Lara schwebt auf Wolke sieben. In der Post von ihrer Mama steckt ein leuchtend gelbes Haarband. Ein echter Hingucker! Am nächsten Tag wird das gute Stück stolz in der Schule präsentiert – die dunklen Locken lässig im Ananas-Look nach oben gebunden. Doch die Vorfreude hält genau so lange, bis der Schul-Alltag brutal zuschlägt. Von ANDREA WANNER
Bye-bye, Gute Laune!
Ausgerechnet an diesem Tag ist die Schulfotografin da und die Stimmung kippt. Ein anderes Mädchen lässt einen richtig fiesen Spruch ab: »Schau nur deine Haare an, so buschig und lockig. Sie verdecken sogar mein Gesicht. Du passt nicht rein mit deinen Haaren.« Ernsthaft jetzt? Geht es eigentlich noch gemeiner? Lara ist am Boden zerstört. Ihr Entschluss steht bombenfest: Die Locken müssen weg, glatte Haare müssen her! Und das gelbe Band fliegt erst mal direkt in den Müll.
Bügeleisen-Action und haarige Misserfolge
Was folgt, ist eine Reihe von ziemlich verzweifelten Selbstversuchen. Lara testet Gewichte, spezielles Shampoo und schreckt im wahrsten Sinne des Wortes nicht mal vor dem Bügeleisen zurück. Spoiler: Nichts davon funktioniert. Rettung naht in Form ihrer großen Schwester. Die fackelt nicht lange und schleppt Lara ab in den Haarkunstshop.
Ein verdammt cooler Ort voller gutgelaunter Frauen, der nicht nur Haar-Services bietet, sondern Lara sofort das Gefühl gibt: Du bist nicht allein mit deinem Hair-Frust. Die Friseurin drückt ihr ein Magazin namens »Black and Proud« in die Hand – genau das, das man auch auf dem Buchcover sieht. Und das große Staunen beginnt.
Mehr als nur eine Story
Genau an dieser Stelle mutiert die berührende Geschichte zu einem genialen Sachbuch. Afro, Cornrows, Twists, Braids – Begriffe fliegen durch den Raum und werden von der sympathischen Friseurin direkt erklärt. Wer checkt schon, dass ein offener Afro massig Feuchtigkeit braucht und mit einem speziellen Afrokamm gestylt wird? Diese Kämme sind oft kleine Kunstwerke, verziert mit der erhobenen Faust, dem Symbol des Schwarzen Widerstandes.
Richtig spannend wird es bei den Cornrows, den eng am Kopf geflochtenen Haaren. Früher zeigten die Flechtmuster nicht nur den sozialen Status einer Person an, sondern dienten sogar heimlich als Landkarten für Fluchtrouten. Wie genial ist das bitte?
Ich muss mich nicht anpassen!
Lara hört zu, lernt und kapiert das Wichtigste: Ich muss mich nicht anpassen. Am Ende gibt es statt einer chemischen Keule eine Wellness-Behandlung mit duftendem Shampoo, frischen Spitzen und – Überraschung! – dem gelben Haarband. Das hat die große Schwester nämlich in weiser Voraussicht aus der Tonne gefischt.
Neben den wunderbar fröhlichen Illustrationen hat die Berliner Autorin Catherine Adufe Folawiyo jede Menge kluge Gedanken im Gepäck. Sie beschäftigt sich schon lange mit afrodiasporischer Identität und liefert hier ein Debüt ab, das die Kids da abholt, wo es wehtut – und sie verdammt stark wieder aufbaut. Die kluge Message: Anpassung war gestern, du bist genau richtig, wie du bist!
Titelangaben
Catherine Adufe Folawiyo: Einmal glatte Haare bitte
Der Haarkunst-Shop
Leipzig: Orlanda 2026
44 Seiten, 21 Euro
Kindersachbuch ab 6 Jahren

