Mehr als nur ein Spiel

Jugendbuch | Anja Reumschüssel: Deepworld

Die Welt der Online-Rollenspiele ist grenzenlos. Eine Virtual Reality, die die reale Umgebung komplett ausblendet, hebt das Gefühl der Echtheit auf eine völlig neue Stufe. Bei dem Spiel, das Gustav zum ersten Mal bei Ruby ausprobiert, kommen zusätzliche Sensoren für Arme und Beine zum Einsatz. Was die beiden in ›Deepworld‹ erleben, ist eine völlig neue Erfahrung. Und beide haben ganz eigene Gründe, so oft wie möglich dorthin zurückzukehren. Von ANDREA WANNER

Zwei Außenseiter, eine virtuelle Flucht

Ein Junge, der eine große VR-Brille trägt.Gustav ist ein Außenseiter. Seit sein bester Freund Wilhelm weggezogen ist, fühlt er sich einsam. Früher spielten sie zusammen ›Fortnite‹. Doch allein schafft der alte Laptop von Gustavs Mutter den Survival-Shooter nicht mehr. Also flüchtet er sich in Bücher.

Dann kommt Ruby neu in die Klasse: kurze, struppige Haare, ein viel zu großer Kapuzenpulli. Sie redet kaum und kritzelt merkwürdige Figuren an den Rand ihrer Hefte. Umso überraschter ist Gustav, als sie ihn zu sich nach Hause einlädt, um ihr bei Mathe zu helfen. Doch statt einer Nachhilfestunde wartet auf die beiden der erste gemeinsame Trip nach »Deepworld«. Riesige Hornissen, schleimige Lianen, Monster im Wasser und in der Luft: Keines der Motive ist so ganz neu, aber alles fühlt sich unglaublich echt an. So echt, dass man echte Verletzungen davontragen kann. Auf die Frage, was denn eigentlich ihr Ziel sei, bekommt Gustav nur ausweichende Antworten von Ruby. Aber das Spiel hat ihn längst gepackt – mehr, als gut für ihn sein kann.

Vom Sachbuch zum Gaming-Thriller

Die Autorin Anja Reumschüssel ist eigentlich Journalistin. Für ihr Sachbuch ›Extremismus‹ erhielt sie 2019 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Mit ihrem neuen Werk beweist sie nun, dass sie auch die Gaming-Welt versteht – und komponiert einen packenden Thriller. Alles beginnt ganz harmlos, aber Seite um Seite landet man lesend tiefer in einer unfassbaren Situation. Genauso, wie auch Gustav erst nach und nach die Tragweite ihres Spiels klar wird.

Dieser Thriller zieht Jugendliche garantiert in seinen Bann – ein aufrüttelndes Buch über die Faszination des Gaming und die unsichtbare Grenze, an der das Spiel zur Realität wird.

| ANDREA WANNER

Titelangaben
Anja Reumschüssel: Deepworld
Hamburg: Carlsen 2026
224 Seiten, 14 Euro
Jugendbuch ab 12 Jahren
| Erwerben Sie dieses Buch portofrei bei Osiander

Reinschauen
| Leseprobe

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Party

Nächster Artikel

Ein Traum voller Düfte

Weitere Artikel der Kategorie »Jugendbuch«

Von der Kunst des Wünschens

Jugendbuch | You Yeong-Gwang: Der Regenzaubermarkt

Von welchem Leben träumt ein junges Mädchen, das sich benachteiligt fühlt und ungeliebt? Wie sollte die Zukunft für sie aussehen, wenn sie die Wahl hätte? Keine leichte Frage, die sich Serin stellen muss, als sie tatsächlich ein Ticket für den Regenzaubermarkt bekommt, wo sie ihr unglückliches Leben in ein glückliches eintauschen kann. Von ANDREA WANNER

Jede Menge Hindernisse

Jugendbuch | Tess Sharpe: Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

Der Originaltitel spoilert die Story eigentlich schon: ›Six times we almost kissed (and one time we did)‹. Macht aber gar nichts, findet ANDREA WANNER, dafür erzählt Tess Sharpe zu gut.

Unsicherheit garantiert

Jugendbuch | Ulrike Renk: Liebe ist keine Primzahl Sicheren Boden unter den Füßen haben, sich sicher sein, in Sicherheit wissen und das ständig, wer wünscht sich das nicht? Leider sind das Kinderträume. Das merkt man zuerst und dann unerwartet schmerzlich in der Pubertät. Da wird klar, dass das Leben, wenn schon nichts anderes, zumindest Unsicherheit garantiert. Wie man mit dieser Erfahrung zurechtkommt, zeigt Ulrike Renk in ihrem ersten Roman für Jugendliche ›Liebe ist keine Primzahl‹. Von MAGALI HEISSLER

Daumen drücken für Alan Cole

Jugendbuch | Eric Bell: Dieses Leben gehört Alan Cole Geschwister können eine wunderbare Unterstützung im gemeinsamen Leben sein – oder einem das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle machen. Der Bruder von Alan Cole versteht Letzteres perfekt. ANDREA WANNER