Hilfe aus dem All

Kinderbuch | Sibylle Berg: Mein ziemlich seltsamer Freund Walter

Lisa ist einsam und unglücklich. Ihre arbeitslosen Eltern kümmern sich nicht um sie, sondern hängen bloß rum, in der Schule wird sie gemobbt und hat keine Freunde. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit Computern und dem Universum. Und ausgerechnet von da kommt Hilfe. Von ANDREA WANNER

Zwei Personen sitzen auf einem Asteroiden und betrachten die Erde vom Weltall aus.Lisa ist ein cleveres Mädchen, aber im Umgang mit anderen tut sie sich schwer. So wird sie jeden Morgen von den Jungs schikaniert, die auf dem Spielplatz rumhängen, verbringt jede Pause allein, muss damit leben, dass auch ihre Lehrerin sie nicht mag, weil sie sich nie am Unterricht beteiligt, sondern in ihren Büchern liest – die nichts mit dem Geschehen an der Tafel zu tun haben. Und sie wünscht sich sehnlichst, endlich kein Kind mehr zu sein, sondern erwachsen, um diesem tristen Leben zu entkommen.

Und dann tritt der äußerst unwahrscheinliche Fall ein, dass ein Raumschiff, das wie ein Staubsauger aussieht, im nahegelegenen Wäldchen landet. Lisa verfolgt das Nahen des Ufos auf ihrem Bildschirm und rennt rechtzeitig los, um zehn kleine Figuren auszeigen zu sehen, die durchaus menschlich aussehen. Allerdings ist es denen auf der Erde zu kalt und schwupps, noch ehe Lisa Kontakt aufnehmen kann, sind sie auch schon wieder auf und davon. Nur einen haben sie vergessen: Klakalnamanazdta, oder wie Lisa ihn nennt: Walter.

Walter räumt in Lisas Leben auf, und zwar gründlich.

Die Geschichte von der Freundschaft mit einem Außerirdischen entstand als Schauspiel von Sibylle Berg als Auftragswerk der Kunststiftung NRW anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums 2014. Was auf der Theaterbühne gut funktioniert hat, kommt jetzt als dynamischer Comicroman daher, schwarz-weiß mit pinkfarbenem Vorsatz.

Julius Thesing, der mit seinem Debüt ›You Don’t Look Gay‹ überzeugte, findet auch hier die passende Bildsprache, die mit ihren knubbelnasigen Figuren zunächst für viel Heiterkeit sorgt – eh man einen Blick dahinter in Lisas Einsamkeit und Ausgeschlossensein wirft. Aber jetzt ist ja Walter zu Besuch und es kann nur besser werden.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Sibylle Berg: Mein ziemlich seltsamer Freund Walter
Illustriert von Julius Thesing
Frankfurt am Main: Fischer 2024
144 Seiten, 19,90 Euro
Kinderbuch ab 10 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Auf Fang

Nächster Artikel

Gruselvergnügen

Weitere Artikel der Kategorie »Kinderbuch«

Zwei beste Freunde

Kinderbuch | Werner Holzwarth: Mein Jimmy Vom Tod erzählen ist nicht einfach. Zu oft wird es kitschig, oder der Schmerz wird weggetröstet. Werner Holzwarth, dem Erfinder des ›Maulwurfs, der wissen will…‹, gelingt es, ohne Sentimentalität, Pathos oder religiöse Verklärung davon zu erzählen. Für GEORG PATZER schon jetzt eines der schönsten Bilderbücher des Jahres

Zwei kleine Helden und eine große Liebe

Kinderbuch | Anne Herbauts: Zu Hause bei Hadek und Miezke

Das kennen wir alle: Draußen ist es regnerisch, so richtig blödes Wetter, man geht nicht raus, sucht sich eine Beschäftigung zu Hause. So geht es Hadek und Miezke auch, mitten im Winter. BARBARA WEGMANN hat sich angeschaut, was die beiden treiben.

Gefunden!

Kinderbuch | Antje Damm und Susanne Koppe: Versteckt! Entdeckt? Ostern ist vorbei, aber das Spiel von Verstecken, Suchen und Finden macht ganzjährig Spaß und ist nicht an Schokohasen und Eier gebunden. Obwohl das Reim- und Ratebuch gleich auf dem Cover ein Ei präsentiert. ANDREA WANNER beginnt zu suchen.

Der Weg zum Ziel

Kinderbuch | Heinz Janisch: Auf dem Weg

Eine Maus ist gut ausgerüstet unterwegs. Wir wissen nicht, wohin sie will, begleiten sie aber gerne durch eine magische Welt. Von ANDREA WANNER

Frag nicht, was dein Wichtel für dich tun kann …

Kinderbuch | Michelle Houts: Raureifzauber Heinzelmännchen sind dazu da, den Menschen zu helfen. Diese traditionelle Behauptung stellt Michelle Houts hier einmal auf den Kopf. Heraus kommt eine Geschichte mit eigener Magie, gerade richtig für stille Stunden daheim an unfreundlichen Wintertagen. Von MAGALI HEIẞLER