser und David Edmond mit der Idee, wie es wohl wäre, als Roboter undercover unter Menschen zu sein. Ein sehr unterhaltsames Buch, meint ALEXA SPRAWE.

Zweckentfremdet

Kinderbuch | Saša Stanišić: Panda-Pand

Pandas ernähren sich von – klar: Bambus! Neunundneunzig Prozent ihrer Nahrung bestehen daraus. Bambus gibt es zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Aber dann gibt es das eine Frühstück, wo sich etwas ändert. Von ANDREA WANNER

Von Affe bis Zebra: 26 Lieblingstiere

Kinderbuch | Sabine Lohf: 1, 2, 3, 4 Lieblingstier. Von A bis Z Was ist dein Lieblingstier? Ein Pinguin? Ein Igel? Oder ein Uhu? Sabine Lohf stellt 26 Lieblingstiere vor, ANDREA WANNER fällt die Wahl schwer.

Auf der Suche

Kinderbuch | Ulrich Hub: Lahme Ente, blindes Huhn

Das klingt total politisch unkorrekt: lahme Ente und blindes Huhn. Aber wenn es nun mal so ist: die Ente bewegt sich an Krücken fort, das Huhn sieht nichts. Und was daraus wird ist einfach genial, findet ANDREA WANNER.