Die ›Skyrim‹-Tagebücher: Teil 3

Digitales | Games: Die ›Skyrim‹-Tagebücher: Teil 3

Überwältigt und überfordert von Möglichkeiten versucht sich DENNIS KOGEL gar nicht erst an einer Rezension, sondern erzählt viel lieber Geschichten aus ›Skyrim‹. Hier ist Teil 3 der Skyrim-Tagebücher. Zur Erinnerung: Teil 1 und Teil 2.

Schon letzte Woche ist mir klargeworden, dass Skyrim es meisterhaft versteht, Spielern verlockende Fallen zu stellen, um von selbst gesetzten Zielen abzulenken. Tatsächlich waren die Vampirhöhlen, Zaubererburgen und Mammutwilderer-Verstecke, die mir Skyrim bisher entgegenschmiss noch recht sanfte Methoden. Nach einer durchzechten Nacht mit einem Pilger im Dorf Ivarstead ist unsere Heldin Knives gestrandet in Markarth, einer auf Ruinen der untergegangenen Zwergenzivilisation gebauten Stadt, in der die »Forsworn«, eine Rebellengruppe, Mordanschläge auf die Mitglieder des mafiösen Silver-Blood-Clans verüben. Wie konnte ich auch anders als mich einzumischen?

Vergiss es, Knives, das ist Markarth

Skyrim - MarkarthKnives taumelt aus dem im Suff verwüsteten Tempel auf Markarths Straßen. Ich bin mir inzwischen sehr gut über die Fallen Skyrims bewusst. Ich gehe nicht in die Taverne, ich blicke geradeaus und ignoriere merkwürdig gekleidete Reisende in den Straßen, ich frage nicht nach, was die Bewohner der Stadt plagt. Mein Ziel sind die Stadttore und einer der gemütlichen Händlerkarren, die mich zurück zu meinem Pferd bringen könnten.

Knives muss sich nur noch an den Gemüsehändlern am Marktplatz vorbeidrängeln als Skyrim die Trumpfkarte spielt: ein dynamisches Ereignis. Eine Frau wird von einem Minenarbeiter angegriffen. Ich bin zu langsam, um sie zu retten, aber schnell genug, um den Angreifer auszuschalten bevor er entkommen kann. Ein nervös aussehender Mann bemerkt den Einsatz und steckt mir einen Zettel zu. Ich soll ihn im Tempel des Talos treffen.

Über die nächsten Stunden entfaltet sich eine Verschwörung, um die vertriebenen und unterdrückten Ureinwohner Markarths, die angefangen haben, sich an den herrschenden Familien der Stadt durch Terroranschläge zu rächen. Es folgen Einbrüche in die Herrenhäuser der Mächtigen, Nachforschungen in der lokalen Taverne, Kämpfe gegen Schläger, denen die Fragen einer Fremden in der Stadt nicht passen. Als meine Detektivarbeit dem herrschenden Silver-Blood-Clan zu auffällig wird, lauert mir die Stadtwache auf. Ich könnte kämpfen und sterben oder mich ergeben und in das angeblich sicherste Gefängnis des Landes verbannt werden: Die Cidhna-Minen, in denen der Anführer der Terrorzelle die nächsten Schritte plant. Die Wahl ist klar: Ich ergebe mich sofort. In gewisser Weise hätte mir Skyrim nicht einmal die Stadtwache schicken müssen, ich hätte mich auch freiwillig in das Gefängnis einliefern lassen. Der Plot hatte mich schon längst gefangen.

Kurzgeschichtensammlung

In seiner Rezension für Game Informer nennt Andrew Reiner Skyrim eine »Sammlung an Kurzgeschichten« und ich muss zu meiner Überraschung zustimmen. Die Elder-Scrolls-Spiele waren für mich immer eher Geschichtenmaschinen, also Spiele, die es mir erlauben, für mich selbst aus unterschiedlich motivierten Handlungen, Geschichten zu konstruieren. Ich hätte eher erwartet, Brad Gallaway zuzustimmen, der in Skyrim ein Spiel sieht, das uns von einer Höhle in die nächste schickt, um Banditen und Monster zu bekämpfen.

Tatsächlich ist Skyrim aber voll von erzählenswerten Geschichten. Und zumindest der um die »Forsworn« in Markarth kann ich meine persönliche Note aufdrücken. Knives schließt sich scheinbar der Terrorzelle an und beteiligt sich am Gefängnisausbruch. Während die Soldaten der Forsworn die Stadt stürmen und sich einen Straßenkampf mit der Stadtwache liefern, schleiche ich mich in einem günstigen Moment an den Anführer der Rebellen an und verpasse ihm den Todesstoß. Draußen sehe ich, wie die Meute über den Anführer der Silver-Bloods herfällt. Als die Sonne über Markarth aufgeht, steht niemand mehr. Die korrupte Stadtwache, der Silver-Blood-Clan und die »Forsworn«, sie alle haben verloren. Und ich ziehe weiter.

| DENNIS KOGEL

Titelangaben
The Elder Scrolls V: Skyrim
Entwickler: Bethesda
Publisher Bethesda
Plattform: PC, Xbox 360, PS3

Ihre Meinung

Your email address will not be published.

Voriger Artikel

Krieg im Herbst

Nächster Artikel

Brecht und der Film

Neu in »Digitale Spiele«

Holt den Fatman raus!

Digitales | Games: Fallout 4 Na na na na na na na na FATMAN! Sieben Jahre nach dem Erscheinen des letzten Teils veröffentlicht Bethesda nun die Fortsetzung seiner lang ersehnten ›Fallout‹-Reihe, ›Fallout 4‹. Doch wird das Spiel seinen Vorgängern gerecht? Wir durchstreifen postapokalyptische Einöden, Supermutanten-Kolonien und das ein oder andere Ghoulnest, immer auf der Suche nach dieser einen Antwort. Den Fatman bedient: DANIEL MEYER. PDF erstellen

Wenn der Zombie zweimal klingelt …

Digitales | Games: Dead Island Sonne, weiße Strände und türkisfarbenes Wasser – das klingt erst einmal nach der perfekten Urlaubsidylle. Kombiniert man das allerdings mit Zombies und ganz viel Blut, sieht das Bild schon anders aus. Nachdem die Untoten ihr Unwesen sonst eher auf dem Festland treiben, geben sie in ›Dead Island‹ ihr Debüt im sonnigen Paradies. NORMAN VOLKMANN ließ sich auf Banoi die Sonne auf den Bauch scheinen und amputierte fleißig Gliedmaßen infizierter Urlauber. PDF erstellen

Pew Pew

Digitales | Games: Star Wars: Battlefront Das Jahr neigt sich dem Ende und in den Supermärkten werden ganze Regalreihen dem kommenden Fest gewidmet. Nein, hier geht es nicht um das kleine Kind in der Krippe, sondern um ›Star Wars Episode 7: Das Erwachen der Macht‹, das am 17. Dezember in die Kinos kommt und sich anschickt, der erfolgreichste Film aller Zeiten zu werden. Passend gibt es von Brotdose bis Tapete alles mit ›Star Wars‹-Charakteren bedruckt. Natürlich darf auch ein Videospiel nicht fehlen. Ob ›Star Wars: Battlefront‹ eine gute Brotdose ist oder nur Durchschnittsware mit ›Star Wars‹ Stempel, findet FLORIAN RUSTEBERG heraus…

Schmetterlinge, Stille und Stechapfelrausch

Digitales | Games: Datura Die Geschichte des Drogenkonsums und die Geschichte der Menschheit sind eng miteinander verwoben. Seit der Steinzeit berauschen sich Menschen an all den mehr oder minder bewusstseinserweiternden psychoaktiven Substanzen, die sie so in die Finger bekommen. Unzählige dieser Substanzen sind dementsprechend auch in der westlichen Kultur und ihren Zeugnissen tief verwurzelt, Gegenstand ihres Nachdenkens oder gar ihre kreative Initialzündung gewesen. Woher DANIEL APPEL das weiß? Egal! Lesen Sie lieber weiter. PDF erstellen

Knüppel auf Kopf!

Digitales | Games: Far Cry Primal ›Far Cry Primal‹ wirft den Spieler mitten in die Steinzeit. Am Wendepunkt des Jäger- und Sammler-Daseins zur Sesshaftigkeit kannte die politische Kultur viele Werkzeuge der Konfliktlösung. Egal ob Pfeile, Speere, Keulen oder Faustkeile, FLORIAN RUSTEBERG hat sie alle ausprobiert. PDF erstellen