Am Klimawandel geht kein Weg vorbei

Sachbuch | Jürg Alean/Michael Hambrey: Schnee und Eis

Es soll einen richtigen Winter geben, sagen die Meteorologen voraus, und wenn er dann vor unserer Haustür ist, dann sehen wir Schnee, Eisflächen, Eiszapfen und eine so selten gewordene wunderschöne weiße Winterlandschaft. Aber »Schnee und Eis«, da steckt ja noch so viel mehr hinter. Das Buch ist tatsächlich eine »Entdeckungsreise«, findet BARBARA WEGMANN

Zu den Grundlagen: »Rund ein Zehntel der Landesoberfläche der Erde ist vergletschert und bis zu einem Drittel ist im Winter schneebedeckt.« Zusammen mit dem Eis im Untergrund und auf Gewässern, so die beiden Autoren, studierte Geologen und Geographen, sowie Experten für Glaziologie, bilden Gletschereis und Schnee die Kryosphäre, die Gesamtheit allen Wassers in gefrorener Form unseres Planeten. Alean und Hambrey nehmen mit auf eine abenteuerliche Reise durch weiße und gefrorene Welten, erläutern dabei sehr verständlich die Entstehung verschiedener Formen und Vorkommen von Eis und Schnee, erläutern Kreisläufe und bestimmte Wettergeschehen. Schließlich soll man spätestens zum Ende des außergewöhnlichen Bildbandes verstehen: »Die Schnee- und Eismassen auf den Landflächen der Erde sind wichtige Elemente des Wasserkreislaufs und spielen in Bezug auf Klima und Wettergeschehen eine zentrale Rolle.«

Das Buch geht auf 208 Seiten sozusagen vom Kleinsten ins Größte: den Auftakt bilden Eis, Schnee, Reif und Hagel, dann geht es in Höhe und Weite. Da sind die Gletscher und deren Geheimnisse, die sie bergen, Eisberge, die wandern, das Eis auf Meeren und Ozeanen, die Titanic lässt grüßen. Ausgesprochen spannend das Kapitel über die Spuren, die Eiszeitgletscher hinterlassen haben. Ein Blick in die tiefe Vergangenheit: Riesige Gesteinsbrocken, Findlinge gaben früher den Forschern Rätsel auf, irgendwie mochte die Gesteinsart so gar nicht in die Landschaft passen. Des Rätsels Lösung: Gletscher wandern, transportieren und verschieben enorme Gesteinsmassen, die wiederum zeugen von einst frostigen Zeiten, auch dann eben, wenn die Gletscher längst geschmolzen sind. Was wir heute als Naturschönheiten bewundern, den Vierwaldstättersee, den Lago Maggiore oder den Hallstädter See gäbe es, so Alean und Hambrey nicht ohne glaziale Tiefenerosion. Einst bahnten sich Gletscher ihren Weg und schliffen regelrecht eine neue Landschaft.

Es stimmt, aufgrund des Klimawandels sehen wir immer seltener Schnee und Eis, immer höher wohnt die weiße Pracht und das ewige Eis; aber an Faszination haben Schnee, Eis, wie von Künstlerhand gefertigte Kristalle oder die endlosen Eismassen der Polkappen ganz sicher nichts verloren.

Das Wetter, die Wetterphänomene, die Landschaft und ihre Entstehung besser zu verstehen, dazu trägt dieses sehr ausführliche Buch ganz sicher bei. Eingebettet werden lange Texte, die im Layout etwas augenfreundlicher hätten gestaltet werden können, in außergewöhnlich schöne Fotografien, das motiviert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, zu lernen, viele Erkenntnisse zu sammeln. Am Klimawandel geht der Bildband ganz sicher nicht vorbei, es führt auch kein Weg mehr daran vorbei. »Angesichts des schwindenden Gletschers drängt sich die Frage auf, wie viel weiter unsere Nachkommen werden wandern müssen, um zur Gletscherstirn zu gelangen. Wieviel Schnee und Eis werden sie dann überhaupt noch zu Gesicht bekommt.«

| BARBARA WEGMANN

Titelangaben
Jürg Alean/Michael Hambrey: Schnee und Eis
Eine Entdeckungsreise zu gefrorenen Welten
Bern: Haupt- Verlag 2024
208 Seiten, 39,90 Euro

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